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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 03:58 Uhr

Kirche : Fromme Patrioten und weite Wege

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gegründet vor 150 Jahren: Gemeindemitglied Hans Jürgen Reinhardt erzählt die Geschichte der Wackener Kirche nach. Am Sonntag findet der große Festgottesdienst statt.

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erstellt am 05.Okt.2013 | 11:45 Uhr

In der Zeit um 1850 gab es ein Schleswig-Holstein, so wie wir es heute kennen, noch nicht. Es gab weder ein Deutschland noch ein Deutsches Reich, sondern nur einen deutschen Bund, der von Preussen und Österreich beherrscht wurde. Der nördliche Landesteil Schleswig und der südliche Teil Holstein standen unter der Herrschaft des Königreiches Dänemark.

Die Geschichte der Entstehung der Wackener Kirche begann im Herbst des Jahres 1852 in Schenefeld. Wie an jedem Sonntag stand der Gutsbesitzer Harald von Neergaard am Portaleingang der Kirche und blickte auf die ankommenden Kirchgänger. Viele kamen zu Fuß, manche mit Karren, wenige zu Pferd. Sein Blick wanderte in die teilweise erschöpften Gesichter der Menschen, denn viele hatten einen langen Weg hinter sich. 10, 15 oder noch mehr Kilometer waren für die entlegenen Dörfer keine Seltenheit. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich bei v. Neergaard eine Idee, die das gesamte Großkirchspiel Schenefeld auf den Kopf stellen sollte.

Wer war dieser reformerische Gutsbesitzer? Harald Emil Heinrich Daniel Brun von Neergaard, so sein voller Name, wurde am 4. April 1826 als Sohn einer wohlhabenden Familie in Ratzeburg geboren. Seine Erziehung in der Jugend war wertekonservativ und christlich beeinflusst. Wie viele junge Männer seines Standes beschloss er seine Ausbildung beim Militär – in seinem Falle in der Militärhochschule zu Kopenhagen.

Als guter Holsteiner und heimatverbunden trat er aber 1848 der neu aufgestellten „schleswig-holsteinischen Armee“ bei und kämpfte mit Ihr 1850 gegen Dänemark für die Unabhängigkeit. ( Daher der „fromme Patriot“) Der Krieg ging jedoch verloren und v. Neergaard kehrte Anfang 1852 nach Hause zurück, um den Gutshof seines Vaters in Christinenthal zu bewirtschaften.

Seine Erziehung und die Erlebnisse des Krieges hatten Ihn zu einem zu tiefst gläubigen Menschen gemacht.
Seit jenem Herbsttag des Jahres 1852 verfolgte v.Neergaard der Gedanke einer „Kirche der kurzen Wege“. Er fügte seine Ideen zusammen und stellte diese dann im November 1853 anlässlich einer Versammlung des „Schenefelder landwirtschaftlichen Vereines“ dar. Die Resonanz war anfangs gemischt, doch es begeisterten sich immer mehr Menschen für seine Argumente. Ein weiteres Standbein war seine Druckschrift „Lieb Holstein, mußt mehr Kirchen bau’n“. Durch diese Denkschrift wurde v. Neergaard im ganzen Land bekannt. Es dauerte aber noch fast 2 Jahre, ehe am 04.04.1855 das sog. „Kirchenbaukomitee“ gegründet wurde. Von Neergaard scharte 8 Mitstreiter aus der Umgegend um sich, die von nun an gemeinsam für die Sache kämpften. Diesen Männern gelang es, trotz heftigster Gegnerschaft, die geplante Dreiteilung des Großkirchspiels in die neuen Kirchgemeinden Schenefeld, Wacken und Todenbüttel durchzusetzen.

Nach mehreren Eingaben und persönlichen Reisen des Komitees nach Kopenhagen, genehmigte schließlich König Friedrich VII. Karl Christian von Dänemark am 22. Juli1858 den Bau von zwei Kirchen sowie die Unterteilung in drei Kirchengemeinden. Es war endlich geschafft! Alsbald nahm die neu aufgestellte „Baukommission“ Ihre Arbeit auf. Der Grund und Boden („3 Tonnen Land“) wurde durch die ansässigen Bauern Reimer Struve, Claus Hinz sowie Claus Struve gestiftet. ( vergl. 1 Tonne Land = 5500 m² ). Die Grundsteinlegung fand am 7. August 1861 in Anwesenheit von nahezu 5000 Menschen statt. Der Bau der Kirche wurde nach den Plänen der Baumeister Reme´ und Glüer aus Hamburg erstellt. Die Maurerarbeiten wurden von dem Schenefelder Maurermeister Karl Santen ausgeführt. Der Abbund und das Richten der Holzkonstruktion erfolgte durch den Zimmermeister Sommer aus Uetersen. Die Ziegel für die Kirche wurden von der Wackener Dampfziegelei von Wehde ( heute Alsenhof ) geliefert, während die Ziegel für das Pastorat aus Aasbüttel bezogen wurden.

Die Kirche hat im Grundriss die Form eines Kreuzes und war ursprünglich mit 700 Sitzplätzen ausgestattet. Über dem Hauptschiff und den Kreuzflügeln wurde eine flache Holzdecke vorgesehen, über dem Altarraum wurde dagegen ein Kreuzgewölbe gemauert. Das Dach wurde mit Ziegeln gedeckt. Der weit sichtbare Dachreiter war mit Schallöffnungen zu allen 4 Himmelsrichtungen ausgestattet. Die dafür vorgesehene Turmuhr wurde allerdings erst 1871 eingebaut. Lang anhaltende Nässe im Jahre 1862 sorgte für eine weitere Verzögerung, so dass erst am 6. Oktober 1863 die Kirche feierlich eingeweiht werden konnte. Am Eingang der Kirche empfing der Amtmann von Harbou als Vertreter des Königs die Schlüssel vom Architekten Reme´. Die feierliche Weihe wurde durch den Bischof Koopmann im Beisein von weiteren 18 Pastoren aus dem ganzen Land durchgeführt. Die Kirche erhielt den Namen „Heilig Geist Kirche“. Das Gebet für das Gotteshaus lautete: „Zu diesem Bau, o Herr, verleih‘ uns Deinen Segen! Deinem Dienste nur allein – soll die Kirch geweihet sein, zu der wir jetzt den Grundstein feierlich legen. Auf festem Grunde stets mög‘ die Gemeinde bauen! Lobend und preisend den Herrn – Immer auch folgend Ihm gern! Unseres Heilands Lehre treu und gläubig fest vertrauen“.

Die erste Glocke der Wackener Kirche hing im Dachreiter und war aus Bronze gegossen. Sie wog 465 Pfund und trug die Umschrift „Den Lebenden zum Gruß, den Toten zum Frieden“ . Außerdem war noch die Marke des Herstellers „F.G.Beseler Rendburg 1863“ eingeprägt. Im Jahr 1896 bekam die Glocke jedoch einen Sprung und wurde durch eine gusseiserne Glocke ersetzt. Diese wiederum klang so erbärmlich, dass sie im Jahr 1931 gegen zwei bronzene Glocken ausgetauscht wurde.

>Quellen: Die Chronik von Wacken im Westerkrug, 1997 Peter Martens, Die Chronik des Kirchspiels Wacken von 1903

> Anlässlich des Kirchenjubiläums findet am morgigen Sonntag, 6. Oktober, um 10 Uhr ein festlicher Jubiläumsgottesdienst mit Propst Krüger und Pastorin Schneider statt.

 

 


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