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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 02:11 Uhr

Kultur : Fröhlicher Abend wird zum Albtraum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wewelsflether Schriftstellerin leidet noch immer unter den Folgen eines schweren Autounfalls im November

Es sollte ein fröhlicher Abend werden, doch der endete für die beliebte Wewelsflether Schriftstellerin und Kriminalautorin Anja Marschall und ihren Mann im Krankenhaus: In der Nacht vom 28. auf den 29. November 2015 änderte sich für Anja Marschall an einer Kreuzung ihr ganzes Leben, wie sie in einer Mischung aus Traurigkeit und Gefasstheit sagt. Die Unfallverursacherin, eine 30-jährige Frau, hatte an der nur tagsüber durch eine Ampelanlage geregelten Kreuzung in Elmshorn bei Nacht das Stopp-Schild übersehen und war, so berichtet die Autorin, auf der Fahrerseite in ihr Fahrzeug hineingefahren. Die ganze Wucht des Aufpralls konzentrierte sich auf Anja Marschall, die sich auf dem Beifahrersitz befand, am Steuer saß ihr Mann.

Die schweren Verletzungen ließen für Wochen die Intensivstation zu ihrem Zuhause werden. Noch kürzlich, so Marschall telefonisch von ihrem Pflegebett aus, habe sie ihrer neunjährigen Tochter versprochen, sich in diesem nächsten Jahr zusammen mit ihr auf dem Trampolin beweisen zu wollen. „Daraus wird nun nichts mehr“, sagte sie traurig. Sobald sie sich halbwegs erholt haben wird, stünden weitere Operationen an, wozu wohl auch ein neues Hüftgelenk gehören wird.

Traurig – ja. Resigniert – nein: „Das letzte, das ich verliere, ist mein Humor.“ Bewundernswert, wie sachlich Anja Marschall über das spricht, was gerade erst begonnen hat – ihr neues Leben mit Schmerzen, eingeschränkter Mobilität und einem Trauma, dessen Behandlung Geduld erfordern wird. Nach dem Aufprall landete ihr Wagen in einem Graben. Weil sie Brandgeruch wahrgenommen hatte, habe sie für Augenblicke geglaubt, sie müsse im Wagen verbrennen.

Zu den Verletzungen und Schmerzen kommt hinzu, dass Anja Marschall ihre gesamten für die nächste Zeit geplanten Lesungsveranstaltungen an der Ostseeküste, auf der Insel Fehmarn und in Hamburg sowie Berlin absagen musste. „Das waren über 17 Termine“, zählt sie auf. Und das ausgerechnet jetzt, wo ihre „Lizzi“ so richtig zum letzten Tango durchstarten sollte. Die Titelheldin ihres im Aufbau-Verlag erschienenen Kriminalromans „Lizzis letzter Tango“ sei, so Marschall, ihr gar nicht so unähnlich. „Lizzi ist eine starke Natur, und auch sie muss gegen so manche Widrigkeit kämpfen.“ Und nun lacht sie auch wieder ein bisschen und stellt fest, dass sie ja sogar noch Glück gehabt habe, fast so viel Glück wie ihr Mann, der – wie durch ein Wunder – lediglich einen Knacks am Rippenbogen abbekommen habe.

Und ein paar gute Nachrichten gebe es ja auch. So sei die Fortsetzung von „Lizzis letzter Tango“ bereits im Kasten und werde im Juli unter dem Titel „Lizzi und die schweren Jungs“ in die Buchhandlungen kommen.

An richtiges Arbeiten am nächsten Buch ist zwar noch nicht zu denken, aber Anja Marschall hat bereits die Fortsetzung von „Fortunas Schatten“ in Arbeit, und hierin liegen auch Trost und Glück: Ihrem Beruf konnte dieser unglückselige Unfall nichts anhaben. Bedauerlich findet sie es allerdings, dass die Unfallverursacherin sich bei ihr nicht mit einer Silbe gemeldet habe.

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