Landwirtschaft in Horst : Frisch vom Feld bis vor die Tür

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Wie eine Tomate vom Strauch in die Biokiste gelangt und dann den Kunden in einem regionalen Online-Supermarkt zur Verfügung steht

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01. Oktober 2018, 14:14 Uhr

Im Gewächshaus hinter dem Hof Dannwisch staut sich die Hitze. „Für die Tomaten sind die Temperaturen optimal. Momentan ist Erntezeit“, sagt Gärtnereimitarbeiter Tomy Breite und pflückt ein knallrotes Exemplar. Sein Auftrag heute: Tomaten ernten für die Biokiste. Diese kann im Onlineshop des Hofes individuell zusammengestellt werden und wird dem Kunden dann direkt nach Hause gebracht.

„Als Gärtnereimitarbeiter kann ich tagtäglich beobachten, was ich alles mit meinen eigenen Hände geschaffen hat“, sagt Breite und verschwindet wieder zwischen den mannshohen Tomatenstöcken. Marcus Beyerlein, der sich um den Onlineshop kümmert, öffnet indes die Glastür des Gewächshauses. Seine Brille beschlägt, Breite findet er trotzdem im Tomatendickicht. Er nimmt ihm das rote Gemüse ab und geht damit hinüber in die Verpackungsabteilung. „Morgens geerntet, nachmittags geliefert. Bei uns machen die Produkte keinen Umweg zum Verbraucher“, erklärt der 29-Jährige. Früher sei das komplizierter gewesen, denn Bioläden gab es nicht. „Stattdessen lagerte einer das Gemüse bei sich in der Garage, und die Nachbarn holten sich ihre Ration ab“, erzählt Beyerlein. Dieses starre System wurde jedoch in den 1990ern auf dem Hof Dannwisch verändert bis hin zum individuellen Einkauf im Onlineshop.

Beyerlein stellt die Tomaten ab und überlässt die frische Ware den Kommissioniererinnen, die alles für die Auslieferung zusammenstellen. Trauben, ein Kürbis, fünf Tomaten und ein Kilo Kartoffeln werden beispielsweise in die Kiste gepackt. Immer höher wird der Stapel der fertigen Biokisten. Draußen stehen schon drei Lieferwagen bereit: Die Kunden warten schließlich auf frische Produkte vom Biohof.

Beyerlein macht jetzt einen Rundgang über das weitläufige Gelände. Er geht über den Hof, zieht seine Schuhe aus und betritt die hauseigene Käserei. Auf einem Brett liegen bereits zwei runde, gelbe Laibe bereit. Heute sollen sie alle noch gewendet werden, bevor sie später verkauft werden können.

Von draußen ist ein Hupen zu hören. „Ach, jetzt kommen die Äpfel vom benachbarten Hof Sommerland“, weiß Beyerlein. Der 90-jährige Hofinhaber winkt ihm zu. „Also irgendwas muss in den Produkten hier drin sein, wenn man davon so alt werden kann“, sagt der 29-Jährige und schmunzelt. Bio bedeute für die Hofgemeinschaft einen Kreislauf zu fördern. Die Felder werden ohne Chemikalien bewirtschaftet, stattdessen wird unter anderem Mist von den Kühen als nährstoffreicher Dünger weiterverwendet. Diese fressen wiederum das Gras von den Weiden rund um den Hof. „Das ist langfristig die gesündeste Art Landwirtschaft zu betreiben“, betont Beyerlein und das finden auch die Kunden: Bio ist nicht mehr nur Öko, sondern auch cool und chic geworden, sagt der Horster. „Bio ist auch nicht mehr per se teuer. Bei uns gibt es Kisten ab fünf Euro“, fügt er hinzu.

Er bleibt stehen und blickt einem Huhn hinterher, das über den Hof spaziert. „Das ist der letzte Überlebende. Als wir unsere Hähnchen zum Schlachter bringen wollten, hat es sich unter einer Treppe versteckt. Seitdem hat es Sonderrechte.“ Das Huhn schrickt auf. Ein Lieferwagen biegt um die Ecke: Die Biokiste ist nun unterwegs – von Itzehoe bis Hamburg, von Glückstadt bis Neumünster und manchmal auch darüber hinaus.

Die Geschichte des Hofes reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück, als die Elbmarschen durch die Eindeichung urbar gemacht wurden. Dannwisch wurde als Meierhof begründet und damit zum verwalterischen Zentrum für die Region. 1783 kam mit Diederich Scharmer der erste Ahn der Familie Scharmer auf den Hof, die bis heute dort lebt und arbeitet. 1957 stellten Dieter und Margret Scharmer den Hof auf die biologisch-dynamische Landbaumethode um. Heute bewirtschaften drei Familien gemeinsam den Hof. 1986 hat sich der Hof als gemeinnütziger Verein organisiert, dessen Ziele die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die Erforschung ihrer Grundlagen und deren Weiterentwicklung sowie die Ausbildung sind. Damit ist der Hof nicht mehr veräußerbar und vererbbar.

 Infos und Shop unter:

www.dannwisch.de

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