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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 20:42 Uhr

Friedhof Wilster bietet Orte der Erinnerung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

von
erstellt am 11.Aug.2015 | 16:17 Uhr

„Bedenkt den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod des Andern, muss man leben.“ So verarbeitete die Dichterin Mascha Kaleko den Tod von geliebten Angehörigen. Die Worte stehen auf der Startseite der Homepage des Friedhofs Wilster. Und sie treffen genau den Punkt. Nur wie lebt man mit dem Tod des Anderen? Traditionell erinnern Grabsteine an den Verstorbenen. Die sind teuer, müssen gepflegt werden. Der Friedhof Wilster trägt jetzt einer sich verändernden Beerdigungskultur Rechnung. Statt altherbrachter Grabstätten werden auch Ritualfelder angeboten. Für Angehörige sollen sie Orte der Erinnerung sein. „Und sie können hier etwas machen, müssen aber nicht“, erläutert Beritt Mahrt von der Friedhofsverwaltung das dahinter stehende Konzept. Dabei tritt sie Vermutungen entgegen, ein Friedhof sei nach der Beerdigungszeremonie eher verwaist. „Das ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Friedhöfe nicht oft besucht werden.“ Und weiter sagt sie: „Dass man einen Platz für die Trauerarbeit braucht, merkt man ja erst, wenn der Fall eintritt.“ Ziel des Friedhofs Wilster, so erläutern Beritt Mahrt und Friedhofsgärtner Christian Jens, sei es, Grabstätten anzubieten, die zu dem jeweiligen Leben passen. Und hier gebe es sehr viel individuellere Möglichkeiten als manche denken. Nicht ohne ein bisschen Stolz präsentieren beide das gepflegte und rund vier Hektar große Areal. Der Hauptweg wurde erst im vergangenen Jahr neu angelegt. 80  000 Euro wurden hier investiert. Laut Beritt Mahrt schreibt der Friedhof in Wilster nach wie vor schwarze Zahlen und arbeitet kostendeckend. Er werde ausschließlich über Gebühren und Rücklagen finanziert. Kirchensteuern bleiben außen vor. Gut 3000 Plätze werden auf dem Gelände vorgehalten, die Belegung liegt derzeit bei etwa 75 Prozent. Im Schnitt gibt es auf dem Friedhof pro Jahr 80 Beerdigungen.

Während sich Beritt Mahrt um die Verwaltungsaufgaben kümmert und auch Angehörige berät, sorgt Friedhofsgärtner Christian Jens gemeinsam mit einem Friedhofsarbeiter und zwei Saisonkräften für ein jederzeit gepflegtes Erscheinungsbild. Allein vor Pfingsten hat sein Team rund 6500 Begonien gepflanzt. Lässt man die Grabpflege von den Friedhofsmitarbeitern erledigen, kostet das jährlich 140 Euro. Im Bestand sind derzeit rund 375 Pflegegräber.

Die neuen Ritualfelder, so Beritt Mahrt, sollen übrigens keine Konkurrenz zu den klassischen Grabstellen sein, sondern ein zusätzliches Angebot. Besucher sind herzlich willkommen, sich den Friedhof einmal in aller Ruhe anzuschauen.

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