zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 11:47 Uhr

Friedhöfe für Nachfrage zu groß

vom

Verwaltung will auf beiden Begräbnisstätten in Brunsbüttel 40 Prozent der Flächen brach legen

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Brunsbüttel | In Brunsbüttel gibt es zu viele Friedhofsflächen. Mittelfristig will die Kirchengemeinde sowohl auf dem Paulusfriedhof an der Wurtleute tweute als auch auf dem Jakobusfriedhof an der Deichstraße in Brunsbüttel-Ort rund 40 Prozent der Fläche außer Betrieb nehmen. "Die Flächen bleiben Friedhof, werden aber später nur noch extensiv unterhalten", kündigte Friedhofsverwalterin Maike Petersen an.

Seit fünf Jahren ist die gelernte und studierte Gärtnerin, die auch in einem Baumschulbetrieb berufliche Erfahrungen sammelte, für die Verwaltung der beiden Friedhöfe verantwortlich. Pastor Peter Marten leitet den zuständigen Friedhofsausschuss.

Mit einer Gesamtfläche von rund 5,5 Hektar ist der Paulusfriedhof der größte Gottesacker in der Schleusenstadt. Mit 2,5 Hektar ist der Friedhof in Brunsbüttel-Ort nicht einmal halb so groß. Dennoch sind beide kirchlichen Bestattungs orte zu groß geworden. "Die Bestattungskultur hat sich im Laufe der letzten Jahre spürbar verändert", machte Maike Petersen einen wesentlichen Grund aus. Statt Sargbestattung wird vielfach ein Urnengrab nachgefragt, das wesentlich weniger Fläche beansprucht.

Fünf Gärtner betreuen die beiden Friedhöfe in der Schleusenstadt. Wenn auch oft technische Geräte vom Minibagger für das Ausheben der Gräber bis zum Aufsitzmäher für die Rasenpflege zur Verfügung stehen, wird es zu teuer, die zu großen Friedhofsflächen weiterhin wie gewohnt zu pflegen. "Das ist ohne zusätzliche Mitarbeiter nicht zu schaffen. Mehr Stellen würden aber auch die Kosten und damit die Friedhofsgebühren in die Höhe treiben", sieht Maike Petersen keine Alternative.

Die Lösung, die schon im vergangenen Jahr beschlossen und von Friedhofsausschuss, Kirchenvorstand, Kirchenkreis und Stadt einvernehmlich auf den Weg gebracht wurde, sieht vor, die jeweils hinteren Teile der beiden Friedhöfe nicht weiter zu nutzen. Bestehende Gräber bleiben bis zum Ablauf der Ruhezeit unangetastet. "Das wird ein langer Prozess, der noch die nächsten 15 bis 20 Jahre in Anspruch nehmen wird", macht Maike Petersen deutlich.

Lücken in den Gräberreihen


Die Notwendigkeit für die Reduzierung der Friedhofsflächen macht sie an konkreten Zahlen fest. Zurzeit gibt es auf beiden Friedhöfen nur noch zwölf Prozent reine Grabflächen; notwendig wären mehr als 20 Prozent. Grünflächen wurden mit 46 Prozent statt der gewünschten 30 Prozent ausgemessen, und Wege, Biotope, Nebenflächen und Gebäude nehmen 22 Prozent in Anspruch. "Diese Zahlen werden durch die Herausnahme der vorgesehenen Flächen wieder in ein rechtes Verhältnis gesetzt", verspricht sich Maike Petersen Vorteile aus der Extensivierung. Die Flächen bleiben zwar Friedhof, werden mittelfristig aber als Wald- oder Parkflächen weitgehend sich selbst überlassen. Die Kirche bleibt jedoch für die Verkehrssicherungspflicht zuständig, insbesondere, weil es noch rund 20 Jahre Publikumsverkehr zu den wenigen Gräbern auf den betroffenen Flächen geben wird. Die hier vorhandenen Lücken in den Grabreihen sind schon jetzt unübersehbar.

Hinterbliebene haben die Möglichkeit, auf beiden Friedhöfen unter verschiedenen Bestattungsarten zu wählen: normale Gräber für Sargbestattungen, anonyme Grabflächen, Rasengräber mit Liegesteinen oder sogar aufrecht stehenden Grabsteinen, Wahlgräber, Reihengräber in Staudenflächen und vieles mehr. Auf großen Zuspruch stoßen die Urnen-Reihengräber im so genannten Gesellschaftsbeet sowie das neue Alpha-Omega-Grabfeld, dessen Liegesteine dicht an dicht aneinander gereiht sind und mit dem verschlungenen Symbol der beiden griechischen Buchstaben auf jedem Grabstein für den Anfang und das Ende des Lebensweges stehen. Neben den nur Urnen vorbehaltenen Baumgräbern in den unter hohen Bäumen angelegten Beetflächen gibt es auch Urnengräber, die von den Angehörigen gepflegt werden. Ein wahres Blumenmeer kennzeichnet die Reihen-Wahlgräber im "Fluss der Erinnerungen", wie die geschwungene Grabreihe benannt wurde.

Die Ruhezeit auf den Brunsbütteler Friedhöfen beträgt für Sarggräber 30 und für Urnengräber 20 Jahre. Wer die Grabpflege aus Alters- oder anderen Gründen nicht mehr selbst ausüben kann, kann sie als gärtnerischen Auftrag auch an die Friedhofsverwaltung übertragen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen