zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 05:43 Uhr

„Freuen Sie sich über Reklamationen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wirtschaftspsychologe Joost van Treeck spricht mit Händlern über Online-Marktplatz Itzehoe

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2016 | 05:00 Uhr

Umsatzrückgang, Leerstände, verwaiste Innenstadt – kann da für Itzehoe das Internet Abhilfe schaffen, wenn die Geschäfte ihre Produkte auch online anbieten? Das „Fachgespräch Innenstadt“ im Café Schwarz gab Anregungen.

„Wir haben in Itzehoe schon ein paar Geschäfte, die eigene Shopping-Plattformen erstellt haben“, sagte Stadtmanagerin Lydia Keune-Sekula. „Aber wir haben noch keine gemeinsame Plattform.“ Rund 20 Geschäftsleute waren ihrer Einladung gefolgt und lauschten dem Hamburger Joost van Treeck, Dekan für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius. Er ging das Problem aus Sicht der Wahrnehmungspsychologie an und zapfte sein früheres Wirkungsfeld in der Paarforschung an: „So lange man sich streitet, ist noch nicht alles verloren.“ Vor diesem Hintergrund sei die Lage in Itzehoe „alles andere als bedenklich“.

Ohnehin hatte der Referent Potenzial gesehen. „Meine Wahrnehmung ist: Es ist eine saubere Stadt mit schönen Fassaden in aktuellen Farben und einem regelmäßigen Wechsel von Geschäften mit Cafés und Restaurants.“ Für Online-Auftritte gebe es kein Geheimrezept, sie sprächen aber gerade die Kunden vom Land an. Konkret bedeute das: „Erstellen Sie ein Forum für Selbstgemachtes, geben Sie etwas Exklusives dazu.“

Van Treeck veranschaulichte die Stärken und Schwächen Itzehoes im Unterschied zu Hamburg und dem Internet: „Bei Bequemlichkeit, Preis und Auswahl haben Sie keine Chance gegen Hamburg oder das Internet.“ Aber das Einkaufserlebnis sei in Itzehoe viel eher präsent als im Internet – in der Beziehung zum Kunden liege der Schlüssel. Beratung und Vertrauen seien in Itzehoe vollumfänglich vorhanden. Da, so der Experte, könne jeder noch eine Schippe drauf legen – und dann liege die Stadt plötzlich vor Hamburg mit dem Internet gleichauf.

Zum Thema Online-Shop gab es viel Skepsis bei den Zuhörern: „Es gibt im Internet viel zu viele Konkurrenten. Da würde ich untergehen.“ Oder: „Ich würde meinen Verkauf nie online abwickeln. Es gibt viel zu viele Reklamationen.“ Oder: „Eine Internetseite und Facebook sind ein Riesenaufwand.“ Auf der anderen Seite schilderte ein Ladenbetreiber, dass die Hälfte seines Verkaufs inzwischen über seinen Internetshop läuft. Der sei sehr spezialisiert, „die Ware wird bei mir abgeholt, und wir haben wenig Retouren“. Van Treeck riet, sich über Rückgaben zu freuen: „Verlässlichkeit entsteht nur daraus, wie gut gemeinsam Krisen gemeistert wurden. Das kann man am besten mit Reklamationen.“

Die Geschäftsleute störten vor allem die Uneinheitlichkeit der Verkaufsatmosphäre und der Öffnungszeiten. Weiterer Kritikpunkt: „Die Itzehoer reden Itzehoe schlecht, auch wenn es viel Gutes gibt.“

Den Impuls für einen gemeinsamen Online-Marktplatz habe es nicht gegeben, aber viele gute Tipps, bilanzierte Lydia Keune. Jeder könne sich Gedanken um die eigenen Auftritte machen – und van Treeck kündigte an: „Ich werde nochmal nach Itzehoe kommen – zum Einkaufen.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen