zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 04:36 Uhr

Unschuldig : Freispruch nach 25 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Vierteljahrhundert nach einer Vergewaltigung kommt es am Landgericht Itzehoe zum Prozess – doch der Angeklagte hat mit der Tat nichts zu tun.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Es dauerte 25 Jahre – doch nun ist er rehabilitiert: Ein 54-jähriger Rumäne, der seit 1989 in Schweden lebt, wurde gestern am Landgericht Itzehoe freigesprochen. Mit der Vergewaltigung, die ihm vorgeworfen wurde, hat er offenbar nichts zu tun.

Die Tat hatte sich bereits im Juli 1989 ereignet. Zwei Rumänen, die damals in einer Asylantenunterkunft in Oelixdorf lebten, sollen eine Polin vergewaltigt haben. Das Opfer, das heute 49 Jahre alt ist und in Warschau lebt, war mit einem Freund in einem Lokal in Itzehoe. Dort lernte sie auch den Angeklagten kennen. Er wollte weiter nach Schweden – sie wollte mit, er lehnte ab. Als er am späten Abend zurück zum Heim kam, erfuhr er, dass er gesucht wird. Daraufhin fuhr er erst nach Hamburg und von dort aus nach Schweden.

Ein Täter wurde damals gefasst und verurteilt – er hat den Angeklagten in keinster Weise belastet. Doch 1991 auf einem Flug von Schweden nach Rumänien klickten dennoch die Handschellen. Ein Jahr saß er in Untersuchungshaft. Zum Prozess kam es nicht, weil das Opfer nicht verfügbar war. Die Akten wanderten in den Keller – bis Staatsanwältin Monika Krause sie 2011 in die Hand bekam und den Mann einlud.

Dem 54-Jährigen, der in Schweden Arbeit, Haus, Frau und Kinder hat, ist es ein Anliegen, endlich seinen Namen rein zu waschen. Zeugen gibt es nicht mehr – nur das Opfer. Die Frau beginnt zu weinen, als sie von der Tat erzählt. Die Bilder haben sich in ihr Gedächtnis eingebrannt, und doch sind es Trugbilder. Die 49-Jährige ist sich sicher, den Täter zu erkennen – und zeigt überzeugt auf den Pressevertreter im Saal. Für Strafrichter Eberhard Hülsing ist das eine Steilvorlage für ein schnelles Prozess-Ende. Auch Staatsanwältin Stephanie Poensgen erkennt: „Der Angeklagte ist mit Entschädigung frei zu sprechen.“

Strafverteidigerin Gabriele Heinecke weist darauf hin, das ihr Mandant ein Jahr unschuldig in Haft gesessen habe – und dass keinerlei Spuren von ihm am Tatort sichergestellt wurden. Auch habe ihn die Zeugin auf einem Foto nicht erkannt. „Sicherlich wäre sie gerne mit nach Schweden gegangen. Das, was die Zeugin hier zeigt, ist eine Projektion. Die Tat ist ein noch nicht aufgearbeitetes Kapitel in ihrem Leben.“

„Ich danke ihnen, dass die Wahrheit jetzt endlich ans Licht gekommen ist. Ich habe versucht zu helfen, weil ich weiß, das ich unschuldig bin“, sagt der Angeklagte. Sein Freispruch samt Entschädigung ist Formsache. Hülsing belässt es nicht dabei. Er entschuldigt sich zudem im Namen der deutschen Justiz für den Fehler.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen