Neubaupläne : Freies Lernen für Grundschüler

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Erste Pläne für Neubau der Wolfgang-Ratke-Schule in Wilster – Kosten werden auf mehr als zehn Millionen Euro geschätzt.

shz.de von
09. März 2018, 05:00 Uhr

Es sind zwar nur erste Entwürfe, aber die hatten es gleich in doppelter Hinsicht in sich. Zwischen 10,9 und 11,6 Millionen Euro – je nach Variante – dürfte nach einem grob abgesteckten Kostenrahmen die neue Wolfgang-Ratke-Schule in Wilster kosten. Gleichzeitig würde die Bildungsstätte damit aber auch auf ein ganz neues pädagogisches Niveau gehoben. Statt althergebrachter Klassenzimmer gibt es für jede Klassenstufe Raumeinheiten, die kaum noch Wünsche offen lassen.

Unzulänglicher Brandschutz, fehlende Fluchtwege, keine Barrierefreiheit und eine dringend notwendige energetische Sanierung hatten den Stein ins Rollen gebracht. Vor allem die Brandaufsicht sitzt dem Schulverband im Nacken. Statt Flickschusterei an dem altehrwürdigen Schulgebäude und dem Andocken von Feuertreppen gab es schließlich einen Planungsauftrag für eine grundlegende Modernisierung der Grundschule. Mitarbeiter des Lübecker Architektenbüros ppp-Stadtplanung stellten Vertretern des Schulverbands erste Entwürfe vor.

Die erste Überraschung: Während der Bestand eine Nutzfläche von rund 1600 Quadratmetern aufweist, soll die neue Schule auf 2800 Quadratmeter kommen. Statt Klassenräumen gibt es ganze Klassenhäuser – mit Bewegungsflächen, Platz für Gruppenarbeit und Differenzierungsräumen und der generellen Möglichkeit für freies Lernen. Das alles in zwei Geschossen und barrierefrei. „Man baut heute nicht mehr wie früher, sondern schafft freie Lernfelder“, brachten es die Planer Nils Dethlefs und Heiner Grewsmühl auf den Punkt. Der Neubau wäre hufeisenförmig auf dem bestehenden Schulgelände untergebracht, der Altbau würde verschwinden.

Die Planer favorisieren allerdings eine Variante, bei der das bestehende Gebäude erhalten bleibt. Es würde aber komplett entkernt und modernisiert. Dethlefs: „Es ist ein tolles Haus. Wir würden es nicht wegreißen.“ Der Planer sprach von einem „baukulturellen Erbe“. Dort könnten in Zukunft die Räume für Lehrer, Verwaltung, Fachklassen und für den Hausmeister untergebracht werden. Für die zwölf Schulklassen gäbe es einen – dann abgespeckten – Neubau mit den beschriebenen Entfaltungsmöglichkeiten.

„Ein Superkonzept und auf die Zukunft ausgerichtet“, schwärmte spontan Marlis Krumm-Voeltz von der angrenzenden Gemeinschaftsschule. Sie plädierte lediglich dafür, dass der neue Gebäudekomplex offen und einladend zur Nachbarschule ausgerichtet sei. Bei den versammelten Bürgermeistern zeigten hingegen die finanziellen Dimensionen Wirkung. „Bei den Summen ist es gut, wenn man sitzt“, so der Beidenflether Peter Krey. Auch der Wewelsflether Delf Bolten zeigte sich „erst einmal geschockt“. Am Ende herrschte Einigkeit, dass der Schulneubau in allen Gremien diskutiert und nach der Sommerpause weiter beraten werden soll. Schulverbandsvorsteher Walter Schulz versicherte vorsorglich, dass mit dem Neubau nicht die übrigen Wilstermarschschulen in Gefahr seien. Wie groß der Handlungsbedarf an der Wolfgang-Ratke-Schule sei, machte Rektorin Yvonne Wilhelm an einem Beispiel deutlich: „Im Hauptgebäude gibt es einen Raum, der wird mangels Platz sechsfach genutzt.“

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