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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 19:36 Uhr

Ballonflug : Freie Sicht in 2600 Meter Höhe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hans-Jörg Spies aus Wrist ist seit zehn Jahren als Ballonpilot unterwegs. Bei guter Sicht hat er von der Elbmündung über die Kieler Förde bis zur Lübecker Bucht fast ganz Schleswig-Holstein im Überblick.

Wo lässt sich die Stimmung kurz vor Sonnenuntergang an Nord- und Ostseeküste gleichzeitig genießen? Mitten im Land. Oder besser: über dem Land. Wer in den Abendstunden mit einem Heißluftballon hinter Stellau abhebt, hat mit etwas Glück und bei guter Sicht von der Elbmündung über die Kieler Förde bis zur Lübecker Bucht fast ganz Schleswig-Holstein im Überblick. Hans-Jörg Spies aus Wrist gönnt sich das Vergnügen öfter: Der 50-Jährige ist seit zehn Jahren als Ballonpilot unterwegs.

Schnell, aber sanft steigt der von viel heißer Luft in einer weiß-blau-roten Hülle getragene Korb von der Wiese hinter dem Stellauer Deich auf. Das anfangs noch ohrenbetäubend erscheinende Geräusch nehmen die Mitfahrer schon bald nicht mehr wahr – so still ist es auf 2600 Meter Höhe, ungewohnt still. Ungewohnt auch der Blickwinkel, der die vertraute heimatliche Umgebung ganz neu präsentiert. Die Auwiesen, die Bahngleise – und der Ort da unten soll, das soll tatsächlich Wrist sein? Bei wenig Wind bleibt viel Zeit zum Betrachten, was es in nah und fern zu entdecken gibt. Kühe klein wie Spielzeugtiere, hell schimmernd die Kreidegruben von Lägerdorf, silbern glänzend die Windungen der Stör in der Abendsonne, denen weiter im Westen das Sperrwerk einen Riegel vor schiebt. Löcher im Dunst der Wolken lassen die Nordsee durchschimmern. Der Hamburger Fernsehturm, nur streichholzgroß, hält das Auge nicht fest.

Der Blick schweift weiter nach Osten: Das hoch aufragende Maritim-Hotel Travemünde ist gut auszumachen. Dahinter die mecklenburgische Küste, die noch zur DDR gehörte, als Hans-Jörg Spies 1987 seine Leidenschaft für Heißluftballons entdeckte: Mit Dresdner Studienfreunden zusammen erlebte er ein Ballontreffen in Ungarn und fing Feuer. Allerdings war Ballonfahren in seinem damaligen Heimatstaat verboten. „Aber noch in der Wendezeit von 1989 haben wir dann den ersten Ballonverein in der DDR gegründet“, berichtet Hans-Jörg Spies. Als einer von zwei Piloten geht er immer noch für den Mecklenburg-brandenburgischen Ballonsportverein in die Luft. Nach überlieferter Sitte erhebt der bei Airbus tätige Ingenieur anschließend alle in den Adelsstand der Ballonfahrer, die zum ersten in einem Freiballon mitfahren (nicht -fliegen!). Sie werden mit Feuer, Erde und Sekt getauft und dürfen sich dann eines besonderen Namens rühmen wie „Wackerer Ritter der heißen Luft Ballongraf Andreas, der Ballontreidler am Hasselbusch“.

Dort endet an diesem Abend die Fahrt. Senkrecht von oben betrachtet sieht der Forst aus wie Brokkoli. Freiballon D-OANK sinkt so sanft wie er eineinhalb Stunden zuvor aufgestiegen war neben dem Waldstück nieder. Butterweich ist bei wenig Wind die Landung und auf einer Koppel nahe Bokel, nur zehn Kilometern Luftlinie vom Startort entfernt – und doch irgendwie ganz weit weg. Ballonfahrten mit Hans-Jörg Spies sind ganzjährig möglich, wenn es nicht zu windig oder nass ist: „Das ist auch im Winter wunderschön!“

 

>Weitere Infos unter Telefon 04822/ 5296.



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erstellt am 12.Okt.2013 | 04:45 Uhr

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