Neues Buch : Frauenporträt mit Tiefenschärfe

„Die Muse von Wien“ heißt das neueste Buch der Glückstädter  Autorin Tania Schlie.
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„Die Muse von Wien“ heißt das neueste Buch der Glückstädter Autorin Tania Schlie.

Die Glückstädter Autorin Tania Schlie schreibt Roman über die „Muse“ Alma Mahler.

shz.de von
09. Juni 2018, 09:00 Uhr

Tania Schlie gehört zu den bekanntesten Autoren der Region. Ein Dutzend Romane sind inzwischen unter ihrem eigenen Namen erschienen. Hinzu kommen etliche unter Pseudonym. Gerade kam ein Werk auf den Markt, das die Schriftstellerin unter dem Autorennamen Caroline Bernard geschrieben hat. „Die Muse von Wien“ heißt das Buch, dessen Protagonistin Alma Mahler ist. Ein Werk über das Wien der Jahrhundertwende. Vor allem aber ein Frauenporträt mit Tiefenschärfe.

Wer war diese Alma Mahler überhaupt? Geboren 1879 in Wien und gestorben 1964 in New York, prägte sie das frühe 20. Jahrhundert in der österreichischen Hauptstadt maßgeblich mit. Und das, „obwohl sie nie eine echte Schule besucht hat“, wie Tania Schlie anmerkt.

Früh brachte sie ihr Vater mit der Malerei in Kontakt. Und früh schon wurden die Männer auf sie aufmerksam. „Sie galt als schönstes Mädchen von Wien“, sagt Schlie. Mit gerade einmal 16 Jahren entbrannte Mahlers Liebe zu Gustav Klimt. Es war eine unglückliche Liebe, doch wie ein roter Faden ziehen sich auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten die prominenten Namen durch Mahlers Leben.

Auf Klimt folgt Gustav Mahler. Der große Komponist, Dirigent und Operndirektor ist 19 Jahre älter als seine spätere Frau. „Alma Mahler hat ihn schon vorher aus der Ferne verehrt“, weiß Schlie. Wirklich glücklich wird sie aber auch mit ihm nicht. Mahler ist ein Genie – und ein schwieriger Mensch. Er verbietet ihr, der hochtalentierten Komponistin, das Komponieren. Sie willigt ein, um eine Trennung zu vermeiden.

Alma ist jung und glaubt, dass sie ihren älteren Gatten „zurechtbiegen“ kann. Sie kämpft um ihre Ehe, bekommt zwei Kinder. Doch auch diese Form des erhofften Familienglücks entpuppt sich als schwierig. Es sind diese Jahre, die in Schlies Roman im Vordergrund stehen. „Die Muse von Wien“ endet mit Gustav Mahlers Tod 1911. Alma überlebt ihn um ein gutes halbes Jahrhundert. Es folgen Beziehungen zum Architekten Walter Gropius, zum Dichter Franz Werfel und zum Maler Oskar Kokoschka. Wenn es um ihre Beziehungen ging, dann „musste Genie schon sein“, umschreibt Tania Schlie den Hang ihrer Romanheldin zu berühmten Persönlichkeiten.

Fast 500 Seiten ist Schlies Roman stark. Ein fesselndes Werk, das Realität und Fiktion gekonnt vermischt. Biografisch angehauchte Romane sind zurzeit in Mode, die Musen-Reihe des Aufbau-Verlags ein Verkaufsschlager. Wer sich in das Seelenleben der Wiener Muse vertiefen möchte, zahlt 12,99 Euro.

Dass es unter dem Pseudonym Caroline Bernard erschienen ist, hat einen einfachen Grund. „Es ist ein anderes Genre als meine anderen Romane“, erklärt Tania Schlie. Wie viel Wahrheit in das Werk eingeflossen ist, weiß letztlich nur sie selbst. „Ich habe unglaublich viel recherchiert“, versichert sie. Doch es sei auch Platz für die Fantasie der Autorin geblieben. So etwa bei den Gesprächen der Hauptperson. Oder bei den genauen Daten der Fehlgeburten Alma Mahlers.

Die Autorin weckt Emotionen des Lesers und nimmt ihn mit auf eine spannende Reise ins kaiserliche Wien und das Innenleben einer Frau, die ihr eigenes Talent ein gutes Stück weit opferte, um den männlichen Genies an ihrer Seite eine Muse zu sein.

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