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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 00:39 Uhr

Fracking in Dithmarschen abgelehnt

vom

Umwelt- und Agrarausschuss bleibt bei Vorstellung des Verfahrens durch die kanadische PRD skeptisch

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Heide | In Dithmarschen wird es kein Fracking geben. Vorerst. Davon ist jedenfalls Dr. Markus Hirschfeld, Referatsleiter Energiepolitik im Kieler Wirtschaftsministerium, überzeugt. Dafür hat er zwei Gründe: Zum einen ist es politisch nicht gewollt - zum anderen "geologisch unwahrscheinlich". Die umstrittene Förderung von Gas unter Einsatz hochgiftiger Chemikalien wird bei Tongestein eingesetzt, das in Dithmarschen kaum vorkommt.

So richtig glauben wollen es die Dithmarscher nicht. Im Agrar- und Umweltausschuss des Kreises wurde das Thema eineinhalb Stunden diskutiert, obwohl zurzeit noch niemand über den Einsatz von Fracking nachdenkt. Vorsorglich rief Johann Heinrich Karstens (CDU) schon Mal zum "zivilen Ungehorsam" auf, sollte es doch dazu kommen. Denn viel ausrichten kann Dithmarschen nicht. Die Entscheidung fällt auf Bundesebene: Fracking wird nach Bergbaurecht geregelt. "Schleswig-Holstein ist nur ein kleiner Fleck auf der Landkarte", machte Karstens deutlich. Auch Hirschfeld sieht das so und erklärte, dass das Land Verbündete wie Bayern benötige.

Wilhelm Malerius (SPD) stemmt sich ebenfalls mit aller Macht gegen Fracking und rief in seiner letzten Sitzung als Ausschussvorsitzender dazu auf, das Thema nach der Kommunalwahl genau im Auge zu behalten.

Denn die Ängste konnte die PRD Energy GmbH nicht aus dem Weg räumen. Die kanadische Explorations- und Produktionsgesellschaft für Kohlenwasserstoffe hat seit 2008 einen Firmensitz in Berlin und seit dem 1. April dieses Jahres für Ostrohe die Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen.

Bohrungen wird es vorerst noch nicht geben. Dafür ist eine Betriebserlaubnis notwendig. Zuerst steht das Sammeln von Daten auf dem Programm, die darüber Aufschluss geben sollen, ob eine Förderung wirtschaftlich sinnvoll ist.

Fracking hat nach Aussage von Dr. Fritz von Hammerstein für PRD keine Priorität. Vollkommen ausschließen konnte es der Hamburger Anwalt für Verwaltungsrecht nicht. Von Hammerstein vertritt das kanadische Unternehmen und übernahm bei der Ausschusssitzung für PRD-Geschäftsführer Mark Hornett die Übersetzung.

Ziel von PRD ist es, ehemalige Öl-Lagerstätten mit horizontalen Bohrungen - wie sie auch beim Ölfeld Mittelplate angewendet werden - anzuzapfen. Ob dies in Ostrohe der Fall sein wird, ist offen. Nicht selten stelle sich bei den Untersuchungen heraus, dass sich eine Förderung nicht lohne, so von Hammerstein. Kritisch wird aber allein schon die 3-D-Seismik gesehen, die ähnlich wie ein Echolot funktioniert und Strukturen im Untergrund ohne Eingriff in den Boden sichtbar macht. Dabei, so die Befürchtung im Ausschuss, können Erschütterungen ausgelöst werden.

PRD versuchte dennoch, den Ausschussmitgliedern die Förderung schmackhaft zu machen , betonte die enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort, versprach eine sichere Technologie bei der Ölförderung und verwies auf Arbeitsplätze, Gewerbesteuer und Förderabgaben für das Land. Genützt hat es nicht. Karstens: "Ich will gar keine Lösung."

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