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Historischer schriftsatz : Fortuna lächelt: Die schwarze Kunst

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Artur Dieckhoff setzt in der Glückstädter Druckerei Augustin ein Buch im traditionellen Bleisatz. Lesung am 13. September mit Schauspieler Andreas Brucker.

Artur Dieckhoff nimmt eine Letter in die Hand – eine 4 Cicero magere Patricia. Er steht in den Räumen der Druckerei Augustin, wo früher weltbekannte wissenschaftliche Werke gedruckt wurden – in vielen exotischen Schriften im Bleisatz. Dieckhoff versteht das Handwerk des Bleisatzes. Und nur hier kann der 67-Jährige sein neues Projekt umsetzen: Ein Bändchen mit Gedichten und einem verheißungsvollen Titel: „Fortuna lächelt“.

„Die Idee hatte ich, als ich das erste Mal nach Glückstadt kam“, sagt der Hamburger. Denn als kleiner Junge erzählte ihm sein Onkel – ein Buchdrucker – von Wilhelm Busch und einem besonderen Gedicht. Dieckhoff zitiert: „Fortuna lächelt, doch sie mag nur ungern voll beglücken. Schenkt sie uns einen Sommertag, so schenkt sie uns auch Mücken.“ Diese Zeilen fielen ihm spontan ein, als er die Fortuna auf der Spitze der Stadtkirche entdeckte.

„Ich habe dann nach Glücks-Gedichten gesucht, aber die Recherche war schwierig.“ Bei Ringelnatz, Heinrich Heine und Arezu Weitholz wurde er schließlich fündig.

Das Bändchen jetzt bei Augustin zu setzen, hat für ihn auch etwas mit Wehmut zu tun. „Es ist wahrscheinlich der allerletzte Augenblick, in dem ich hier noch arbeiten kann.“ Denn die Eigentümer wollen den historischen Bleisatz verkaufen. Die Pläne, dort ein Museum einzurichten, gehören der Vergangenheit an. Das bedauert Dieckhoff, der sich intensiv mit der Geschichte der Druckerei auseinander gesetzt hat. Unter anderem hat er an der Wirkungsstätte der Glückstädter Schriftsetzer mit seinem Freund Christian Bau den preisgekrönten Film „Zwiebelfische Jimmy Ernst und die Druckerei J.  J. Augustin Glückstadt – New York“ gedreht.

1984 gründeten Artur Dieckhoff und Klaus Raasch in einer 200    Jahre alten Scheune die Buchdruckwerkstatt „Schwarze Kunst“. Raasch war einige Male mit Diekhoff in Glückstadt und hat viele Fotos bei Augustin gemacht. Zuvor hatte Artur Dieckhoff eine Lehre als Schriftsetzer absolviert, studierte an der Hochschule für bildende Kunst in Hamburg und ist seither als Schriftsetzermeister sowie als Büchermacher und Regisseur animierter Holzschnittfilme in Hamburg tätig. Daneben arbeitet er in Lehre und Forschung über die Geheimnisse der „Schwarzen Kunst“. Ehrenamtlich ist Dieckhoff im Museum für Arbeit in Hamburg tätig. Zusammen mit dortigen weiteren Museumsmitarbeiter engagiert er sich für den Erhalt der historischen Schätze in Glückstadt. „Hier gibt es keinen Ansprechpartner für Industriekultur“, bedauert er den Mangel an Geldgebern für ein Museum.

Das kleine, handgesetzte Bändchen „Fortunas Glück“ soll am Tag des offenen Denkmals, am 13. September, der Öffentlichkeit vorgestellt werden. In den Räumen von Augustin, wo Dieckhoff jetzt die Lettern setzt. Punkt 12 Uhr beginnt an dem Tag die Lesung mit dem bekannten Hamburger Schauspieler Andreas Brucker.

„Fortuna lächelt“ wird in einer Auflage von 400 Stück im Museum für Arbeit in Hamburg gedruckt. Das „schöne Papier“ kommt aus Glückstadt – aus Beständen der Druckerei Augustin.

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erstellt am 26.Aug.2015 | 04:45 Uhr

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