zur Navigation springen

Innovationsraum : Forscher lässt Maschinen sehen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Thorsten Giese entwickelt am Fraunhofer-Institut ISIT eine 3D-Kamera, die für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz sorgen soll.

von
erstellt am 03.Aug.2015 | 17:17 Uhr

Innovationsraum? Das sind die Gebäude hinter der Autobahnbrücke an der Abfahrt Itzehoe-Nord. Mehr wissen die meisten nicht über die boomende Hightech-Region der Stadt. In loser Folge stellen wir Beschäftigte und ihre Arbeitsfelder vor.

Thorsten Giese ist sich sicher: „Maschinen werden immer mehr mit Menschen zusammenarbeiten.“ Wenn aber die Maschinen die Menschen nicht „sehen“ können, wird es gefährlich. Das will der 33-Jährige ändern mit seiner Arbeit am Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT). Er hat als Leiter eines vierköpfigen Teams eine 3D-Kamera aufgebaut.

Giese ist gebürtiger Itzehoer, lebt in Hohenaspe. Er machte erst eine Ausbildung zum Elektroinstallateur, studierte dann in Hamburg Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Informationstechnik. Ein Praxissemester brachte ihn 2007 ans ISIT: „Bis dahin wusste ich, ehrlich gesagt, gar nicht, dass hier Fraunhofer ist.“ Als Werkstudent kam er wieder: Die Kollegen seien toll gewesen, das Arbeiten nach der theorielastigen Universität ebenfalls: „Alles das, was man gelernt hat, kann man irgendwie praktisch anwenden.“ Seine Diplomarbeit schrieb Giese über digitale Signalverarbeitung, als fertiger Ingenieur wurde er Mitarbeiter im Institut im Bereich Mikrospiegel. Bis 2011 beschäftigte er sich mit projizierenden Systemen für Displays oder Laserbeamer.

Dann kam die Frage: „Was kann man mit diesen Spiegeln noch machen?“ Die Wahl fiel auf eine Kamera, die dreidimensionale Bilder aufnimmt, um Sensoren für die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine zu unterstützen. „Bisher haben die Maschinen das Problem, dass sie nicht wissen, was um sie herum passiert“, erklärt Giese. Hinzu kämen viele andere relevante Anwendungen, zum Beispiel im Auto das Erkennen von Gesten, mit denen der Fahrer die Technik steuert.

Der 33-Jährige beschäftigt sich in der Theorie mit Astronomie, lässt gern seine Drohne fliegen – Technik ist sein Ding. Deshalb bringe ihm die Arbeit am ISIT auch so viel Spaß, und deshalb kniete er sich in die langen Vorbereitungen und Berechnungen für sein Projekt. Dann war es geschafft: Das Prinzip der 3D-Messung war hausintern bewiesen, Giese baute die Kamera auf.

Bislang wird stereoskopisch mit zwei Kameras gemessen, die hohen Kontrast brauchen und Schwierigkeiten beim Fokussieren haben. Die Kamera aus dem ISIT misst mit einem Laser die Entfernung, ähnlich dem Radar-Prinzip. Aber es geht unvorstellbar schnell: Eine Messung dauert 17 Nanosekunden oder auch eine 17-Milliardstel-Sekunde. Pro Sekunde schafft Gieses Kamera 60 Millionen Messungen, „das ist der Vorteil, den wir gegenüber allen anderen 3D-Kameras haben“. Denn die schafften nur drei Millionen.

Nach 160 Millisekunden ist eine Aufnahme fertig. „Das muss noch schneller werden“, sagt der Ingenieur. Dabei geht es um die Verarbeitung der Daten, „das hat noch sehr hohes Optimierungspotenzial“. Der Teufel stecke auch bei diesem System im Detail.

Bislang gibt es nur den Aufbau im Labor, um zu zeigen, dass das Prinzip funktioniert. So sei es aber noch viel zu groß, sagt Giese. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Westküste soll es miniaturisiert werden, bis es auf einen Mikrochip passe, dauere es noch Jahre – außer, es werden die erhofften Partner aus der Industrie gewonnen. Dann dürfte seine Arbeit den bekennenden Ur-Steinburger Giese noch häufiger aus seinem Heimatkreis herausführen. Im April war er das erste Mal in den USA, es darf gern mehr werden: „Ich bin der Zukunft gegenüber relativ aufgeschlossen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen