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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 11:52 Uhr

Forderung: Mindestlohn ohne Ausnahmen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Zeichen der Prinovis-Schließung stand auch die Kundgebung zum 1. Mai auf dem Berliner Platz. Prinovis-Betriebsrat Helmut Böttger blickte zurück: „Am 1. Mai vorigen Jahres sprachen wir noch vom Kampf für den Erhalt des Standortes. Aber leider stellte sich kurz darauf heraus, dass dieser Kampf chancenlos war.“ Die Konzernführung habe in den Überkapazitäten im Tiefdruckmarkt und im Preisverfall bei den Druckobjekten stärkere Argumente für die Schließung des Standorts gesehen als für den Erhalt von Arbeitsplätzen. „Bertelsmann war es egal, ob 1000 Mitarbeiter in einer strukturschwachen Region arbeitslos werden.“

 Somit sei man gezwungen gewesen, für einen guten Sozialplan zu kämpfen, der die ersten Härten abfedert – und das sei erreicht worden. Erstmalig in der Geschichte ist es sogar gelungen, eine Transfergesellschaft für die Kollegen mit Leiharbeiter- und Werkverträgen zu bekommen. Es sei wichtig, jetzt nicht nur zurück zu blicken, betonte Böttger. „Es gibt ein Leben nach Prinovis.“ Man dürfe nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern müsse sich aktiv um Weiterbildung und einen neuen Arbeitsplatz bemühen – auch wenn diese in der Region rar gesät seien. Deshalb appellierte Böttger an die Politik: „Es muss dafür gesorgt werden, neue Industrie anzusiedeln, schnell und unbürokratisch. Sonst sehe ich für die Region schwarz.“

 Die Ereignisse in der Region zeigten deutlich, wie schnell Arbeitsplätze und Existenzen gefährdet sein können, betonte Tobias Klaassen, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). „Die Wirtschaft boomt, aber viele haben das Gefühl, nichts davon zu haben.“ Doch der Mindestlohn werde die Arbeitsbedingungen verbessern – allerdings müsse er für alle Arbeitnehmer gleichermaßen gelten. „Würde kennt keine Ausnahme!“

 Zudem brauche es eine bessere finanzielle Absicherung von Arbeitslosen. So, wie Hartz IV jetzt laufe, sei es eine stetige Bedrohung sowohl der Arbeitslosen als auch für die Arbeitnehmer, die schnell selbst davon betroffen sein könnten.

 „Europa muss endlich sozialer werden“, forderte Klaus Beck vom DGB-Bundesvorstand und appellierte an die Zuhörer, die Europawahl zu nutzen. „Das Europäische Parlament ist kein unwichtiges Parlament.“

 2014 sei ein entscheidendes Jahr für viele soziale Fragen, sagte Beck. Er forderte ebenfalls den „Mindestlohn ohne Ausnahmen“. Weder Jugendliche noch Langzeitarbeitslose dürften ausgenommen werden. Sein Appell: „Geht den Bundestagsabgeordneten aus der Region damit auf die Nerven.“

 Dringenden Handlungsbedarf sah er aber auch bei der Gleichstellung von Männern und Frauen – und zwar nicht nur in Führungspositionen. Und: „Die Arbeit von Leiharbeitnehmern muss Bestandteil der betrieblichen Mitbestimmung werden.“

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erstellt am 02.Mai.2014 | 05:00 Uhr

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