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Zukunft der Windenergie : Fördern oder Fordern?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Entwicklungsgesellschaft hatte zum Meinungsausstausch eingeladen – und zahlreiche Experten diskutierten über Windkraft und EEG-Umlage.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Schon 2015 werden die Vergütungssätze für Windstrom gesenkt. Davon gehen Projektleiter Martin Schmidt und Projektmanager Holger Arntzen von der in Husum ansässigen Netzwerkagentur Windcomm Schleswig-Holstein aus. Auf einem Energieforum der Entwicklungsgesellschaft Brunsbüttel (egeb) im Informationszentrum des Kernkraftwerks nahmen sie zum Thema „Fördern oder Fordern: Wie steht es um Schleswig-Holsteins Onshore-Windbranche?“ Stellung.

„Für Onshore-Anlagen gibt es Einschnitte!“, warnte Martin Schmidt. Er geht davon aus, dass alle erneuerbaren Energien langfristig ohne Förderung auskommen sollen. Schon ab 2018 solle die Förderhöhe über Abschreibungen geregelt werden. Dr. Markus Hirschfeld, Referatsleiter im Kieler Energiewendeministerium, befürchtet, dass die EEG-Novelle schon früher als 2015 in Kraft treten könnte. Da das Bundeskabinett den Gesetzentwurf schon bis Ostern beschließen wolle, sei mit einem Inkrafttreten vielleicht schon im September oder Oktober 2014 zu rechnen. Gleichwohl machte Martin Schmidt deutlich: „Für bestehende Anlagen gibt es Bestandsschutz.“

Vertreter der Windbranche zeigten sich besorgt. Investoren hätten teilweise schon viel Geld eingesetzt und müssten jetzt durch neue Entscheidungen der Politik erhebliche finanzielle Einbußen befürchten. „Das bedeutet Stillstand“, warnte Windmüller Karl-Albert Brandt aus Kaiser-Wilhelm-Koog. „Es wird in dieser unkalkulierbaren Situation niemand mehr planen und investieren.“

Martin Schmidt erinnerte daran, dass das 1991 beschlossene Stromeinspeisegesetz zu einem regelrechten Bauboom bei Windenergieanlagen geführt habe. Es wurde 2000 durch das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) abgelöst, das den Vergütungssatz für 20 Jahre garantierte. In den vergangenen zehn Jahren stagnierte die Zahl der Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein bei rund 2600 Anlagen. Die installierte Leistung nahm aber durch größere Anlagen und Repowering laufend zu und kletterte von 1502 MW ub 2001 auf aktuell 3145 MW.

Holger Arntzen beschrieb die Wertschöpfungskette der Windbranche mit 7000 Beschäftigten in landesweit über 200 Betrieben. Allein in den Kreisen Dithmarschen und Steinburg würden jährlich 150 bis 170 Millionen Euro Einspeisevergütungen und zwölf Millionen Gewerbesteuer gezahlt. Für Neuinstallationen, Betrieb und Wartung der Windparks würden in Schleswig-Holstein 665 Millionen Euro ausgegeben und 4500 neue Arbeitsplätze geschaffen. Gleichwohl bedauerte er, dass die Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung spürbar abgenommen habe. Deshalb müssten sich die Genehmigungsbehörden immer mehr mit Einsprüchen und Gerichtsverfahren herumschlagen, was zu längeren Bearbeitungsfristen führe.

Dr. Markus Hirschfeld begründete die von sechs Wochen auf bis zu neun Monate ausgeweitete Bearbeitungsdauer von Anträgen mit vielfach unvollständigen Antragsunterlagen. Peter Schütt aus Wilster bat dafür um Verständnis, denn Investoren stellten lieber schnell ihre Anträge, um in den Genuss der aktuell noch guten Vergütung ihrer Stromerzeugung zu kommen und nicht durch die vom Gesetzgeber beschlossenen degressiven Vergütungen Einbußen hinnehmen zu müssen.

In der Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes, so machte Schmidt deutlich, wurden die Windeignungsflächen in Schleswig-Holstein von 0,8 auf 1,5 Prozent der Landesfläche nahezu verdoppelt – von 13 700 auf fast 26 900 Hektar. Zweidrittel der Leistung verteilen sich auf die Kreise Nordfriesland, Dithmarschen und Steinburg. Bis 2021 rechnet Schmidt mit einem Zubau von 3500 MW und einem Investitionsvolumen von fünf Milliarden Euro.

„Wind ist der Billigmacher der Energiewende“, warb Dr. Markus Hirschfeld für Windstrom. „Er kann mit der Kohle durchaus mithalten.“ In diesem Zusammenhang befürchtete er einen zunehmenden Kohleimport aus den USA, die verstärkt auf Fracking setzen. Wenn dadurch verstärkt billige Kohle aus Amerika geliefert und in Deutschland verfeuert werden solle, sei das „klimapolitisch nicht gewollt“.

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