Renaturierung der Stör : Fluss soll sich wieder schlängeln

Sie soll in ihrem Verlauf wieder naturnäher fließen, erhält dafür eine Reihe Verschwenkungen: die Stör.
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Sie soll in ihrem Verlauf wieder naturnäher fließen, erhält dafür eine Reihe Verschwenkungen: die Stör.

Die Stör soll auf elf Kilometern Länge zwischen Kellinghusen und Sarlhusen renaturiert werden. Land und EU stellen dafür 4,5 Millionen Euro zur Verfügung.

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28. August 2019, 16:01 Uhr

Brokstedt | Zwischen Neumünster und Arpsdorf ist die Stör bereits vor zehn Jahren naturnah umgestaltet worden, jetzt folgt der Steinburger Abschnitt vom Rensinger See in Kellinghusen bis zur Bünzau-Mündung bei Sarlhusen. Für die elf Kilometer lange Strecke stellen Land und EU bis 2025 insgesamt 4,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Wolfgang Möbius, Geschäftsführer des Bearbeitungsgebietsverbands Brokstedter Au, betreut das Projekt.
Joachim Möller

Wolfgang Möbius, Geschäftsführer des Bearbeitungsgebietsverbands Brokstedter Au, betreut das Projekt.

 

„Der Fluss soll in einen guten, ökologischen Zustand versetzt, Flora und Fauna sollen optimiert werden“, nennt Wolfgang Möbius, Geschäftsführer des Bearbeitungsgebietsverbands Brokstedter Au, die Zielsetzung des Projekts. Sein Verband ist zuständig für die naturnahe Umgestaltung für diesen Störabschnitt, die Planung hat die Ingenieurgemeinschaft Reese und Wulf aus Elmshorn übernommen.

Rückbau der Sünden durch die Flurbereinigung

Mit der Neugestaltung sollen die Sünden der Vergangenheit beseitigt werden. Während früher besonders im Zusammenhang mit der Flurbereinigung Flüsse begradigt wurden, sollen sie sich heute wieder durch die Landschaft schlängeln. Deshalb werden zwischen Bünzau-Mündung und Rensinger See sieben großflächige Verschwenkungen (100 bis 700 Meter lang) in das Flussbett eingebaut. „Damit sollen Abflussdynamik und Durchgängigkeit des Gewässers verbessert werden“, sagt Wolfgang Möbius.

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Michael Ruff
 

Hinzu kommen so genannte Initialmaßnahmen wie das Einbringen von Totholz, kleinen Kiesstrecken am Flussrand und Geröllstrecken, die die Fließgeschwindigkeit beeinflussen sollen. „Diese Strukturmaßnahmen lösen dann Prozesse der Eigendynamik im Gewässer aus.“ Die Stör, bisher 87 Kilometer lang, wird durch die Verschwenkungen 500 Meter länger.

Gebietsverband Brokstedter Au: Landesweit gibt es 500 Wasser- und Bodenverbände, die in 33 Bearbeitungsgebiete zusammengefasst sind. Dort erfolgt in der Regel die Vorbereitung, Entscheidung und Umsetzung von Maßnahmen an den Gewässern, die sich aus der europaweiten Wasserrahmenrichtlinie ergeben. Zum Gebietsverband Brokstedter Au gehören der Deich- und Sielverband Feldhusen, der Wasser- und Bodenverband Quarnstedt sowie der Gewässerpflegeverband Großenaspe-Wiemersdorf und der Wasser- und Bodenverband Störwiesen-Willenscharen. Diese Verbände kümmern sich um die Unterhaltung von Fließgewässern, halten Deiche in Ordnung und betreiben Schöpfwerke. Fast alle Verbände haben ihre Geschäftsstelle in Brokstedt unter dem Dach des Wasserbeschaffungsverbands Mittleres Störgebiet.

Zur Umgestaltung gehört auch der Einbau von zwei Sandfängen bei Fitzbek und Rosdorf. Die Ablagerungen sollen laut Möbius einmal im Jahr ausgebaggert und abgefahren werden. „Die Verbesserung der Sedimentsituation ist ein weiterer wesentlicher Baustein für die Verbesserung der Ökologie.“ Die Flächen, auf denen gebaut werden soll, gehören überwiegend der Stiftung Naturschutz.

Grundlage Wasserrahmenrichtlinie der EU

Grundlage der Arbeiten ist die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union, die bis 2027 für Flüsse, Seen, Übergangsgewässer, Küstengewässer und Grundwasser einen ökologisch guten Zustand fordert. Die Vorplanung für das Projekt läuft bereits seit 2013.

Verzögerungen durch Einwände

Verzögerungen gab es, weil es im Sommer 2016 Einsprüche von Anliegern gab, die Schäden an Gebäuden und höhere Wasserstände befürchteten. Nach einem Erörterungstermin im Mai 2018 seien die Einwendungen und Anregungen eingearbeitet worden, so der Geschäftsführer. Der Planfeststellungsbeschluss liegt jetzt seit Ende Juni vor.

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Michael Ruff
 

Bestandteil ist unter anderem ein permanentes Monitoring zum Wasserstand. Allerdings hätten Experten in einem Gutachten anhand hydraulischer Modelle dargelegt, dass sich der Wasserstand durch die Umgestaltung nicht ändern werde, so der Geschäftsführer.

Die Aufgabe lautet, dass sich der Wasserstand nicht verändern soll. Die Anlieger erleiden keine Nachteile. Wolfgang Möbius, Geschäftsführer des Bearbeitungsgebietsverband
 

Auch im Vorfeld geäußerte Befürchtungen, dass sich in den neuen beiden Sandfängen belastetes Material aus den ehemaligen Neumünsteraner Lederwerken sammeln könnte, zerstreut Möbius. Untersuchungen bei den bereits gebauten Sandfängen im Störoberlauf hätten keine Verunreinigungen ergeben.

Arbeiten sollen im Herbst 2020 beginnen

Gibt es keine weiteren Einwände, hofft Möbius, im Herbst 2020 mit den Arbeiten beginnen zu können. Gebaut wird dann bis 2025, da Schutzperioden für Fauna und Flora bei den Arbeiten eingehalten werden müssen.

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