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Entscheidung erwartet : Flüchtlingsunterkunft: Angebot steht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ist die frühere Marinekaserne in Glückstadt geeignet? Das Ministerium prüft, der Eigentümer wartet.

von
erstellt am 03.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Der Unternehmer Jens Lange hält an seinen Plänen fest, auf dem Gelände der ehemaligen Glückstädter Marinekaserne eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge unterzubringen. „Ich habe mich gefreut, dass so viele positive Signale von der Politik vor Ort geäußert wurden“, kommentiert er die Diskussion der vergangenen Wochen. Der Bedarf sei eindeutig vorhanden, sagt Lange, der seit 2011 Eigentümer der Kaserne ist und dort bis vor kurzem ein Einkaufszentrum errichten wollte. Aktuelle Berichte über die Einrichtung von Zeltlagern und die Unterbringung von Flüchtlingen in Sport- oder Messehallen oder Hotels haben ihn in seiner Auffassung bestärkt, dass die Gebäude am Neuendeich den Not leidenden Menschen eine gute Unterkunft bieten könnten. Lange hofft nun auf eine zügige Entscheidung der Landesregierung in Kiel, denn die Schaffung einer Erstaufnahmeeinrichtung ist Sache des Landes.

Was den Unternehmer geärgert hat an der öffentlichen Debatte der vergangenen Wochen, ist, dass über den Zustand der Gebäude spekuliert wurde. „Es wurde unterstellt, dass die Häuser ungeeignet seien, obwohl sie sich niemand bisher angesehen hat“, sagt Lange. Er ist überzeugt, dass vor allem das sogenannte Torhaus, das langgezogene Hauptgebäude mit dem ehemaligen Haupttor der Kaserne, im Vergleich zu Zeltstädten, Notunterkünften und Containerdörfern die deutlich bessere Wahl wäre. Für unsere Zeitung öffnete Lange daher die Türen des Torhauses und tatsächlich ist das Gebäude augenscheinlich in überraschend gutem Zustand: Von Verfall ist nichts zu erkennen. Wände, Fußböden, Fenster und Türen sind intakt. Die Räume wirken eher als wären sie erst vor Wochen und nicht vor mehreren Jahren geräumt worden. „Vor allem das Torhaus ist alles in allem picobello - obwohl es seit Jahren leer steht,“ bestätigt Sönke Krey, dem das Gelände vor Lange gehörte und der heute als Pächter mit seiner Erdbewegungsfirma dort ansässig ist. „Alle Anschlüsse und Leitungen sind vorhanden.“ Krey weist daraufhin, dass im Hauptgebäude in den 2000er Jahren noch kurz vor der Schließung das Leitungsnetz umfangreich saniert wurde. „Vieles ist da wie neu. Und in einigen anderen Häusern sieht es ähnlich gut aus.“

Insgesamt stünden laut Lange allein im Torhaus rund 4000 Quadratmeter als möglicher Raum für Vertriebene zur Verfügung. Der Unternehmer sieht vielfältige Möglichkeiten: „Sie können unterschiedliche Arten von Wohnräumen einrichten – Gemeinschaftsunterkünfte oder auch kleinere Einheiten für Familien.“ Auch für Küchen, Bäder und Gemeinschaftsräume seien geeignete Zimmer vorhanden. „Und im ehemaligen Sanitätstrakt sind zum Beispiel noch Behandlungszimmer mit Umkleidekabinen vorhanden“, berichtet der Eigentümer. „Es ist vieles möglich. Entscheidend ist, was konkret gebraucht wird.“

Er sei bereit, die Räume kurzfristig nach Vorgaben des Landes für den Betrieb als Aufnahmeeinrichtung herzurichten, wenn eine positive Entscheidung dafür gefällt werde, wiederholt Lange sein Angebot an die Landesregierung. „Vorher kann ich natürlich nicht viel machen. Ich weiß ja nicht genau, was benötigt wird.“ Alles hänge nun vom Land ab.

Thomas Giebeler, Sprecher des zuständigen Innenministeriums in Kiel, bestätigt, dass die Eignung der ehemaligen Marinekaserne aktuell geprüft werden - neben „anderen Objekten“. „Ob die ehemalige Kaserne in Glückstadt in Frage kommt, wird sich am Ende des Prüfungsprozesses zeigen“, so Giebeler. Konkrete Planungen für eine Einrichtung gäbe es demnach nicht. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, lasse „sich nicht sagen“, so der Sprecher.

Jens Lange wünscht sich eine schnelle Entscheidung aus Kiel. „Denn ein wenig Vorlauf benötige ich schon, um beispielsweise eine vernünftige Heizungsanlage bereitstellen zu können“, sagt der Unternehmer. „Und der Winter steht vor der Tür.“

 

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