zur Navigation springen

Integration in der Schule : Flüchtlingsklassen platzen aus allen Nähten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schüler bekommen weniger Sprachunterricht. Neues Angebot im RBZ

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2015 | 17:00 Uhr

Itzehoe | Die ersten Schritte hat er gemacht. „Guten Tag“, sagt Taghi Azimi – seine ersten Wort auf deutsch. Der 18-Jährige steht in einem Flur im Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) und spricht über seine ersten Tage in Itzehoe. „Zuerst habe ich einen Test gemacht“, erzählt der Afghane, der seit ein paar Wochen in Deutschland ist. Bald soll er in eine Daz-Klasse aufgenommen werden. Daz steht für Deutsch als Zweitsprache – und die wollen viele Flüchtlinge lernen, die nach Deutschland kommen. Die Angebote sind schon erheblich ausgeweitet worden – und reichen dennoch nicht aus. „Alles ist ausgelastet“, sagt der Schulrat des Kreises Arnold Rehder. Fast 100 Daz-Schüler gibt es in Itzehoe – und es werden immer mehr.

„Wir sind räumlich und personell an der Grenze“, sagt Anke Shoukry von der Fehrsschule, die derzeit 14 Schüler hat. 16 sind es an der Gemeinschaftsschule Klosterhofschule und 67 am RBZ. Absehbar sei schon jetzt, dass Daz-Klassen an weiteren Schulen in Itzehoe eingerichtet werden – an welchen, das sei noch unklar, sagt Rehder. „Da geht es darum, wer genug Platz und qualifiziertes Personal hat.“

„Wir sind von der Welle überrollt worden“, sagt Rainer Albert, der am RBZ, die Daz-Klassen koordiniert. Er bemüht sich, dass die Jugendlichen nicht nur in besonderen Klassen deutsch lernen, sondern auch fachspezifisch gefördert werden. Deswegen gibt es vier unterschiedliche Daz-Klassen, in denen die Asylsuchenden manchmal mit anderen RBZ-Schülern zusammen unterrichtet werden. „Bei uns wird jeder individuell eingestuft, bekommt einen individuellen Stundenplan“, so Albert. Von 8 bis 15 Uhr könne ein Daz-Schüler am Tag am RBZ bleiben, auch Sport- oder Musikunterricht besuchen, in der Holz- oder Fahrradwerkstatt mitarbeiten. „Unser Ziel ist es, die Jugendlichen so zu fördern, dass sie einen Schulabschluss machen können und am Ende einen Job bekommen“, sagt Albert.

Doch das wird nur schwer möglich sein, wenn die Zahl der Flüchtlinge wie prognostiziert weiter steigt und nicht mehr Lehrerstellen geschaffen werden. Im Kreis ist die Zahl der Schulen, die Daz-Klassen anbieten, in diesem Monat von drei auf sieben erhöht worden. „Aber wir werden nicht drum herum    kommen, Daz-Klassen in Itzehoe zu teilen – dann bekommen die Schüler leider nur noch die Hälfte des Unterrichts“, sagt Rehder. Damit erfülle der Kreis aber immer noch die Vorgaben des Landesbildungsministeriums, das im vergangenen Jahr bereits fast 8 Millionen Euro für die Daz-Zentren bereitgestellt hat. Im Kreis sind 7,5 neue Stellen geschaffen worden. „Wir hoffen, dass wir im nächsten Schuljahr zehn weitere bekommen“, sagt Rehder.

Das Problem ist jedoch, dass nicht alle Lehrer ausreichend ausgebildet sind. „Wir finden nicht genügend Lehrer mit Zusatzqualifikation“, sagt Rainer Albert. Deswegen werden die Flüchtlinge am RBZ von „normalen“ Deutschlehrern unterrichtet. „Das ist nicht immer leicht, denn die Vorkenntnisse der Schüler sind sehr unterschiedlich“, sagt Albert. Vom Studenten bis zum Analphabeten ist alles dabei.

„Die sind alle top-motiviert, wollen was erreichen“, sagt Rainer Albert. So wie Taghi Azimi, der in diesem Jahr seinen Hauptschulabschluss machen will. Später könne er auf ein Gymnasium wechseln und studieren, meint Albert. „Denn Taghi ist ein richtig fitter Bursche.“

> Mehr Informationen zu Daz-Klassen und anderen Themen gibt es auf der Veranstaltung „Neues Willkommen – Steinburg öffnet sich für Flüchtlinge“, die Mittwoch, 25. Februar, ab 17 Uhr im RBZ stattfindet.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen