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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 20:12 Uhr

Kellinghusen : Flüchtlingen die Hand gereicht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hauptamtlicher Beauftragter für Zuwanderer im Amt Kellinghusen zieht positives Fazit.

von
erstellt am 11.Feb.2017 | 16:05 Uhr

Wenn das Informationsbüro der Initiative „Flüchtlingshilfe im Amt Kellinghusen – Integration in der Region“ (kurz: Fakir) Sprechstunde hat, geben sich die Besucher die Klinke in die Hand. Menschen unterschiedlicher Nationen hoffen auf Antworten zu unterschiedliche Fragen. Neben dem Hauptthema Asylverfahren geht es um Ausbildung, Jobs und Behördenangelegenheiten – oder darum, das alltägliche Leben in neuer Umgebung zu bewältigen.

Während eine Familie aus Afghanistan im Gespräch ist und weitere Ratsuchende geduldig warten, geht erneut die Tür auf: „Wo kann ich Möbel abgeben?“, fragt eine Kellinghusenerin und bekommt von Adrian Unger sogleich zwei Spenden-Annahmestellen genannt. Die zufällige Situation zeige anschaulich, wie die Fakir-Sprechstunde funktioniere, sagt der im Amt hauptamtlich tätige Flüchtlingsbeauftragte. Die Initiative Fakir unterstützt Schutz suchende Menschen aus unterschiedlichen Kriegsländern. „Wir stehen aber auch für Bürger aus Stadt und Land zur Verfügung“, erklärt Unger.

Im Kreis um Pastorin Gritta Koetzold und Horst Nitz gehörte er mit zu den ersten Ehrenamtlichen aus der Region, die geflüchteten Menschen die Hand reichten. Mittlerweile lotst er seine Schützlinge hauptamtlich durch den Behördendschungel und erklärt ihnen die Lebensweise im neuen Land.

Über die aktuelle Situation der Flüchtlingsintegration berichtete er in der jüngsten Sitzung des Sozialgremiums. 321 Personen unterschiedlicher Nationalität betreut er in Stadt und Land. „87 davon sind beim Jobcenter gemeldet“, erklärte er auf Nachfrage. Jobcenter und Agentur für Arbeit nannte Unger beispielhaft für einen Teil seiner Arbeit. Dort werde zwar der Arbeitsmarkt abgedeckt. Zuvor müsse jedoch die Anerkennung von Qualifikationen oder der Wert der absolvierten Ausbildung geklärt werden. Hauptsächlich kümmere er sich aber um Integrationskurse oder auch berufsbezogene Schulungen. „Ich begleite, sorge für Praktika und übernehme Gespräche mit Arbeitgebern.“


Hilfe zur Selbsthilfe


Wichtiger Bestandteil seiner Arbeit sei die Hilfe zur Selbsthilfe, etwa im Rahmen von Schulungen zu Themen wie Energie, Wohnverhalten, Haftung und Versicherung. Anhand von fremdsprachlichen Übersetzungen würden auch Flüchtlinge zu Energie- und Lebensberatern ausgebildet und könnten sich so untereinander weiterhelfen. Auch mit der Familienzusammenführung klappe es im Amt, unterstrich Unger. Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit den Behörden könnten dezentral untergebrachte Familien meistens in einem gemeinsamen Zuhause leben. Respektiert werde aber auch der Ausreisewunsch. „Wir stellen Netzwerke zur Verfügung, damit die Rückkehr zügig erfolgen kann.“

Heraus stellte Unger zudem, das Fakir-Büro mit der Fahrradwerkstatt habe sich als Anlaufstelle für alle Menschen etabliert. „Auch wenn es im vergangenen Jahr rund ein Dutzend Mal rechtsextremen Angriffen ausgesetzt war.“ Besonders hervor hob er das ehrenamtliche Engagement von Dagmar Salomon und Nicole Partey. „Ohne deren Hilfe und Organisationstalent wüsste ich nicht, wo mir der Kopf steht.“

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