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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 13:35 Uhr

Verschoben : Flüchtlinge kommen später

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wasserversorgung noch nicht gewährleistet. Acht Gebäude und das Torhaus werden in Kürze instand gesetzt.

von
erstellt am 17.Sep.2015 | 17:00 Uhr

Bürgermeister Gerhard Blasberg hat gestern aufgeatmet: Die Flüchtlinge kommen nun doch noch nicht in sechs Tagen. „Das ist enorm entlastend.“ Wesentliche Gründe für die Entscheidung aus Kiel: In der Kaserne gibt es weder Frischwasser noch eine Abwasseranlage. Zudem muss der Brandschutz gesichert und vieles andere geregelt werden. Dass der Termin verschoben wird, „gibt uns die Möglichkeit, die baulichen und technischen Probleme anzugehen“, erklärt Blasberg.

Gestern trafen sich zahlreiche Beteiligte vor Ort auf dem Kasernengelände, um Details zu besprechen. Wie berichtet, sollte eigentlich schon in der kommenden Woche ein Erstaufnahmelager in der ehemaligen Marinekaserne eingerichtet werden. An dem Gespräch nahmen unter anderem Vertreter des Landes, der Glückstädter Bürgermeister, Vertreter von DRK und Feuerwehr sowie von der Stadtentwässerung und Stadtwerkeleiter Karl-Heinz Jacobs.

Jacobs war in den vergangenen Tagen entsetzt über die Pläne, dort schon jetzt Asylsuchende unterzubringen. „Die Abwasserversorgung muss geregelt sein“, sagte er vor dem Treffen aller Beteiligten gegenüber unserer Zeitung. Er sei geschockt gewesen, dass er bis gestern nicht in die Planungen einbezogen worden war. Eine Wasserversorgung hätte er in der Kürze der Zeit nicht gewährleisten können. Die Rohre der 2002 stillgelegten Kaserne müssen erst gereinigt sein, bevor er dort Frischwasser aus dem allgemeinen Netz durchfließen lassen kann. „Die Rohre müssen keimfrei sein.“ Sonst sei die Gefahr zu groß, dass Keime ins allgemeine Netz gelangen würden. „Das wäre eine Katastrophe.“ Eine, die das Gesundheitsamt nicht zulassen würde. Klar sei, dass ein Trinkwassernetz den Normen entsprechen müsse.

Erschwerend kam bis jetzt hinzu, dass die Stadtwerke keine Kenntnis über das Leitungsnetz und dessen Zustand auf dem Gelände hatte. „Dafür war die Bundeswehr zuständig.“ Nur für ein Haus, das jetzt privat genutzt wird, gäbe es einen öffentlichen Anschluss. Außerdem gebe es Lieferzeiten für die benötigten Materialien. „Selbst wenn wir einen Monat Zeit haben, wäre es immer noch eine absolute Mammutaufgabe für alle Beteiligten.“

Anders als in der ersten Planung wird jetzt weit mehr saniert, als ursprünglich angedacht. Die Rede ist, entgegen der ersten Planung, jetzt von acht Gebäuden und dem Torhaus. Dort soll unter anderem künftig die zusätzliche Polizeidienststelle untergebracht werden. In dem Haus gibt es aus Bundeswehrzeiten noch eine Arrestzelle, dass ist aber nicht der Grund. Zusätzlich sollen dort auch die Sanitärräume eingerichtet werden – sie gab es auch bereits zu Bundeswehrzeiten. Dort wird auch das Itzehoer Klinikum Räume nutzen. Gegenüber unserer Zeitung hat Klinikdirektor Bernhard Ziegler erklärt, dass Erstuntersuchungen in dem Gebäude stattfinden sollen – und nicht in der Glückstädter Stadtklinik. Auch, um zu vermeiden, dass sich eventuelle ansteckende Krankheiten verbreiten können. Was in der Klinik aber genutzt werden soll, ist bei Bedarf das Röntgengerät. Sollte ein Asylsuchender so krank sein, dass ein stationärer Aufenthalt notwendig ist, kommt er ins Klinikum Itzehoe. Federführend bei der Organisation ist der Ärztliche Direktor des Klinikums Itzehoe, Dr. Michael Kappus, der bereits seit Wochen für diese Situation plant.

Sehr zufrieden zeigte sich gestern Nachmittag Jens Lange. Der Besitzer der Liegenschaft bezeichnete die gestrigen Gespräche und Abstimmungen als „zielorientiertes Miteinander“. Bei dem Treffen morgens hatte ihn sein Architekt Thomas Krause vertreten, weil er gleichzeitig mit einem Vertreter des Innenministeriums verhandelt hatte. „Das Gespräch war sehr gut“, erklärte Lange. Besprochen worden sei unter anderem auch der Brandschutz. „Pro Block wird es einen zweiten Fluchtweg geben. Eine Treppe an den Giebelenden.“ Zudem wurde besprochen, wie die Sanitärräume zusätzlich ausgebaut werden sollen. Was Lange selbst überraschte: „Wir werden die Kantine wieder fertig machen.“ Diese sieht äußerlich schlecht aus, viele Scheiben sind eingeschlagen worden. Insgesamt erklärt Lange, dass die Vertreter aus Kiel professionell arbeiten würden. „Es führt in die richtige Richtung.“

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