Flachländer erobern das Hochgebirge

<dick>Respekt vor den Bergen: </dick>Hartmut Winkler beim Abstieg vom Toreggsattel im Zillertal.
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Respekt vor den Bergen: Hartmut Winkler beim Abstieg vom Toreggsattel im Zillertal.

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03. August 2010, 07:11 Uhr

ITZEHOE | "Ab 1000 Meter Höhe grüßt man sich, ab 2000 Meter duzt man sich." Hartmut Winkler ist begeisterter Bergwanderer. Auf zahlreichen Touren war der sportive Pensionär in alpinen Regionen bereits unterwegs. "Immer zwischen Hochsommer und Herbst" wird der Rucksack gepackt. Mit der Eisenbahn geht es in den Süden. Jetzt stehen die Dolomiten auf dem Programm. Ausgangspunkt: Cortina dAmpezzo. Gut eine Woche führt der Weg von Hütte zu Hütte.

Gewandert wird, wie immer, zu viert, alle im Rentenalter. "Gut 280 Jahre" zähle das Quartett, rechnet Werner Friebe vor, mit 69 der Jüngste. Mit von der Partie: Jürg Mages (70) und Christoph Hantich (71). "Flachländer im Hochgebirge" nennt Hartmut Winkler (72) die vier Itzehoer, die die Liebe zur Bergwelt zusammengeführt hat. "Geborener" Flachländer ist aber keiner von ihnen. Jürg Mages kommt aus Innsbruck in Tirol. Die drei anderen stammen aus Schlesien, auch Hartmut Winkler, der im Waldenburger Bergland zur Welt kam.

Aktiver Bergwanderer ist er seit 20 Jahren. "Die Neigung für die Berge und das Bergwandern" habe, sagt er, "lange in mir geschlummert" und wurde geweckt, als Sportkameraden ihm zeigten, wie er "als Norddeutscher diesem Vergnügen näher kommen" könne. Der Anfang "übertraf alle Erwartungen". Inzwischen habe sich die Begeisterung noch verstärkt, aber auch das Bedauern, erst so spät damit begonnen zu haben.

Um andere zu ermuntern, "es ebenfalls zu versuchen und Freude daran zu haben", hat Hartmut Winkler sein Wissen, seine Erlebnisse und Erfahrungen in einem Büchlein veröffentlicht, das unter dem Titel "Meine Berge. Unsere Berge. Deine Berge" Appetit auf alpine Hochtouren machen soll. Dabei geht es nicht um Klettern. Spaziergänge sind es aber auch nicht. Beim Wandern im Hochgebirge, so der Autor, kämen Anstrengungen "über das Wandern im eigentlichen Sinne hinaus" natürlich vor. Die in dem Buch beschriebenen Touren sei er selbst im Alter zwischen 60 und 70 Jahren gegangen.

Immer nötig beim Wandern im Hochgebirge: Respekt vor den Bergen. Man solle mit wachen Sinnen und einem Gefühl für die Situation wandern: "Nicht der Berg macht Fehler, sondern der ihn besuchende Mensch." Notwendig auch: die Bereitschaft, auf Bequemlichkeiten zu verzichten. Rücksicht auf die Natur versteht sich von selbst.

Wie reich der Lohn der Mühe ist, schildern die aus einer Vielzahl von Bergwanderungen ausgewählten neun Routen, acht in den bayerischen, österreichischen und italienischen Alpen, eine auf Mallorca. Es geht ins Allgäu und in die Dolomiten, auf den Dachstein, ins Kaiser-, Karwendel- und Lechquellengebirge, ins Sarn- und Zillertal. Das Mallorca-Kapitel zeigt, dass die Insel nicht nur Meer und Strände, sondern auch drei Tausender zu bieten hat.

Auf den Wanderungen führt Hartmut Winkler ein genaues Tagebuch. Exakt sind die, jeweils mehrtägigen, Touren festgehalten, penibel vermerkt Höhenunterschiede und Zeitaufwand: "1. Tag: 817 Höhenmeter aufwärts. Nettogehzeit 3 Stunden. 2. Tag: 1054 m aufwärts, 871 m abwärts. Gehzeit 5 Stunden. . . 5. Tag: 1030 m aufwärts, 343 m abwärts. . ." Beschrieben ist aber auch die Schönheit der Berge mit ihren Atem beraubenden Ausblicken, illustriert durch eindrucksvolle Farbfotos. Eine reizvolle Lektüre deshalb durchaus auch für Leute, die nicht selbst wandern möchten.

Dass es für den begeisterten Bergfreund Hartmut Winkler nicht immer die Mehrtausender sein müssen, hat der frühere Leiter des Bundesvermögensamtes Itzehoe durch Aktivitäten auch im heimischen Flachland unter Beweis gestellt. So hat er die bis dahin namenlosen höchsten Erhebungen in Steinburg und Pinneberg getauft: in Wiedenborstel die "Itzespitze", den "Pinne-Berg" auf Helgoland und für Gipfelkreuze gesorgt. In Eggstedt in Dithmarschen gibt es sogar einen nach ihm benannten "Winklerberg".

Hartmut Winkler: "Meine Berge. Unsere Berge. Deine Berge". Individuelle Bergtouren in den Alpen und auf Mallorca. 9.90 Euro.

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