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Schifffahrt : Flachere Stör gefährdet Arbeitsplätze

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„Stetige Abwärtsspirale“: Die Unternehmen Trede & von Pein und Peters Werft sehen ihre Geschäftsmodelle durch eine abnehmende Schiffbarkeit der Stör bedroht.

„Was die Schiffbarkeit angeht, befinden wir uns an der Stör in einer stetigen Abwärtsspirale: Der Fluss verschlickt immer mehr“, sagt Philipp von Pein, Mitglied der Geschäftsführung des Itzehoer Landhandel und Mischfutterwerks Trede & von Pein. „Und das erfüllt uns mit großer Sorge. Die Frage brennt uns unter den Nägeln.“

Für das Unternehmen sei die Stör sehr wichtig. „Wir transportieren mit unseren eigenen Schiffen und durch Auftragnehmer 250  000 Tonnen Getreide, Futtermittel und Dünger pro Jahr zu unseren Standorten in Itzehoe und Dammfleth.“ Kostengünstig sei der Wasserweg, sagt von Pein. Er trage zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens mit zirka 300 Mitarbeitern bei. Doch zunehmend werde die Stör immer flacher. „Nicht überall, aber es gibt zunehmend problematische Stellen, gerade in den engen Schleifen im Flusslauf“, erklärt von Pein. Erfahrene Kapitäne kämen damit aktuell noch zurecht, aber bei fremden Schiffern sei eine Fahrt nach Itzehoe schon jetzt unbeliebt. „Die Absagen häufen sich. Wenn es so weiter geht, befürchten wir, dass wir unseren Warenverkehr nicht mehr per Schiff abwickeln können.“

In Wewelsfleth, nahe der Störmündung, teilt man die Besorgnis. „Für uns wird die Verschlickung der Stör in einigen Jahren existenzbedrohend“, sagt Sebastian Dethlefs, Prokurist der Wewelsflether Peters Werft. „Wir haben schon jetzt Probleme beim Ausdocken von größeren Schiffen aus unserem Dock 2, weil der Fluss durch Ablagerungen viel schmaler als früher ist.“ Werde der Entwicklung nicht entgegen gesteuert, könnten künftig nur noch Aufträge für kleinere Schiffe angenommen werden – mit entsprechend verminderten Erträgen. Doch nicht nur im Dockbetrieb bereitet die schmaler gewordene Fahrrinne Probleme, so Dethlefs. „Wenn größere Schiffe bei uns am Kai liegen, müssen andere Schiffe, die sie passieren wollen, eine Art Slalom fahren.“ Das sei ein stetiges Unfallrisiko.

Sowohl Philipp von Pein als auch Sebastian Dethlefs wissen von weiteren Unternehmen mit ähnlichen Problemen. Auch der Yachthafen in Borsfleth ist vom zunehmenden Eintrag von Sedimenten, die mit jeder Flut aus der Elbe in die Stör gespült werden, betroffen (wir berichteten). Die beiden Unternehmer sehen das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in der Pflicht, für die Schiffbarkeit der Bundeswasserstraße Stör Sorge zu tragen. Man werde den „Status quo“ erhalten, teilte das zuständige Bundesverkehrsministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit.

„Mehr wollen wir auch gar nicht“, sagt Philipp von Pein. Allerdings verschlechtere sich der Status quo stetig ohne das etwas passiere. „Aus unserer Sicht müsste der Fluss ordentlich ausgebaggert werden“, sagt Sebastian Dethlefs. Alternativ sollten zumindest die flachsten Stellen durch Spülverfahren wieder vertieft werden. „Das müsste dann aber natürlich kontinuierlich wiederholt werden.“ Die Peters Werft beauftragt schon jetzt regelmäßig selbst Fremdfirmen, um die Situation etwas zu verbessern. „Das ist aber eigentlich nicht unsere Aufgabe. Es handelt sich ja um eine öffentliche Straße“, sagt Dethlefs. Und größere Maßnahmen könne das Unternehmen finanziell auch nicht schultern.

Gemeinsam mit Trede & von Pein und weiteren Firmen sucht die Werft das Gespräch mit Verwaltung und Politik. Am 1. März wollen die Unternehmer bei einem Treffen über die aktuellen Probleme informieren. Am Tisch sitzen werden dann Bundes- und Landespolitiker sowie Vertreter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts. „Wir hoffen dann auf zügige Ergebnisse“, sagt Philipp von Pein. Denn realistische Alternativen zur Nutzung der Stör sieht er nicht. „Nur mit Straße und Schiene sind wir mittelfristig bei den Kosten in mehreren Geschäftsbereichen nicht konkurrenzfähig.“ Bei der Peters Werft käme nur eine Betriebsverlagerung in Frage, wenn die Stör nicht schiffbar bleibt. Sebastian Dethlefs: „Diese Kalkulation haben wir bisher noch nicht gemacht. Das ist für uns unvorstellbar.“

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erstellt am 18.Feb.2017 | 05:00 Uhr

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