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gekürt : Fisch des Jahres – Einsatz für den Stör

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Titel soll auf die Tierart und die Gründe für ihre Bedrohung aufmerksam machen. Der nächste Besatz an der Stör ist am 25. April.

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erstellt am 21.Feb.2014 | 17:00 Uhr

Er ist älter als die Dinosaurier, kann mehr als fünf Meter lang werden und gilt als ausgestorben: der Stör. Doch in diesem Jahr steht er im Mittelpunkt – als Fisch des Jahres. Um auf die Gründe für die Bedrohung der Fischart hinzuweisen, entschied sich der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) in Abstimmung mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und dem Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) zu diesem Schritt. Eine entsprechende Broschüre des Angelfischerverbandes erscheint in Kürze.

„Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass die ökologischen Bedingungen in den hiesigen Flüssen den Laichgewohnheiten des Störs widersprechen“, sagt Dr. Christel Happach-Kasan, Präsidentin des Angelfischerverbandes. Zwar sei das Wasser in deutschen Flüssen inzwischen sauber, jedoch gebe es noch einigen Handlungsbedarf: Die Wasserläufe seien „sehr verbaut“, teilweise machen mehrere Wasserkraftanlagen hintereinander es dem Stör unmöglich, sich in dem Fluss stromaufwärts zu bewegen. Dabei stehe die Art stellvertretend für viele andere Wander- und Flussfischarten, so Dr. Jörn Geßner, Diplombiologe am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin und Vorsitzender der Gesellschaft zur Rettung des Störes. Beispielweise Forellen, Lachse und Aaale hätten mit den gleichen Hindernissen zu kämpfen.

Für sie wie für den Stör ist eine ungehinderte Fortbewegung flussaufwärts jedoch überlebenswichtig: Der Stör ist ein Wanderfisch, der zwischen dem 9. und 18. Lebensjahr geschlechtsreif wird. Ihren Laich legen die Tiere auf Kiesgrund in salzfreien Gewässern ab. Dafür steigen sie aus dem Meer in die Flussläufe auf. Die erwachsenen Fische kehren danach ins Meer zurück, die Jungtiere bleiben für ein Jahr im Süßwasser und wandern dabei langsam flussabwärts. Die drei Störarten, von denen zwei bis Anfang des 20. Jahrhunderts in deutschen Flüssen heimisch waren, gelten heute als verschollen oder gar ausgestorben.

„Die Stör war früher ein Laichfluss für den Stör“, sagt Uwe Jens Lützen (kleines Foto) von der Gesellschaft zur Rettung des Störs. Dadurch seien Fluss und Fisch miteinander verbunden, obwohl sie in ihrer Wortbedeutung nicht miteinander verwandt sind, so der Itzehoer. Wissenschaftlich begleitete Besatzaktionen im Elbeeinzugsgebiet, auch an verschiedenen Stellen in der Stör, sowie Renaturierungen sollen zu einer Wiedereinbürgerung der Art führen. Als nächstes werden am 25. April an der Störbrücke zwischen Rosdorf und Störkathen 250 Jungfische des Europäischen Störs (Acipenser sturio) ausgesetzt.

Auch die Unterstützung durch die Bevölkerung sei für die Arbeiten wichtig, so Geßner. „Wir versuchen, dem Stör einen Lebensraum zurückzugeben, im dem er in den vergangenen Jahrhunderten gelebt hat“, sagt Happach-Kasan. „Langfristig ist es unser Ziel, die Art hier wieder heimisch zu machen.“ Als Zeichen für ein gutes Futterangebot in der „Kinderstube“ Wattenmeer wertet Lützen „gute Wiederfänge“ mit bis zu 5,5 Kilogramm Gewicht. Die Fische werden anschließend wieder in die Freiheit entlassen. Ob die Besatzaktionen Erfolg haben, werde sich in zwölf bis 15 Jahren zeigen, wenn, so die Hoffnung, die ersten Fische zum Laichen in die Stör und die anderen norddeutschen Flüsse zurückkehren.

Von der Ernennung zum Fisch des Jahres erhofft sich Lützen nicht nur eine positive Entwicklung für die Tierart, sondern auch eine „Beflügelung beider Begriffe“: Durch den Stör könnten auch der Fluss und Itzehoe als größtes Mittelzentrum an der Stör bundesweite Beachtung finden.

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