zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 22:16 Uhr

Schulanfang : Finn packt aus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das wird teuer: Eltern, deren Kinder jetzt mit der Schule beginnen, müssen tief in die Tasche greifen. Die gefüllte Schultasche mit Heften und Schreibzeug kostet schnell mal 300 Euro.

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Hohenaspe | Mirjam Stieper klappt die Einkaufsliste auf und ihr Sohn Finn (6) zeigt stolz seinen neuen Schulranzen – randvoll gefüllt mit Tuschkasten, Stiften, Heften und Mappen. Finn ist gut ausgestattet. Doch der Einkauf war teuer. Etwas über 80 Euro kosteten alleine die Schreibwarenartikel vom Schnellhefter bis zum Tuschkasten, rechnet Mirjam Stieper zusammen.

Von der Summe ist die Hohenaspenerin selbst überrascht. „Nicht jeder bezahlt 80 Euro. Schnellhefter gibt es auch günstiger“, meint sie. Am teuersten schlug der Schulranzen mit Regenhülle und Turnbeutel zu Buche (190,50 Euro). Den habe ihr Sohn von der Oma bekommen. Doch um diese und ähnliche Kosten kommen Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter zum Schulanfang kaum herum – selbst wenn sie es über das Sozialkaufhaus versuchen.

„Wenn uns keine Schulranzen gespendet werden, haben wir auch keine da“, bedauert Marion Hoffmann vom Sozialkaufhaus der AWO in Itzehoe, die den Bedarf durch Kundennachfragen kennt. Ein paar Schulranzen seien noch vorrätig, Schreibtische gäbe es im Moment nicht. Auch im Sozialkaufhaus Alt & Wert werden keine Schreibwarenartikel oder Schulranzen für den Schuleinstieg angeboten.

So bleibt auch einkommensschwächeren Eltern nur der Weg in den Schreibwarenladen, um Hefte, Ordner und Stifte für den Unterricht einzukaufen. Wer jeden Cent umdrehen muss, findet Schultaschen gebraucht im Internet. Bereits ab einem Euro Mindestgebot plus Versandkosten werden über das Auktionshaus ebay die verschiedensten Taschen und Rucksäcke angeboten, denen die Gebrauchsspuren jedoch mitunter anzusehen sind. „Am Ende leiden die Schwächsten und das sind die Kinder“, weiß Frank Kölling, Leiter des Kinderhauses des Deutschen Kinderschutzbundes Blauer Elefant in Itzehoe. „Ich weiß, dass Kinder das sehr intensiv erleben“, beschreibt er aus seiner Erfahrung. Wenn am Ende etwas von der langen Anschaffungsliste fehlt, werde das Kind im schlimmsten Fall mit irgendeiner Ausrede zur Schule geschickt, um die finanzielle Situation in der Familie nicht aufzudecken. „Das ist auch ein Thema, das mit sich schämen zu tun hat“, so Kölling.

Tatsächlich können Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Asylbewerber Hilfsleistungen beantragen. Doch diese decken längst nicht nicht den realen Bedarf. 70 Euro bekommen Familien mit dem entsprechenden Anspruch pro Kind für das erste Schulhalbjahr und 30 Euro für die zweite Schuljahreshälfte. Etwa 120.000 Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein besitzen einen Rechtsanspruch auf die Förderung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Landes. Geringverdiener ohne entsprechenden Leistungsbezug müssen die Kosten jedoch ohne den Zuschuss bewältigen. Im Schnitt kämen pro Kind schnell 300 Euro zusammen bis die Einkaufsliste abgearbeitet ist, äußert Gesa Gaedeke vom deutschen Kinderschutzbund, Landesverband Schleswig-Holstein gegenüber unserer Zeitung und stützt ihre Zahl auf eine Elternabfrage, die der Kinderschutzbund seit längerer Zeit exemplarisch über den Ortsverband Stormarn und seit Dezember 2013 auch landesweit erhebt.

„Es trudeln gerade landesweit Rückmeldungen ein, die unsere Zahl von 300 Euro bestätigen“, beschreibt sie die gemeinsame Aktion mit der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, bei der Eltern gebeten werden, ihre Einkaufslisten am besten mit Kassenbon einzureichen. Aus dem Kreis Steinburg seien bislang noch keine Rückmeldungen dabei. Nun hofft Gaedeke auf viele Einsendungen, um politisch argumentieren zu können. „Man könnte darüber diskutieren, ob die Anschaffungslisten wirklich so lang sein müssen oder ob sie nicht auch auf einen Einkaufswert von 100 Euro verschlankt werden können“, erklärt sie.

Die Einkaufsliste, die Mirjam Stieper von der Grundschule Hohenaspe mitbekommen hat, findet sie gut gelungen. Alle angegebenen Artikel seien nach ihrer Erfahrung mit Finns älterem Bruder für den Schulalltag wichtig. Mit dem Budget von 100 Euro käme sie für die Anschaffung der Schreibwarenartikel aus – doch mit Schultasche, Schultüte und Sportschuhen war mit 340 Euro die 300 Euro Marke schnell geknackt.


>Aktion Eltern sind gefragt: Deutscher Kinderschutzbund LV Schleswig-Holstein E-Mail: info@kinderschutzbund-sh.de, Sophienblatt 85, 24114 Kiel.

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen