Thema in der Gemeindeversammlung : Finanznot: Kirche verkauft Pastorate

Ein Schnäppchen für Liebhaber: Das  Pastorat Am Markt 12 soll verkauft werden.
Ein Schnäppchen für Liebhaber: Das Pastorat Am Markt 12 soll verkauft werden.

Erlös soll in die Erweiterung und Sanierung des Gemeindehauses Sonninstraße fließen. Auch das Aus der Kinderspielstube im nächsten Jahr steht im Mittelpunkt der Sitzung der Kirchengemeinde.

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26. November 2013, 17:00 Uhr

Das Aus für die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Pastorats am Markt 12 sowie für die Kinderspielstube stand im Mittelpunkt der Gemeindeversammlung am Sonntag. Obwohl schon erhebliche Mittel in die Sanierung des mittlerweile leer stehenden Pastorats geflossen sind, hat der Schwammbefall an der Westseite des Gebäudes die weiteren Arbeiten gestoppt. „Das können wir einfach nicht mehr bezahlen“, betonte Telse Möller-Göttsche. Die knapper werdenden Finanzmittel zwingen die Kirchengemeinde dazu, sich von beiden Pastoraten am Markt 12 und 13 zu trennen. „Wir wollen sie verkaufen“, teilte die Vorsitzende mit. Das seien Objekte für Liebhaber, die bereit seien, Geld zu investieren. Die Kirchengemeinde habe keine Preisvorstellungen und warte auf entsprechende Gebote.

Mit dem Kirchenkreis sei vereinbart, dass der Verkaufserlös in der Kirchengemeinde verbleiben dürfe, wenn er in das Pfarrvermögen reinvestiert werde. In diesem Zusammenhang seien Investitionen in eine Erweiterung und Sanierung des Gemeindehauses in der Sonninstraße geplant, um Räume für ein Amtszimmer der Pastoren sowie für die Unterbringung des Gemeindebüros zu schaffen. Für diese Maßnahmen hat der Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf auf seiner jüngsten Synode einen Zuschuss von 178 000 Euro bewilligt. Daneben stehen der Kirchengemeinde Wilster für das laufende Geschäft 130 000 Euro zur Verfügung – 28,88 Euro pro Gemeindeglied, aber zirka 1,40 Euro weniger als noch in diesem Jahr. Eine weitere Sonderzuweisung soll zur Hälfte für die Kirchenmusik und für die Jugendarbeit verwendet werden.

Mit dem Ende des Kindergartenjahres im Sommer 2014 wird die Kinderspielstube der Kirchengemeinde geschlossen (wir berichteten). Kirchenälteste Cordula Boll führte als Gründe insbesondere unzureichende Zuschüsse seitens des Kirchenkreises und damit die nicht mehr zu finanzierenden Kosten an. „Mit Tränen in den Augen haben wir deshalb die Schließung entschieden“, bedauerte sie. In der Vergangenheit habe man die Räume im Pastorat mit viel Liebe, Energie, Zeit und Geld hergerichtet, ehe „das Hausschwämmchen“ auf der anderen Seite des Gebäudes alles zunichte gemacht habe. Beiden Mitarbeiterinnen sei frühzeitig gekündigt worden, um sich rechtzeitig neu orientieren zu können. „Die Kinderstube war eine tolle Einrichtung und deren ist Schließung eine traurige Sache.“ Einrichtungen dieser Größenordnung seien auch politisch nicht mehr gewollt, stellte Ulrike Dittmann fest. Deshalb hätten auch Gespräche mit Stadt und Umland zu keiner Lösung finden können.

Die Bauleitung für die Projekte in der Kirchengemeinde hat Herbert Schulz Anfang des Jahres von Helmut Schwingel übernommen. Diesem dankte Schulz für die 16-jährige konstruktive Zusammenarbeit. Neben den Problemen mit dem Pastoratsgebäude erinnerte Schulz an den Einbau einer neuen Heizung in der Kirche in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken. Diese übernahmen die Kosten für die Heizung. „Wir kaufen nur noch die Wärme ein.“ Die Grundwärme liege bei 14 Grad, bei Gottesdiensten und Veranstaltungen werde sie auf 18 Grad erhöht. Schulz: „Eine gemütliche Wärme, wenn man auch eine Jacke anhat.“ Außerdem sei in einem Nebenraum der Kirche das Archiv eingerichtet worden, um die teilweise über 400 Jahre alten Dokumente und Akten feuerfest zu lagern und zu bewahren.

Die Situation des Friedhofs beschrieb Beritt Mahrt als „mittlere Katastrophe“. Bei der Ausschreibung der Dachsanierung der Friedhofskapelle habe man nur ein Angebot erhalten. Die Firmen seien restlos ausgelastet. Auch die Sanierung der Außentreppe konnte deshalb noch nicht ausgeschrieben werden. Hier habe zudem noch die Denkmalspflege ein Wörtchen mitzureden. Beritt Mahrt zeigte sich aber frohen Mutes, dass der Hauptweg auf dem Friedhof „irgendwann mal fertig wird“. Bis dahin seien marschüblicher Humor und festes Schuhwerk gefordert.

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