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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 02:33 Uhr

Grosses Loch : Finanz-Desaster im Jugendamt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fast vier Millionen Euro fehlen in der Kasse. Jetzt wird ein Controlling eingeführt.

Die bislang vergeblich in die Kreishaus-Planung investierte Million Euro ist noch gar nicht verdaut, da muss der Kreistag schon die nächste finanzielle Kröte schlucken. Im Jugendamt ist ein Minus von fast vier Millionen Euro aufgetaucht. „Das ist eine dramatische Abweichung“, fand die Vorsitzende im zuständigen Fachausschuss, Sabine Riep (SPD). Während die Abgeordnete zwar vor einseitigen Schuldzuweisungen eindringlich warnte, wurde in der Debatte deutlich, dass eine wesentliche Ursache auch in den Abläufen im Jugendamt selbst begründet liegt. Jetzt soll ein Controlling eingeführt werden, damit solche für den Kreishaushalt gravierenden Ausreißer nicht mehr vorkommen.

Im Kern geht es um die Finanzierung notwendiger Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien. Hier gab es seit 2012 einen überdurchschnittlichen Anstieg bei den Bewilligungen. Weil immer mehr Mitarbeiter über Überlastung klagten, hatte es für das Jugendamt zuvor eine Organisationsuntersuchung gegeben. Ergebnis: Die Verantwortung für jeden einzelnen Fall lag künftig nur noch bei den jeweiligen Sozialarbeitern. Statt Team- und Leiterberatungen gab es nur noch „einen kollegialen Austausch“. Mit dieser Maßnahme sollten die Bearbeitungszeiten verkürzt und die Erreichbarkeit der Mitarbeiter verbessert werden. Finanziell gesehen ging das aber nach hinten los. Weil verbindliche fachliche Standards fehlten, viel Zeit und Energie in Strukturveränderungen gesteckt und die Teams neu zusammengestellt wurden, explodierten die Ausgaben. Gleichzeitig musste auch noch eine hohe Personalfluktuation verkraftet werden.

Sabine Riep äußerte ausdrücklich ihren Respekt vor der schwierigen Arbeit der Mitarbeiter im Jugendamt. Vor allem würdigte sie die Leistung der neuen Leiterin Karin Kretzschmar, die die Missstände aufgearbeitet und erste Gegenmaßnahmen eingeleitet habe. Sie betonte zudem, dass es um Pflichtaufgaben gegangen sei, bei denen es eigentlich keinen Entscheidungsspielraum gegeben habe. Die steigenden Fallzahlen erklärt sie sich auch damit, dass in Steinburg die Jugendhilfe in früheren Jahren sehr restriktiv betrieben worden sei.

Auch CDU-Fraktionschef Dr. Reinhold Wenzlaff betonte, dass „es nicht um Kritik an einzelnen Mitarbeitern geht“. Allerdings: „Trotz aller Anerkennung von deren Leistung gibt es eine gewisse Schieflage im praktischen Handeln.“ Mit anderen Worten: Man hätte offenbar trotz aller Pflichtaufgaben einiges an Geld einsparen können. Ohnehin nahm Wenzlaff vor dem wachsenden Ausgaben-Berg bei der Jugendhilfe kein Blatt vor den Mund. Innerhalb von nur zwei bis drei Jahren seien die Ausgaben in diesem Bereich von 13 auf 19 Millionen Euro gestiegen. Für die CDU, so Wenzlaff weiter, stehe es außer Frage, dass Bedürftigen auch geholfen werden müsse. Dann aber müsse man auch sagen dürfen, dass für 0,5 Prozent der Steinburger Bevölkerung 15 Prozent des Kreis-Etats ausgegeben werden.

Grünen-Abgeordnete Inken Carstensen-Herold stellte fest, dass „unser Kreis durch die hohen Fallzahlen extrem belastet ist“. „Aber schließlich leben wir hier ja auch nicht in Hamburg-Harvestude.“ Sie fügte noch hinzu, dass nicht leichtfertig mit Steuergeldern umgegangen werde: „Das Jugendamt verteilt die Eingliederungshilfen ja nicht wie Bonbons.“

Für den CDU-Abgeordneten Professor Dr. Ralf-Ulrich Dudde bleibt es dennoch völlig unverständlich, wieso Millionenbeträge an sämtlichen Haushaltsplanungen vorbeilaufen konnten. Tatsächlich waren Rechnungen über insgesamt 1,2 Millionen Euro aus dem Jahr 2013 erst in diesem August aufgetaucht. „Wenn ein Haus in einer Ecke nicht in Ordnung ist, muss man vielleicht auch in den anderen Ecken nachschauen“, mochte FDP-Sprecher Willi Göttsche weitere Überraschungen nicht ausschließen. Aber auch für ihn steht außer Zweifel: „Alles Geld, um Familien zu helfen, muss auch aufgebracht werden.“

Für die Jahre 2013 bis 2014 musste der Kreistag die unerwarteten Mehrausgaben nun abnicken. Vorsorglich wurde auch schon daraufhin gewiesen, dass sich die Kosten für die Jugendhilfe wohl bei jährlich 20 Millionen Euro einpendeln werden. Seit gestern ist im Kreishaus aber ein Controlling-System installiert, das monatlich alle notwendigen Zahlen auswirft. Und ab 1. Januar 2015 werden Entscheidungen im Jugendamt über Neuanträge und Weiterbewilligungen wieder in Fachteamkonferenzen entschieden. Auch in den Reihen der Politik wurde laut darüber nachgedacht, dass man künftig wohl genauer hinschauen müsse.

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erstellt am 02.Okt.2014 | 11:27 Uhr

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