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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 04:25 Uhr

Wilster : Feuerwehr übt – bis zum Abriss

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eigentümer Ralf Momsen stellt das alte Gebäude am Stadtpark in Wilster den Blauröcken als Schulungsobjekt zur Verfügung.

An vier Stationen, aufgebaut in der Alten Schule am Stadtpark, üben zurzeit zirka 70 Atemschutzträger der Feuerwehren aus dem Amt Wilstermarsch. Der Eigentümer des Gebäudes, Ralf Momsen aus Heiligenstedten, ist Inhaber eines Architektur- und Brandschutzbüros und war an die Wehren herangetreten, um die Alte Schule für die Schulungen anzubieten. „Als Brandschutzsachverständiger weiß ich, wie wichtig eine gute Ausbildung für die Einsatzkräfte ist“, betont Momsen. Die Amtswehrführung der Wilstermarsch und die Feuerwehr der Stadt Wilster nahmen das Angebot gerne an. Wehrführer Ralf Theede erarbeitete daraufhin gemeinsam mit seinem Stellvertreter Jan Auhage eine Übungsstrecke durch das ganze Gebäude und im Außenbereich. „Wir können hier unter realistischen Bedingungen arbeiten“, erläuterte Theede beim zweiten Übungstermin begeistert.

Eine komplette Vernebelung im Dachgeschoss simulierte diesmal einen Dachstuhlbrand, wobei eine Person vermisst wurde. „Der Dachboden ist sehr verwinkelt und bietet so ideale Voraussetzung für eine groß angelegte Übung“, waren sich die Organisatoren einig. Die Feuerwehrleute mussten sich unter vollem Atemschutz im ersten Stock bis zur Bodentreppe vorarbeiten. Mit abgedunkelter Atemmaske galt es, sich am Boden durch einen „verqualmten“ Raum zu bewegen, auf der Suche nach einer Tür. Dabei erschwerten zahlreiche Hindernisse das Vorhaben. In dem vernebelten Bodenraum wurde die Wärmebildkamera eingesetzt, um die (angewärmten) Dummies zu finden.

„Die Schwerpunkte der Übung liegen auf dem Zurechtkommen im Qualm, auch, wenn ich meinen Partner verloren habe, und das sichere Verhalten in verqualmten Räumen“, erklärte Ralf Theede. Atemschutztrupps arbeiten immer zu zweit und werden von draußen per Funk und Datenüberwachung betreut. „Heute sind die Häuser so gut isoliert, dass das Feuer innen bleibt. Durch die Sauerstoffzufuhr beim Türöffnen kann es leicht zu einem Flashover, einer Durchzündung, kommen“, erläuterte Theede weiter. Deshalb wurde das Öffnen von Türen, hinter denen Feuer vermutet wurde, ebenso akribisch geübt, wie die Strahlrohrführung am Boden. Der Oberbrandmeister führte zudem einen Rauchvorhang vor, der ein Verräuchern freier Räume im Gebäude verhindern soll.

„Auch für uns ist das ein besonderer Dienst, weil der Löschzug Gefahrgut sich uns angeschlossen hat.“ Zu dessen Spezialausrüstung gehört auch ein mobiles Waschbecken, an dem die Einsatzkräfte sich säubern und desinfizieren können. „Wir werden bei den Einsätzen mit den verschiedensten Stoffen konfrontiert und nehmen oft mit dreckigen Händen einen Imbiss zu uns.“ Nur einer der Gründe, warum manche Ausrüstungsgegenstände kein Luxus sind, sondern für die Sicherheit und Gesundheit der Feuerwehrleute sorgen.

Ralf Momsen und der stellvertretende Amtswehrführer Axel Erdmann sowie einige Wehrführer begleiteten die Übung und zeigten sich beeindruckt. „Unser Dank gilt Ralf Momsen, der uns diese Erfahrung hier ermöglicht“, sagte Erdmann. „Das ist zum Üben ein absoluter Glücksfall und die Leute sind hoch motiviert und interessiert.“

Ralf Momsen hofft, im Juni mit den Abrissarbeiten beginnen zu können. „Wenn wir den Baubeginn im Herbst halten wollen, muss ich frühzeitig für die Vorbereitung an den Baugrund.“ Bis dahin stellt er den Wehren im Amt das Gelände zur Verfügung, Termine können mit der Wehrführung in Wilster abgesprochen werden.  


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