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Glückstädter matjeswochen : Feuerwehr-Schiff mit Charme

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Interessantes historisches Löschboot kommt aus Hamburg nach Glückstadt zu den 50. Matjeswochen

Früher löschte ihr Wasserstrahl Schiffsbrände, heute sprüht sie zum Hafengeburtstag und anderen besonderen Anlässen Fontänen: Die Spritze des Löschbootes „Feuerwehr IV“ ist Horst Köhlers ganzer Stolz. „Sehen Sie mal, wie sie glänzt“, sagt er, als er die Plane von dem goldenen Rohr abzieht. Der 75-Jährige ist Sprecher des Vereins der Hamburger Feuerwehr-Historiker, die sich ehrenamtlich um die Pflege des Oldtimers kümmern. In der kommenden Woche werden sie ihn bei den Glückstädter Matjeswochen am 10. und 11. Juni am Hafen präsentieren.

Die Fahrt über die Elbe ist laut Köhler immer ein kleines Abenteuer. Von Hamburg nach Glückstadt ist die Mannschaft also mindestens sechs Stunden unterwegs. Sieben bis acht Knoten schafft die Maschine des nach Angaben des Vereins ältesten noch voll betriebstüchtigen Löschbootes in Deutschland.

In Dienst gestellt wurde die gedeckte Motorbarkasse 1930, nachdem sie die Werft August Pahl in Finkenwerder im Auftrag der Hamburger Feuerwehr gebaut hatte – nach dem neusten Stand der damaligen Technik.

Köhler, der selbst lange als Berufsfeuerwehrmann arbeitete, erinnert sich noch an die aktive Dienstzeit des Fahrzeugs. „Als ich 1964 bei der Feuerwehr anfing, hatten wir insgesamt sieben von diesen Booten.“ Er selbst gehörte eigentlich nicht zur Besatzung der Löschboote. Einmal war er jedoch bei einem Einsatz dabei, als ein großes Gebäude am Elbstrand in Oevelgönne in Flammen stand. „Eine Woche haben wir vom Boot aus gelöscht.“

Die „Feuerwehr IV“ kam auf der Ober- und Unterelbe sowie im gesamten Hafenbereich zu Schiffs- und Schuppenbränden zum Einsatz. Bis zu 5000 Liter Wasser in der Minute kann die Pumpe ansaugen und verspritzen. Im Krieg half das Boot, die schweren Schäden im Hamburger Hafen zu beseitigen. Auch zur Versorgung von Verletzten wurde es eingesetzt. Den Krieg überstand das Schiff fast unbeschadet. Bei der großen Sturmflut 1962 wurden mit ihm einige Menschen vor dem Ertrinken gerettet. 1966 ersetzte ein Sechs-Zylinder-Dieselmotor, den alten Benziner.

Nach 50 Dienstjahren wurde das Boot 1980 ausgemustert. Im Laufe seiner Dienstzeit hat es sechsmal seinen Namen gewechselt, seit 2005 heißt es wieder „Feuerwehr IV“, wie damals, als es vom Stapel lief.

Seit seiner Stilllegung kümmern sich zehn ehemalige Feuerwehrmänner um den Erhalt und den Betrieb des Oldtimers. Drei Jahre lang restaurierten sie ihn nach Original-Bauplänen. Heute wird das Boot jeden Winter auf der Werft Blohm und Voss herausgeputzt. Im Sommer liegt es an der Kehrwiederspitze nahe der Elbphilharmonie. Laut Horst Köhler ein günstiger Standort: „Wir haben das Glück, dass hier unheimlich viele Leute vorbeikommen, auf uns aufmerksam werden und nach Rundfahrten fragen.“

Die bietet die Mannschaft den ganzen Sommer über an. Zehn bis zwölf Leute passen an Bord, die ehemaligen Geräteräume unter Deck wurden zu Kajüten mit Sofa, Tisch, Küche und Toilette ausgebaut. Eine alte Alarmglocke, mehrere historische Spritzen und Einsatzfotos zeugen noch aus vergangenen Zeiten. Je nach Wunsch schippert die „Feuerwehr IV“ durch den Hamburger Hafen oder die Elbe hinauf nach Bergedorf oder Lauenburg. Auch nach Flensburg und Dresden ist die kleine Barkasse schon gefahren.

Regelmäßig finden Hochzeiten an Bord statt – auch für die Crew immer ein besonderes Erlebnis. „Einmal hatte der Standesbeamte nicht viel Zeit“, erzählt Köhler. „Er sprang nur in der Schleuse an Bord, machte schnell die Trauung und ging dann wieder.“ Das Brautpaar blieb natürlich noch und genoss, wie alle anderen Hochzeitsgesellschaften auch, die Fahrt über die Elbe.

„Heute sind bei der Hamburger Feuerwehr nur noch zwei moderne Löschboote im Einsatz“, erzählt Horst Köhler wehmütig. Umso mehr, freut er sich, dass die „Feuerwehr IV“ noch voll funktionstüchtig ist: „Wenn wir auf einer unserer Fahrten mal an einem brennenden Schiff vorbeikommen sollten, dann müssten wir nicht grüßend vorbeifahren, sondern könnten auch löschen.“ Vorgekommen ist das allerdings bis jetzt noch nicht.

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