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„Feuerwehr liegt bei uns im Blut“ – Familie Steffen ständig im Einsatz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Diese Kopfbedeckungen haben es ihnen angetan. Stabiler Kunststoff, integriertes Visier, eingebaute Arbeitslampe – und dann dieses knallige Gelb. Mit solchen Helmen sind sie immer geschützt. Franziska (24) und Jennifer Steffen (21) sind aktive Feuerwehrfrauen.

Wenn der Piper klingelt, sind beide für die Heider Feuerwehr im Einsatz. Familienvater Michael Steffen (46), Chef der Atemschutzgruppe, zählt sich ebenfalls zu den positiv Verrückten, ohne deren Zutun diese Gesellschaft ein großes Stück ärmer wäre.

Feuerwehrfrau zu sein, ist für Franziska und Jennifer eine Lebenseinstellung. „Das hat mit Teamgeist zu tun, Kameradschaft und dem Gefühl, in Not geratenen Menschen zu helfen“, sagt die junge Frau, die bereits mit elf Jahren eintrat und 2002 als erstes Mädchen überhaupt in eine Uniform schlüpfte. Damals sorgte der Wehrvorstand unter Führung von Peter Rosin für Schlagzeilen, als er sich weigerte, eine Schülerin in die Jugendabteilung aufzunehmen. Der Fall schlug hohe Wellen, beschäftigte auch die städtischen Gremien.

Spätestens 2004 mit dem Eintritt der ersten weiblichen Blauröcke wurde die „Männergesellschaft Feuerwehr Heide“ zum Auslaufmodell. Franziska Steffen hat sich inzwischen zur Hauptfeuerwehrfrau mit drei Sternen emporgearbeitet, sie gehört zur Riege der Atemschutzträger und kann jedes Einsatzfahrzeug und alle Gerätschaften bedienen. Seit Anfang vergangenen Jahres verwaltet die gelernte Vermessungstechnikerin auch die Kasse der Brandschützer.

Mit den drei klassischen K’s braucht auch Jennifer Steffen niemand zu kommen. Kirche, Kochen, Kinder – das war einmal. „Mich interessiert Technik. Auch deshalb mache ich bei den Atemschutzgeräteträgern mit. „Warum sollen wir Frauen das nicht auch beherrschen? Für mich ist es selbstverständlich, mit aller Kraft reinzugehen, um Menschen zu helfen. Feuerwehr kann jeder lernen. Jeder.“

Anderswo im Land haben die Freiwilligen Wehren mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen – nicht so in Heide, wo derzeit mehr als 80 Kameraden zur Verfügung stehen. Während so mancher unter der Woche bei einem Tageseinsatz aus beruflichen Gründen nicht ausrücken kann, ist Jennifer Steffen fast immer erreichbar.

„Ich studiere an der Fachhochschule Westküste und kann es zeitlich einrichten, wenn ich angefordert werde“, erzählt die Hauptfeuerwehrfrau, die wie ihre ältere Schwester aus eigenem Antrieb zu den Rettungskräften gefunden hat.

„Jemand zu diesem Job zu drängen, wäre auch Blödsinn“, meint Michael Steffen. Leidenschaft und den Willen, für andere da zu sein, könne man nicht verordnen. Der Oberlöschmeister, im Hauptberuf Maler, ist gut drei Jahrzehnte dabei. „Feuerwehr liegt bei uns im Blut. In meiner Familie haben sich viele im Brandschutz engagiert. Ich bin durch meinen Vater reingekommen.“

Seit 2009 ist er für die Atemschutzgeräteträger der Wehr verantwortlich. Diese Kameraden stehen bei Einsätzen in der ersten Linie und verrichten beim Innenangriff einen besonders gefährlichen Job. Der Umgang mit Atemschutzgeräten bei Hilfsorganisationen wie der Feuerwehr ist mit einem hohen Ausbildungsaufwand verbunden. So muss beispielsweise das Absuchen von verrauchten Wohnungen, die effektive Brandbekämpfung oder auch der Umgang mit in Not geratenen Atemschutztrupps immer wieder geübt werden, um einen guten Standard zu gewährleisten.

Der Besuch der Kreis- und Landesfeuerwehrschule gehört zum Pflichtprogramm. „Wir müssen stets auf dem aktuellen Stand von Sicherheit und Technik sein“, betont der 46-Jährige. Trotz aller Leidenschaft für sein Ehrenamt – manchmal gibt es Erlebnisse, die den Heider nicht ruhen lassen, ja sogar aufregen. „Mich nervt die Gedankenlosigkeit von Leuten. Wir tun und machen, aber viele sehen es einfach nicht. Die Menschen glauben, dass wir von Beruf Feuerwehr sind. Aber so ist es ja nicht. Jeder von uns opfert seine Freizeit und bekommt nichts dafür.“ Neben fehlender Akzeptanz sei zunehmende Respektlosigkeit. Steffen erinnert sich an einen zurückliegenden Abend-Stadtlauf des MTV, wo Mitglieder der Wehr als Streckenposten unterwegs waren.

„Wenn so viele Aktive unterwegs sind, ist es normal, Absperrungen oder Umleitungen einzurichten. „Dann werden wir von Autofahrern angepöbelt oder sogar angegriffen. Das ist alles nicht mehr normal.“

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erstellt am 28.Apr.2015 | 11:37 Uhr

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