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Burg : Feuerwehr in Not – wie aus Pflicht Leidenschaft wurde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Starker Teamgeist und moderne Ausrüstung – so überwand die Burger Wehr die Krise.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 19:39 Uhr

Burg | Sie stand am Abgrund, war kaum noch einsatzfähig: Anfang 2009 zerstörte ein heftiger Streit die Freiwillige Feuerwehr Burg (Dithmarschen), auf einen Schlag erklärten mehr als 40 Kameraden ihren Austritt. Dem Landrat blieb nur, eine Pflichtwehr anzuordnen, eine von wenigen in Deutschland. Mit der Folge, dass die Gemeinde Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren für den Dienst auswählte. Neben bereits aktiven Wehrleuten mussten auch Bürger verpflichtet werden, die noch nie etwas mit den Blauröcken zu tun hatten. Nicht bei jedem Betroffenen stieß das auf Verständnis, doch längst ist der anfängliche Unmut verflogen – und die Wehr hat sich in den vergangenen Jahren zu einer leistungsstarken und modernen Truppe entwickelt. Mit jungen Leuten, die im wahrsten Sinne für ihre Feuerwehr brennen.

„Die Stimmung ist gut, es sind viele Freundschaften entstanden“, sagt Wehrführer Thomas Kusch (34), der sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit der Anschaffung eines neuen Löschfahrzeuges beschäftigen durfte, unter anderem die genaue Ausstattung festlegen musste. Das neue Auto war zugleich auch der erste Motivationsschub für die junge Pflichtwehr, ein Symbol des Neuanfangs. „Gerade die jungen Leute sind begeistert, wenn sie mit einem neuen Fahrzeug und modernen Geräten arbeiten können“, berichtet Kusch. Er ist froh darüber, dass die Gemeinde der Wehr „sehr viel Unterstützung“ zukommen lässt, der Brandschutz im Ort wieder einen hohen Stellenwert einnimmt.

Nach und nach wurde die gesamte Ausrüstung erneuert, von der Einsatzkleidung bis zu den Atemschutzgeräten. Und die Kameraden, die mit schweren Atemschutzgeräten in die brennenden Objekte vorrücken müssen, erhielten Anfang des Jahres sogar eine Wärmebildkamera. Mit ihr können sie Glutnester leichter und schneller finden.

Die Kameraden sehen die moderne Ausstattung auch als Anerkennung ihres Dienstes. Was laut Kusch dazu beiträgt, dass einige der aus der Bevölkerung Verpflichteten heute mit Begeisterung dabei sind. Dies gilt insbesondere für die „First Responder“-Gruppe, die es seit mehr als einem Jahr gibt. Es sind ausgebildete Rettungssanitäter, die bei lebensbedrohlichen Erkrankungen zum Einsatz kommen. Allein im vorigen Jahr war das in Burg und Umgebung 59 Mal der Fall. Durch die Arbeit der „First Responder“ erhielt die Wehr einen weiteren Aufschwung, meldeten sich neue Freiwillige zum Dienst. Kusch: „Die kamen nur, weil sie vom Rettungsdienst fasziniert sind, sie werden aber natürlich auch als Feuerwehrleute ausgebildet und eingesetzt.“

Im nächsten Jahr wird die gesetzliche Frist von sechs Jahren für eine Pflichtwehr ablaufen, dann könnte an die über 100-jährige Geschichte der ehemaligen Freiwilligen Feuerwehr Burg angeknüpft werden. Ob dann einige von denen, die 2009 verpflichtet wurden, die Truppe verlassen, weiß der Wehrführer nicht. „Angst, dass wir dann wieder zu wenig sind, habe ich aber nicht“, sagt Kusch und plädiert für das Ende der Pflichtwehr. Auch deshalb, weil vier seiner Kameraden inzwischen über 50 sind und deshalb nicht noch einmal verpflichtet werden dürften. „Diese Männer haben die größte Erfahrung, darauf möchten wir nicht verzichten.“

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