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Streit um Kosten : Feuercontainer erhitzt die Gemüter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Finanzausschuss lehnt Anschaffung eines mobilen Übungsraums ab. Kosten wären zu 100 Prozent aus Landesmitteln gedeckt.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2016 | 05:00 Uhr

Es hört sich an wie eine Posse: Der Kreisfeuerwehrverband Steinburg beantragt beim Kreis einen Brandübungscontainer. Die Kosten in Höhe von 150  000 Euro würden direkt aus der Feuerschutzsteuer, also vom Land, übernommen werden. Allerdings muss die Summe über den Kreis abgerechnet, also in den Haushalt eingestellt werden. Doch der Finanzausschuss streicht diesen Posten kurzerhand. Eine Begründung: Fehlanzeige. Die Kameraden sind fassungslos.

Zum Hintergrund: Auslöser war der tragische Unfall in Marne, wo vor einem Jahr bei einem Brand ein Feuerwehrmann ums Leben gekommen war. „Da haben wir uns gefragt, ob wir mit unserer Ausbildung noch gut davor sind“, berichtet Stefan Warias, Fachwart Atemschutz beim Kreisfeuerwehrverband. Das Ergebnis: Eigentlich ja, aber es muss mehr für die Atemschutzgeräteträger getan werden. Zum Üben fahren die Kameraden nach Brunsbüttel oder Brokdorf, wo die Wehren entsprechende Brandübungscontainer zur Verfügung haben. Rund 100 Euro pro Teilnehmer werden für das Training bei den befreundeten Kameraden fällig – Unterhaltungskosten. „Mittlerweile fressen uns die Kosten auf“, sagt Matthias Venohr, Amtswehrführer Amt Schenefeld.

Also hat die Kreiswehrführung angefangen zu recherchieren – und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis. Ein mobiler, mit Gas befeuerter Übungscontainer würde mit rund 150  000 Euro zu Buche schlagen. „Und die Summe würde zu 100 Prozent über die Feuerschutzsteuer finanziert werden“, sagt Thorsten Beuck, Amtswehrführer Amt Itzehoe-Land. Die laufenden Kosten würden auf die teilnehmenden Wehren umgelegt. Etwa 15 Euro pro Übungsteilnehmer würden nach Berechnung der Feuerwehrexperten anfallen – 85 Euro weniger als bisher.

Doch laut Warias, Venohr und Beuck, die nach Rücksprache für alle 102 Wehren im Kreis sprechen, gibt es noch mehr Vorteile. Durch den Gasbetrieb sei ein sicheres Training möglich, mit einem Knopfdruck können im Notfall die Flammen einfach abgeschaltet werden. In Brunsbüttel gebe es durch den Festbrennstoffbetrieb zwar auch echten Rauch, aber bei einem Notfall müssten die Flammen echt gelöscht werden. „Außerdem können wir durch die mobile Containerlösung auch in die Fläche fahren, vor Ort Übungen anbieten“, sagt Venohr. Und der Bedarf ist vorhanden: „Bei einer Umfrage im Sommer haben 90 Prozent der Wehren im Kreis Steinburg ganz klar gesagt, dass sie einen entsprechenden Übungscontainer nutzen würden“, berichtet Warias.

Heute, so erklärt Thorsten Beuck, seien die Brandverläufe ganz anders, viel aggressiver. „Vor diesem Hintergrund müssen wir die Ausbildung der Atemschutzgeräteträger forcieren.“ Die Feuerwehrleute müssten in der Übung an ihre Grenzen gehen. Matthias Venohr: „Die Kameraden müssen sich einen heißen Arsch holen, damit sie im Ernstfall wissen, worauf es ankommt.“

Alle Unterlagen mit Daten und Preisen seien schließlich an die Verwaltung übergeben worden. Das Abstimmungsergebnis im Finanzausschuss war deshalb für die Amtswehrführer und den Fachwart umso erstaunlicher – „und es fiel genau auf den Jahrestag des tödlichen Unfalls in Marne“.

Laut Ausschussmitglied Ilona Adamski (Fraktion Piraten, parteilos) sei das Thema zuvor von den Fraktionen der CDU, FDP, Piraten und Grünen beraten worden – allein die SPD und die Einzelabgeordneten hätten gefehlt. „Wir haben fraktionsübergreifend beschlossen, den Haushaltsposten zu streichen.“ Als Gründe hätten alle Politiker die realistischeren Übungsbedingungen in Brunsbüttel und die Folgekosten gesehen. „Wir sind so verblieben, dass wir das Thema im März wieder aufgreifen“, sagt Adamski, die vermisst, dass sich die Feuerwehrexperten direkt an die Politiker gewandt und die Bedeutung des Themas noch einmal mit Nachdruck vorgetragen haben.

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