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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 17:21 Uhr

Großeinsatz : Feuer vernichtet Sportzentrum

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Schulzentrum Heide-Ost: 204 Einsatzkräfte stundenlang im Einsatz / Polizei verhaftet zwei Tatverdächtige noch in der Nacht

In Dithmarschens Kreisstadt hat es wieder gebrannt. 204 Einsatzkräfte aus sieben Wehren mussten ab Mittwochabend einen Löschmarathon bewältigen, denn am Schulzentrum Heide-Ost standen die Turnhallen in lodernden Flammen. Für das Feuer wurde die höchste Alarmstufe ausgelöst. Die ganze Nacht hindurch gingen Sirenen und bis gestern in den späten Nachmittag hinein fanden Bagger Glutnester in den Trümmern der eingestürzten Halle. Die Stadt Heide rechnet mit einem Millionenschaden. Schon in der Nacht wurden durch die Polizei zwei Tatverdächtige verhaftet.

Die brennende Turnhalle am Schulzentrum Heide-Ost ist der fünfte Großbrand in 14 Tagen und blieb auch nicht der einzige in der Nacht. Bereits gegen 22 Uhr rief ein Feuer in einer Holzhütte in Weddingstedt Polizei und Feuerwehr auf den Plan. Um 23.21 Uhr kam dann der Alarm: Feuer in der Großsporthalle.

Die ehrenamtlichen Helfer aus den umliegenden Wehren rückten mit Drehleitern und Wasserwerfern an und arbeiteten bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. „Wir hoffen, dass die Täter gefunden werden, damit wir zur Ruhe kommen können. Die körperliche Erschöpfung greift um sich, die Leute brauchen Erholung“, erklärt Kay Ehlers, Pressesprecher der technischen Einsatzleitung, als am morgen Ablösung aus den nördlichen und südlichen Kreisgebieten kam.

Die Brandserie zehrt an den Nerven: Ein Feuerwehrmann erlitt während der Löscharbeiten einen Schwächeanfall, zwei weitere mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die übrigen übernächtigten Feuerwehrleute konnten sich zwischendurch mit Brötchen, Kaffee und Eintopf stärken. Die Verpflegung wurde durch das das Deutsche Rote Kreuz sichergestellt.

Der Brandherd war zäh. Bis in den morgen waberten Kohlenmonoxid und Blaugasdämpfe in die Straßen zum Authal und Rehdamm, nördlich der Brandstelle. Für die 30 Bewohner der Straße hieß das noch in der Nacht Jacke anziehen, Wohnung verlassen und eine Notunterkunft aufsuchen. Sie wurden aus Vorsicht evakuiert und an einem sicheren Ort in der Nähe versorgt, bis sie gegen Mittag in ihre Wohnungen zurückkehren konnten. Anwohner bis Ostrohe wurden angehalten, Fenster und Türen geschlossen zu halten, um den beißenden Geruch der verbrennenden Bau- und Kunststoffe auszusperren.

An Unterricht konnten an diesem Morgen niemand denken, auch wenn das Schulgebäude mit den Klassenräumen von Gemeinschaftsschule und Gymnasium selbst nicht betroffen war. Ihnen schenkte das Feuer zwei Tage vor Ferienbeginn einen Schulausfall. Auch heute findet kein Unterricht statt.

Einige Schüler aus der näheren Umgebung hatte das Großfeuer dennoch angelockt. Sie wollten es mit eigenen Augen sehen. Doch alle blieben vorsichtig und auf Abstand vor dem beißenden Rauch. „Es war kein Schüler hier, der nicht über Facebook, SMS oder Radio informiert war. Das hat gut geklappt“, erklärte der Schulleiter der Gemeinschaftsschule, Günter Orgis, am Morgen erschöpft. Er war die ganze Nacht auf den Beinen. Wie es nun weiter geht, weiß er nicht. Zunächst sei es sinnvoll, die Schüler in die Herbstferien zu schicken, erklärte er. So sieht es auch der Schulleiter des Gymnasiums, Gerhard Thomas. Wie sein Kollege war er vor Ort und auch für die Schüler ansprechbar auf dem Schulgelände. Eine Betreuung für Schüler sei sichergestellt, aber nicht von Nöten, denn: „Schulausfall geht immer rum. Da kann man sich drauf verlassen“, äußerte er.

Beide Schulleiter werden in den Ferien umdenken müssen. Denn zunächst wird wohl kein Fußball mehr in der an das Schulgebäude angrenzenden Turnhalle rollen und auch die Vereine können die Hallen auf unabsehbare Zeit nicht mehr nutzen. Das müsse dann bis zu den Weihnachtsferien anders gehen, erklärte Günter Orgis. „Sportunterricht ist wichtig“, betonte er.

Ulf Stecher, Bürgermeister der Stadt Heide machte sich am Morgen persönlich ein Bild von der Lage. „Wir haben das erste Mal für die Stadt selbst einen großen Schaden. Die Turnhalle mit Verbindungsräumen und Umkleideräumen ist vollständig zerstört. Die zweite Halle konnte mit Löschschäden gerettet werden“, beschreibt er die Lage. Den Schaden schätzt er auf einen Betrag im siebenstelligen Bereich.

Doch er weiß auch: Seitdem es in kurzer Abfolge und räumlicher Nähe immer wieder zu Großbränden kam, sorgen sich die Bürger der Stadt, wenn sie die Feuerwehr mit Sirenenalarm durch die Stadt fahren hören. In Dithmarschens Kreisstadt sei in den vergangenen Tagen eine „große Unruhe“ ausgebrochen, bestätigte er. Und so kursierten bereits wenige Minuten nach den ersten Sirenentönen wieder besorgte Posts aus der Bevölkerung im sozialen Netzwerk Facebook.

Die Polizei ermittelt weiterhin mit Nachdruck. Noch in der Nacht wurden zwei Männer festgenommen. Der Tatverdacht gegen die 17 und 18 Jahre alten Heider hatte sich bereits in den vergangenen Tagen verstärkt. Sie werden derzeit von der Kriminalpolizei Heide vernommen, erklärte der Einsatzleiter der Polizei, Jörn Mannfrahs. Ob die Brände der vergangenen Wochen miteinander in Verbindung stehen, lässt er offen. Doch der Polizeihauptkommissar äußerte klar: „Wir haben einen örtlichen Zusammenhang. Das letzte Objekt reiht sich ein.“

Bürgermeister Ulf Stecher zeigte sich zuversichtlich: „Ich weiß, dass die Polizei in den letzten Tagen mit Hochdruck auf Brandstiftersuche ist“, lobte er. Ein besonderes Lob richtete er an die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Deutschem Roten Kreuz und THW, die über Stunden im Einsatz waren. Was die Kameraden aus Stadt und Umland geleistet hätten, sei unbeschreiblich.

Im Rathaus wurde umgehend eine Arbeitsgruppe gebildet. Man werde schrittweise alle Maßnahmen treffen, damit der Schulbetrieb nach den Herbstferien wieder aufgenommen werden kann, so Stecher und beruhigt: „Ich gehe davon aus, dass wir nach dieser Kette von Bränden heute Nacht wieder ruhig schlafen können.“

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