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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 16:22 Uhr

Landwirtschaft : Feldvirus intensiv bekämpfen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bauernverband undKreisveterinäramt ziehen an einem Strang. 50 Steinburger Betriebe sind direkt betroffen.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2013 | 17:00 Uhr

„Die Krankheit gibt es schon so lange, wie ich Bauer bin. Aber jetzt stehen wir unter dem Druck etwas zu tun.“ Kreisbauernvorsitzender Peter Lüschow sieht allen Grund, mit dem Steinburger Kreisveterinäramt an einem Strang zu ziehen. In einer gemeinsamen Kampagne wollen sie das Feldvirus bei Rindern möglichst vollständig beseitigen. Die Herpes-Infektion BHV-1 ist für den Menschen zwar völlig ungefährlich. Auch tragen allein im Kreis Steinburg ungezählte Tiere aus den Beständen von insgesamt noch 50 Betrieben das Herpes-Virus mit sich herum, ohne dass die Seuche voll zum Ausbruch gekommen wäre. Jetzt aber droht eine neue Landesverordnung – mit gravierenden Folgen für die betroffenen Betriebe. Ab Juli 2014 dürfen infizierte Tiere nicht mehr auf die Weide und auch nicht mehr belegt werden. Mit Ausnahme von Betrieben, in denen noch so genannte Reagenten stehen, wird ab 1. November nächsten Jahres auch die Impfung untersagt. Zusätzlich wird es erhebliche Handelsbeschränkungen geben.

Wie Peter Lüschow erklärt, gebe es von Betrieb zu Betrieb unterschiedliche Impfpraktiken. Einige Bauern betrieben medizinische Vorsorge, andere nicht – dann aber mit dem Risiko, dass sich Tiere bei Kontakt mit Rindern vom Nachbarhof anstecken. „Das Feldvirus steckt hinter jedem Busch“, macht Kreisveterinärarzt Dr. Hans Treinies denn auch den Handlungsbedarf deutlich. Zwar werde die entsprechende Verordnung aus Kiel erst für den April erwartet. Landwirte sollten aber die jetzt angelaufene Periode der Stallhaltung nutzen, um ihre Tierbestände Virusfrei zu bekommen.

Aktuell sind 87 Prozent aller Steinburger Betriebe BHV-1-frei. Das liegt knapp über dem Landesdurchschnitt und entspricht 606 Betrieben.Weitere 40 Betriebe befinden sich derzeit im Anerkennungsverfahren. Bleiben 50 Ställe, in denen es derzeit noch Reagenten im Bestand gibt. Und die könnten bald in Not geraten – und ihre Berufskollegen gleich mit. Laut Dr. Treinies haben andere Bundesländer längst eine BHV-1-frei-Quote von fast 100 Prozent erreicht. Ganz oben stehen die Bayern, demnächst folgt mit Niedersachsen aber auch ein Bundesland in direkter Nachbarschaft. Und einige der neuen Bundesländer wollen sich zusammentun und gemeinsam eine „BHV-1-freie Region“ beantragen. Dann könnte es eng werden. „Wir müssen in Schleswig-Holstein handlungsfähig bleiben“, betont Dr. Treinies. Betroffen wären von Handelsbeschränkungen nämlich nicht nur Betriebe mit infizierten Tieren, sondern alle Landwirte aus dem nördlichsten Bundesland. „Das gilt auch für Schlachtvieh“, stellt Peter Lüschow fest. Obwohl, wie Dr. Treinies noch einmal herausstellt, auch infizierte Tiere klinisch gesund seien und bedenkenlos verzehrt werden könnten.

Die Kampagne gegen das Feldvirus zum jetzigen Zeitpunkt hat einen einfachen Grund: Landwirte sollten die Stallperiode nutzen und Reagenten schon jetzt oder spätestens ab April 2014 nicht mehr belegen. „Wer schon jetzt auf eine Belegung von Tieren verzichten kann, macht alles richtig“, so Treinies. Letztlich erspare man sich auf diesem Weg auch nicht unerhebliche Kosten für Impfungen. Außerdem würden keine teuren Blutproben mehr fällig. Nichtinfizierte Tiere können kostengünstig über die Milch beprobt werden. Und: Man riskiere kein Weideverbot. Kreistierärztin Dr. Birte Hellerich kündigt an, dass alle Betriebe, in denen derzeit noch infizierte Tiere stehen, persönlich angesprochen werden sollen. „Es kommt ja auch nicht überraschend“, weiß Treinies, dass das Feldvirus seit Jahren ein Dauerthema ist. Und einen Ausbruch der Krankheit wolle er nicht miterleben müssen: „Es ist dramatisch, wenn alle Kühe auf dem Boden liegen und husten und keuchen.“ Für den Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Peter Mau-Hansen, geht es schließlich auch um einen Akt der Solidarität unter allen Landwirten. Deshalb stehe der Verband auch voll dahinter.

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