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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 13:30 Uhr

Feine Kunst von großer Reife

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Pianist Da Sol und das Orchester „Sinfonia Varsovia“ bieten im theater itzehoe ein Konzerterlebnis

Rätselraten beim Publikum des zweiten Sinfoniekonzerts der Spielzeit im theater itzehoe: „Was hat er als Zugabe gespielt?“ Dieses Fünf-Minuten-Stück voller Gegensätzlichkeiten hatte Solopianist Da Sol farbenprächtig und subtil, verinnerlicht und extrovertiert interpretiert. Einerseits agierte er rasend und explosiv, andererseits erzeugte er Momente größter tonmalerischer Stille, voller fragiler Spannung.

Und dennoch hatte man das Gefühl, dass hier kein „Tastenlöwe“ am Werk war. Klar: Da Sols überragendes technisches Können rief Bewunderung und Staunen hervor. Aber der junge Mann bot nicht nur technische Finessen. Schon in Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll, op. 37 hatte er ohne jede Effekthascherei dessen kontrastreiches Spektrum ausgespielt, ohne ins Lässig-Lapidare oder ins aufgesetzt Dramatische zu verfallen. Im Gegenteil: Die Wechselsprache von Orchester und Solopart lebte zugleich von der Spielfreude und der Ergriffenheit von der musikalischen Idee Beethovens, nämlich jenseits von aller Programmatik eine Art Sinfonie mit konzertierendem Klavier zu komponieren.

Nun aber zu Da Sols Zugabe, einem im hiesigen Theater noch nie gehörten Werk. In der (unsinnigen) Hitparade der wegen ihrer technischen Anforderungen auch für Virtuosen „eigentlich unspielbaren“ Stücke nimmt es Platz 1 ein: Maurice Ravels gut 100 Jahre alte Impressionismus-Studie „Gaspard de la nuit“. Der junge Pianist präsentierte den 1. Satz, in dem die Nixe „Ondine“ ihren medusenhaften Zauber entfaltet. Hier war, wie gesagt, kein Tastenlöwe am Werk, sondern ein Klangbildmaler, der jeder Eindeutigkeit auch ein Mysterium hinzufügt. Der Solist bot verfeinerte Kunst von unglaublicher Reife. Der junge Mann wird schon international gerühmt, studiert aber noch in Hannover. Nicht nur das Publikum, sondern auch das Orchester der „Sinfonia Varsovia“ huldigte diesem jungen Mann.

Dass das Konzert (eingangs eine traditionelle Ouvertüre von Karol Kurpinski, nach der Pause Mozarts Haffner-Sinfonie) im Gedächtnis haften bleiben wird, ist auch das Verdienst der polnischen Musiker und ihres Dirigenten Volker Schmidt-Gertenbach. Dieser, in Itzehoe ein gern gesehener Gast, führt sein Orchester mit kleinen Gesten, geradezu dezent. Er antizipiert die Impulse für seine Musiker. Knapp, elegant und konzentriert – so entwickelt Schmidt-Gertenbach seine bestechende Präzision. Solist, Dirigent und Orchester motivierten sich in diesem Konzert gegenseitig zu Höchstleistungen.

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erstellt am 26.Okt.2013 | 00:32 Uhr

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