Feiern in der Familienbande

Starke Leistungen (v. l.): Eva (Beate Kiupel), Hagen (Erkki Hopf, Hetti (Herma Koehn), Helga (Meike Meiners) und Erich (Oskar Ketelhut).
Starke Leistungen (v. l.): Eva (Beate Kiupel), Hagen (Erkki Hopf, Hetti (Herma Koehn), Helga (Meike Meiners) und Erich (Oskar Ketelhut).

Gastspiel des Ohnsorg-Theaters im vollen Theater mit „De schöönste Dag in’t Johr“

shz.de von
26. Januar 2015, 05:00 Uhr

Die Tafel ist festlich gedeckt, das Geburtstagskind feierlich im Smoking, die Party kann beginnen. „De schöönste Dag in’t Johr“ heißt die Komödie des englischen Autors Nick Walsh. Mit der plattdeutschen Übersetzung von Gerd Meier bestritt das Hamburger Ohnsorg-Theater das Winter-Gastspiel bei der Speeldeel – gewohnt erfolgreich im vollen Theater Itzehoe. Regie: Jasper Brandis.

Nein, es läuft nicht so wie geplant. Erst sagen die Gäste ab: Krankheit, Urlaub. Dann taucht überraschend Schwiegermutter Hetti auf und sorgt für zusätzlichen Wirbel. Den verursacht das feiernde Quartett – Erich und Helga, Hagen und Eva – ohnehin zur Genüge, vier Charaktere sehr individueller Prägung, die sich nicht sehr mögen. „Ik heff de Snuut vull“, sagt Hagen. „Das Wort Familienbande“, wird im Programmheft Karl Kraus zitiert, „hat einen Beigeschmack von Wahrheit.“

Die Mischung aus britischem Humor und Hamburger Spielfreude kommt prächtig an. Die bissigen Dialoge, mit denen sich die Vier beharken („Föhlt ju as to Huus – aver benehmt ju nich so“), sind voller Witz und giftiger Pointen („Ik heff nie nich begrepen, wat se an di finnen deit“), auch an Situationskomik ist nicht gespart. Ein nettes familiäres Beisammensein jedenfalls sieht anders aus.

Entsprechend stark besetzt sind die fünf Partien. Oskar Ketelhuts Geburtstagskind Erich ist ein umwerfend unverfrorenes Ekel, Hagen (Erkki Hopf) ein großartig gespielter Volltrottel, dem alles daneben geht. Unterschiedlich auch die Damen: Helga (Meike Meiners) die eher Zurückhaltende, boshaft-hinterhältig Beate Kiupels Eva. Wie immer eine Komödiantin reinsten Wassers: Herma Köhn (Hetti), schon seit 1967 in unzähligen Rollen beim Ohnsorg-Theater auf der Bühne.

Nicht gespart ist am Bühnenbild (Andreas Freichels), für das es mit Recht lebhaften Applaus gab. Schon die mit blauen Ankern gezierte Tapete, ringsherum Schiffsmodelle, ist ein Augenschmaus. Den reich gedeckten Tisch scheint ein Partyservice beliefert zu haben. Nur selten erlaubt sich ein Theater auf Tournee solchen Aufwand.

Sehr verdienter Beifall und Blumen.

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