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Oratorium : Feierliches Konzert voller Emotionen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kantorei der Innenstadtgemeinde brilliert mit Bachs Weihnachtsoratorium in ausverkaufter St. Laurentii-Kirche.

Vor der Kirche wurde das handgemalte Schild „Ausverkauft!“ den Karten-Interessenten vorgehalten. Trotz allen Verständnisses für die Enttäuschung freute sich Dörthe Landmesser, Kantorin der St. Laurentii-Kirche, über ihr erstes total ausverkauftes Konzert an ihrer Wirkungsstätte. Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium mit den ersten drei Kantaten stand auf dem Programm.

Nach fast zwei Stunden Konzert, das Oratorium war mit dem „Magnificat“ von Bachs Zeitgenossen Jan Dismas Zelenka erweitert worden, strahlte die Kantorin über die Ovationen ihres begeisterten Publikums. Bevor aber angesichts der Bachschen Besinnlichkeits-Evergreens irgendwelche Rührseligkeit entstehen konnte, stimmte sie in das weihnachtliche „O du Fröhliche“ ein, in dessen drei Strophen angesichts der emotionalen Stimmung in der Kirche plötzlich und wunderbarerweise auch Singmuffel unter den rund 700 Besuchern einfielen.

Der Vers „Himmlische Heere jauchzen Dir Ehre“ der abschließenden Strophe mag zwar angesichts der heutzutage gängigen Entchristianisierung des Bachschen Wunderwerks übertrieben wirken, fasst aber im Wesentlichen den sachlichen Kern des vorangegangenen Konzerts zusammen. Im anfänglichen „Jauchzet, frohlocket“ gelang dem Chor gleich die richtige Mischung aus echter Freude und verinnerlichter Erhabenheit. Natürlich bildete der Chor mit seinen fast 100 Mitwirkenden kein „himmlisches Heer“, aber gut zu singen und gleichzeitig eine Art beglückende Gelöstheit entstehen zu lassen, ist eine Kunst, die eigentlich nur in einer Kirche gelingen kann. Dass das klappte, lag auch an der „Norddeutschen Sinfonietta“, die sicher begleitete. Das Ensemble stellte mit dem Pikkolo-Trompeter, dem Flötisten, dem Konzertmeister und den beiden Oboisten hervorragende Einzelkönner. Besonders fiel der Herr auf, der in der Continuo-Gruppe gleichzeitig mit ausgestreckten Armen an Orgel und Cembalo begleitete.

Ein Extra-Lob geht auch an die vier Solisten. Alexandra Hebart (Alt) traf den entrückten und verklärten Ton der Maria, zum Beispiel in der Arie „Schlafe, mein Liebster“. Die Altistin strahlte in ihrer Stimme, aber auch in Sprache, Mimik und Gestik eine ungewöhnliche Präsenz aus. Sie ergänzte sich kongenial mit Johannes Gaubitz (Tenor). Jedes Wort, das er sang, gab ein beredtes Zeugnis religiöser Empfindung. Sein „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“ ebnete der anschließenden Maria-Arie „Schließe, mein Herze, dies selige Wunder, fest in deinem Glauben ein“ den verinnerlichenden Weg. Miroslav Stricevic (Bass) und die kurzfristig eingesprungene Marlen Hachmann (Sopran) trugen zum Beispiel in ihrem von den beiden Oboen begleiteten Duett „Herr, dein Mitleid“ zur feierlichen Stimmung bei.

Ein besondere Nuance verlieh Dörthe Landmesser dem Choral „Er ist auf Erden kommen arm“, den vor allem Kinder der Fehrs-Schule sangen, deren helle und klare Sopranstimmen besonders gut mit dem gleichzeitigen Bass-Rezitativ harmonierten.

Fazit: Ein von allen Mitwirkenden getragenes, sehr feierliches und emotionales Konzert, geprägt von der Kantorin mit ihrer freudigen, energiegeladenen und mitreißenden Ausstrahlung.


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