verschwundene Itzehoer : Fehlende Einwohner – das wird teuer

 Wer sich einen Nasenbeinbruch bei einem Nickerchen auf der Arbeit zuzieht, der kann dies unter Umständen als Arbeitsunfall geltend machen. Ausschlaggebend ist der Grund der Müdigkeit, erklärten die Richter. Foto: Armin Weigel
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Wer sich einen Nasenbeinbruch bei einem Nickerchen auf der Arbeit zuzieht, der kann dies unter Umständen als Arbeitsunfall geltend machen. Ausschlaggebend ist der Grund der Müdigkeit, erklärten die Richter. Foto: Armin Weigel

Die Ergebnisse des Mikrozensus 2011 treffen direkt die Itzehoer Stadtkasse: Weil Einwohner fehlen, fehlen auch Einnahmen. Der Widerspruch der Stadt gilt als aussichtslos.

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02. September 2013, 05:00 Uhr

Das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein hat gesprochen – und für die Stadt hat das erhebliche finanzielle Folgen. Weil die Einwohnerzahl deutlich niedriger angesetzt wurde, fehlen in der Stadtkasse mehrere 100 000 Euro.

1987 gab es eine Volkszählung. Die damals erhobenen Daten wurden fortgeschrieben, demnach hatte Itzehoe Ende April 2011 genau 32 323 Einwohner. Zu einem völlig anderen Ergebnis kam der Mikrozensus 2011, mit dem die Entwicklung nach der Volkszählung überprüft werden sollte: Die Statistiker errechneten zum Stichtag 9. Mai 2011 eine Einwohnerzahl von 30 885 – also satte 1438 weniger. Prozentual sei das die höchste negative Abweichung bei den Mittelstädten im Land, so die Verwaltung in einer Vorlage für den Finanzausschuss.

Dort hatte die UWI das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, und Fraktionschef Hans Emil Lorenz stellte mit Blick auf die finanziellen Auswirkungen fest: „Den Letzten beißen die Hunde.“ Denn die amtliche Einwohnerzahl ist eine wichtige Größe für den kommunalen Finanzausgleich. In diesem Jahr hat der Mikrozensus noch keine Folgen, im kommenden Jahr voraussichtlich zum Teil. Zwar muss die Stadt dank einer geringeren Einwohnerzahl auch weniger Umlagen zahlen, dennoch kalkuliert das Amt für Finanzen mit rund 240 000 Euro weniger. Doppelt so hoch ist die Summe, wenn die Zensus-Ergebnisse voll berücksichtigt werden. Zudem wird mit einer weiteren Erhöhung der Kreisumlage gerechnet, noch einmal knapp 300 000 Euro. Dagegen steht als leise Hoffnung die angestrebte Neuregelung des kommunalen Finanzausgleichs ab 2015 (wir berichteten).

Wenig Hoffnung setzt die Stadt in ihren laufenden Widerspruch gegen die Zensus-Ergebnisse. Und seien sie noch so seltsam. Beispiel: Als die Menschen mit Hauptwohnsitz erfasst wurden, fielen 340 Itzehoer heraus – nur einer kam neu hinzu. „Völlig unrealistisch“, sagte Mathias Siebenborn vom Amt für Bürgerdienste. Auch an der Haushaltsbefragung per Stichproben gebe es große Zweifel, aber sie sei im Gesetz so festgeschrieben. Dabei stimmten die Meldedaten der Stadt zu fast 100 Prozent: Nur vier Benachrichtigungen für den Bürgerentscheid seien wieder zurückgekommen, so Siebenborn. Ein Abgleich der Zensus-Resultate mit den Melderegistern ist nicht erlaubt: Datenschutz.

Die Stadt will jetzt ihren Widerspruch näher begründen und zudem das Angebot des Statistikamtes annehmen, noch ein Einzelgespräch zu führen. Siebenborn verbreitete nicht viel Hoffnung: „Wir können uns im Grunde genommen nicht dagegen wehren.“


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