Bürgerentscheid : Fassaden-Initiative triumphiert

Sichtlich enttäuscht (v.li.). Landrat Torsten Wendt, Dezernent Dr. Friedrich Storck und Personalrat Franz-Josef Rießelmann.
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Sichtlich enttäuscht (v.li.). Landrat Torsten Wendt, Dezernent Dr. Friedrich Storck und Personalrat Franz-Josef Rießelmann.

11 160 Steinburger stimmen gegen die Neubau-Pläne bei der Kreisverwaltung. Planung beginnt jetzt wieder von vorne.

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06. Juli 2014, 15:36 Uhr

142 Stimmen machen die gesamte bisherige Kreishaus-Planung zu Makulatur. Beim ersten kreisweiten Bürgerentscheid übertraf die Initiative zum Erhalt der jetzigen Kreishaus-Fassaden das vorgeschriebene Quorum von 11 018 Stimmen um genau diese Zahl. Weil gleichzeitig nur 8110 Steinburger gegen den Fassaden-Erhalt und damit für einen modernen Neubau plädierten, konnte die Initiative jubeln. „Wir ruhen uns jetzt erst einmal aus und trinken einen Sekt“, kommentierte Sprecherin Silke Nießing das Ergebnis. „Trotz aller Widrigkeiten haben wir es geschafft“, freute sich auch Mitstreiterin Karin Dietrich-Olsen. Während die Mitglieder der Initiative nach einem kurzen Besuch im Kreishaus freudestrahlend und Arm in Arm zum Feiern gingen, gab es bei Mitarbeitern der Kreisverwaltung und bei den Vertretern der Kreistagsfraktionen lange Gesichter. Kreispräsident Peter Labendowicz zeigte sich aber als guter Verlierer: „Ich freue mich zwar nicht über das Ergebnis, aber ich gratuliere der Initiative trotzdem.“

Die Entscheidung war letztlich in Itzehoe selbst gefallen. Hier gab es die mit Abstand meisten Wähler und die votierten denn auch mit einer überwältigenden Mehrheit von 61,15 Prozent für den Fassaden-Erhalt. Von gut 26 000 Wahlberechtigten gaben 5800 ihrer Stimme ab. In Städten wie Glückstadt und Wilster lockte das Thema weit weniger Menschen in der Wahllokale. Bemerkenswert sind die Ergebnisse aus drei Gemeinden. Aasbüttel stimmte mit mehr als 90 Prozent für die Fassade, Fitzbek mit 80 Prozent dagegen. Und in der Kleinstgemeinde Büttel gab kein einziger der 31 Wahlberechtigten seine Stimme ab – nicht einmal die Wahlhelfer.

In den Reihen der Kreispolitiker gab es innerhalb von Minuten ein Wechselbad der Gefühle. Während einige kommentarlos das Kreishaus verließen, verbreiteten andere schon wieder Tatendrang. „Jetzt müssen wir die Ärmel hochkrempeln“, so Martin Dethlefsen von der Bürgerliste. Einig waren sich alle, dass jetzt die Planung wieder bei Null beginnen muss.

Ein sichtlicher enttäuschter Landrat Torsten Wendt, der aber ebenfalls die Initiative zum Erfolg beglückwünschte, sagte: „Jetzt müssen wir alle Optionen durchdenken.“ Dann werde sich eventuell ein Sonder-Kreistag im Spätsommer mit dem Thema befassen. Keine Option ist für Wendt allerdings die Sanierung des ehemaligen Bahnhofshotels und des benachbarten Bollhardt’schen Gebäudes. Immerhin lässt der Bürgerentscheid ja noch eine Hintertür offen: ein kompletter Neubau unter Beibehalt der vorhandenen Fassaden. „Das sind dann aber 2,3 Millionen Euro Mehrkosten“, erinnerte der Landrat. In jedem Fall werde man heute mit der Arbeit wieder bei Null anfangen. „Aber das hier müssen wir jetzt erst einmal verdauen.

>Ergebnisse aus allen Städten und Gemeinden im Kreisgebiet siehe nächste Seite

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