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Rot statt gelb : Farbspiele und ihre langen Folgen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Alter Bebauungsplan in der Aaron-Rieder-Straße fordert Fassadenfarbe Weiß oder Gelb – Rot wird jetzt aber offiziell geduldet.

von
erstellt am 08.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Die Aaron-Rieder-Straße im Osten der Stadt. Akkurat stehen die Häuserreihen nebeneinander und geben ein hübsch einheitliches Bild ab in ihren hellen Farben. Meist sind es Weiß- oder Gelbtöne. Nur zwei stechen heraus: Die Fassade des Hauses mit der Nummer 5 ist rot, bei der Hausnummer 63 wirkt es gelb-rot. Das gab vor Jahren Ärger – und erst jetzt können die Eigentümer nach behördlichem und politischem Segen aufatmen.

Heute kann Irina Martens darüber lachen. Vor gut sechs Jahren sah das anders aus: Gerade hatten sie und ihr Mann das Haus mit der Nummer 63 neu verklinkert, lange hätten sie für diese fünfstellige Investition gespart, sagt die 39-Jährige. Dann kam die Mitteilung der Stadt: So gehe es nicht, es müsse geändert werden. „Das war ein Riesenschock. Im ersten Moment war das ein Drama für uns.“

Den Hintergrund für das Drama bildete der Bebauungsplan für das Gebiet. Er stammt aus dem Jahr 1963 und trägt die Nummer 27 – inzwischen ist die Stadt bei der Nummer 150 angekommen. Dessen Aussagen sind eindeutig: Die Fassade muss Putz in hellen Farbtönen aufweisen oder aber eine Verblendung mit weißen oder gelben Klinkern. Bei 46 der 48 Wohnhäuser war die Vorgabe eingehalten, aber bei zweien eben nicht.

Dabei hätten sie den Stein sogar vorher der Sachbearbeiterin im Rathaus gezeigt, schildert Irina Martens. Diese habe gesagt, er sei in Ordnung – doch dann sei sie in den Ruhestand gegangen. Es folgte das mahnende Schreiben der Stadt, und das Ehepaar Martens legte Papiere vor: Die Firma, die die Verblendsteine hergestellt hatte, habe bescheinigt, dass es sich um einen bestimmten Brand gehandelt habe, bei dem kein Rot-Ton herauskommen könne, so Irina Martens. Doch das habe an der Haltung nichts geändert.

In ihrer Not suchten die Itzehoer Hilfe von ganz oben. Beide arbeiten selbst in der Verwaltung, so wüssten sie, dass es manchmal etwas komisch laufe, sagt Irina Martens. Der damalige Bürgermeister Rüdiger Blaschke habe viel Verständnis gezeigt und bei einem Besuch das Farbspiel in der Aaron-Rieder-Straße als nicht so schlimm bewertet. Gemeinsam mit dem zweiten betroffenen Anwohner hätten sie die Nachbarn befragt, ob die Farbtöne störten: „Alle haben nur gelacht.“ Unterschriften wurden gesammelt, um einen Antrag auf Änderung des Bebauungsplans im Frühjahr 2008 zu unterstützen.

In einer Sitzung sei das Thema vertagt worden, danach hätten sie nichts mehr gehört, sagt die Itzehoerin. Nun hat das Bauamt ausgemistet, und der Stadtentwicklungsausschuss zog einen Schlussstrich. Die Änderung des B-Planes wurde gestoppt, der Plan selbst aber bleibt bestehen, damit beispielsweise Bäume und Hecken weiter geschützt sind. Doch schon in der Vergangenheit sei die Angelegenheit nicht weiter verfolgt worden, „da die gestalterischen Festsetzungen aus dem Jahr 1963 nicht mehr zeitgemäß sind“, so die Verwaltung in der Sitzungsvorlage. Und dabei wird es bleiben, denn es gebe keine Beschwerden von Nachbarn: „Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Einhaltung der gestalterischen Festsetzungen nicht im vordergründigen Interesse der Anlieger steht.“

Irina Martens erfuhr davon durch unsere Zeitung. Nach der langen Funkstille „haben wir uns schon gedacht, dass es eingestampft wurde“. Dennoch freut sie sich über die geklärte Situation: „Es wäre für uns der Ruin gewesen – und vor allem, was für ein schwachsinniger Ruin.“

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