Farbenfroh - Zwei Künstler stellen aus

Eröffnen die Ausstellung: Christiane Opitz, Johannes Ulrich Kubiak, Vincent Schubarth und Jan Wallraf. Foto: Knoop
Eröffnen die Ausstellung: Christiane Opitz, Johannes Ulrich Kubiak, Vincent Schubarth und Jan Wallraf. Foto: Knoop

Johannes Ulbrich Kubiak und Vincent Schubarth zeigen ihre Bilder im Palais für aktuelle Kunst (PAK)

shz.de von
22. März 2012, 08:36 Uhr

Glückstadt | "So trocken war das Gebäude noch nie!" Die Worte von Jan Wallraf, Vorsitzender des Kunstvereins, zur Eröffnung der Ausstellung "Reviere" verrieten Galgenhumor. Das Unglück des großen Wasserschadens nach dem Frost habe auch Glück nach sich gezogen, erläuterte Wallraf. Der Verein hätte die Wände des Palais für aktuelle Kunst (PAK) sowieso dieses Jahr streichen müssen, was nun teilweise durch die Versicherung veranlasst worden sei.

Jan Wallraf bedankte sich bei dem Vorsitzenden des Wirtschafts- und Kulturausschusses Dr. Hans-Georg Helm, weil die Restsumme übernommen wurde. Insgesamt befinde sich das PAK "in stabiler Seitenlage", verwies Wallraf mit einem Vergleich aus dem Erste-Hilfe-Bereich auf Tendenzen der Stadt, das Palais künftig wieder stärker zu fördern und die Schließung abzuwenden. Damit kann die frühere PAK-Kuratorin Christiane Opitz den Vorstand auf Honorarbasis teilweise entlasten. Sie führte auch in die aktuelle Ausstellung ein, die nun zwei Wochen später startete und bis 22. April zu sehen ist.

Die Kunstfreunde treffen im Palais für aktuelle Kunst auf flimmernde und flirrende Farbigkeit und auf zwei auf den ersten Blick ähnliche, aber in der Aussage doch ganz unterschiedliche Positionen. Der Berliner Künstler Johannes Ulrich Kubiak (51) vereine in seinen formal wie inhaltlich dichten Arbeiten Abstraktes und Gegenständliches, aus dem sich immer wieder auch schemenhafte Gestalten herausschälten, erläuterte Opitz.

Das Flimmern verweise bei ihm auf verschiedene Bewusstseinsebenen, auf Vertrautes wie Verdrängtes. "Kubiak legt Fährten aus", sieht Opitz seine Aquarelle und Ölbilder in einem Spannungsfeld zwischen der Leichtigkeit der Wirkung und der mysteriösen Aura der uneindeutigen Orte, die der Künstler als Ausgangspunkt für seine Kompositionen nimmt.

Auch sein früherer Ateliernachbar Vincent Schubarth (37), der seit drei Jahren in Glückstadt lebt und am Detlefsengymnasium Kunst unterrichtet, arbeitet mit vieldeutiger Bildlichkeit, mit nachträglich verfremdenden Flecken und Punkten.

Er geht von Hobbyaufnahmen seines Vaters oder Zeitungsfotos als motivischem Grundstock auf Leinwänden aus, die er aufwändig malträtiert und überarbeitet. "Er schabt, schürft und lässt die Farbe splittern", beschrieb Opitz den Arbeitsprozess. Dieser verweise auf einen Widerspruch, auf die Verachtung der bürgerlichen Idylle einerseits und die Schutzfunktion des Bürgerlichen andererseits. Bei Schubarth lassen die flüchtigen Lichtpunkte das Ganze unscharf erscheinen, "wie Geister aus der Vergangenheit", sagte Opitz. "Das ist keine versöhnliche Stimmung." Die Familienfotos dienten nicht der Nostalgie und dem Bewahren.

Beide Künstler stellen erstmals gemeinsam im größeren Rahmen aus und stecken damit ihre Reviere nicht gegeneinander ab, sondern erweitern ihrem Publikum mit ihren Inszenierungen den Blick auf unterschiedliche Positionen.

Die Eröffnung wurde musikalisch von Anne Römer abgerundet, die ihre Jazzsongs selbst am Keyboard begleitete. Die Sängerin, die nach längeren Etappen in Frankfurt und London seit einem Jahr in Glückstadt wohnt, ist in der Hamburger Jazzszene aktiv und trat erstmals in ihrer neuen Wahlheimat auf.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen