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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 05:24 Uhr

Fantastische Verbindung über die Elbe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wirtschaft im Brunsbütteler ChemCoast Park begrüßt den Start der nach 15 Jahren vom neuen Betreiber wieder aufgenommenen Verbindung

Mit dem Schnitt durch das symbolische Band am Cuxhavener Steubenhöft gaben Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck und Cuxhavens Oberbürgermeister Ulrich Getsch gestern offiziell den Weg frei für die neue Fährlinie zwischen beiden Städten. Zuletzt war eine entsprechende Verbindung vor 15 Jahren gescheitert. Mit der neuen Linie sind daher große Erwartungen verknüpft.

Dass die Route über 19 Seemeilen zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven wirtschaftlich betrieben werden kann, haben Gutachten errechnet. Die wichtigste Voraussetzung lautet: Zuverlässigkeit. Nur dann sei die Verbindung über die Elbe für die Logistikbranche interessant. Die Reederei Elb-Link setzt zwei moderne, leistungsfähige Fähren ein, die 2010 und 2011 gebaut wurden und bislang auf der Ostsee in Estland eingesetzt waren, zwischen der Stadt Tallinn und der Insel Saaremaa. Sie gelten als gut geeignet für die von Gezeiten beeinflusste Elbe.

Stefan Mohrdieck gehört zu denen, die immer an ein Wiederaufleben der Linie geglaubt haben. „Das funktioniert auch nur auf diese Weise“, sagt der Verwaltungschef gegenüber unserer Zeitung. Anders als im Gutachten vorgeschlagen, wäre kein Investor das Risiko mit Schiffsneubauten eingegangen, in die erstmal mehrere Millionen Euro hätten investiert werden müssen.

Dass ab morgen die beiden Fähren „Grete“ und die gestern in Brunsbüttel getaufte „Anne-Marie“ fahrplanmäßig zwischen beiden Städten im Zweistundentakt verkehren werden, wird besonders von der Wirtschaft in Schleswig-Holsteins größtem Industriegebiet begrüßt. Frank Schnabel, Sprecher der Werkleiterrunde im ChemCoast Park, erläutert: „Durch die neue Fähre wird die Anbindung des Industriestandortes Brunsbüttel deutlich verbessert.“ Gerade für die Verkehrsströme von und nach Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie den Niederlanden stelle dies eine weitere Alternative zum Elbtunnel dar. Aber, so Schnabel weiter: „Unabhängig von diesem positiven Schritt erwarten wir auch den zügigen Weiterbau der A20 inklusive Elbquerung sowie den Ausbau der B5, um die Anbindung Brunsbüttels weiter zu verbessern.“

In diese Kerbe schlägt auch der Brunsbütteler Landtagsabgeordnete Oliver Kumbartzky (FDP). Die A20 müsse kommen, betont er und fügt hinzu: „Es ist ein guter Tag für Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Die Fährverbindung ist ein Gewinn für Norddeutschland. Sie bietet für Verkehre, die durch das Nadelöhr Hamburg müssen, eine Alternative – insbesondere in der momentanen Bauphase an der A7.“

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer erklärt: „Viele haben auf diese Fähre gesetzt.“ Elb-Link, eine Tochter der estnischen Reederei Saaremaa, habe bereits bewiesen, dass sie das könne, was sie sich jetzt in der Region vorgenommen habe. Er verweist auf die 50 neuen Arbeitsplätze, die so entstanden seien. Nicht nur für die Wirtschaft, auch für den Tourismus habe die Fähre eine große Bedeutung. Vom Land wird die Fähre nicht finanziell unterstützt.

Dieses Projekt hatte eine vergleichsweise kurze Vorlaufzeit, erst im September vorigen Jahres waren die Egeb-Wirtschaftsföderung und die Wirtschaftsförderer aus Cuxhaven mit den Esten ins Gespräch gekommen. Schnell wurde das Paket geschnürt. Im Mai wurde die Wiederaufnahme der Fähre verkündet, dann mussten noch die Anleger in Cuxhaven und in Brunsbüttel ertüchtigt werden, was auf der anderen Elbseite das Land Niedersachsen machte, dem der Anleger Steubenhöft gehört.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies sieht die beiden Nordländer dichter zusammengerückt. Es sei ein klares Signal für gemeinsame Projekte, für einen starken Auftritt des Nordens.

Daniela Behrens, Staatssekretärin im Hannoverschen Wirtschaftsministerium, spricht von einer „fantastischen Verbindung über die Elbe“. Zwei Regionen, die vieles gemeinsam hätten, rückten enger zusammen, „man muss sich nun nicht mehr um Hamburg herum quälen.“

Für Brunsbüttels Bürgermeister wurde mit dem Wiederaufleben der Fährlinie ein Traum wahr. Stefan Mohrdieck bescheinigt Saaremaa „eine mutige unternehmerische Entscheidung“.

Umrahmt wurde die offizielle Eröffnung von zwei Schiffstaufen. Während in Cuxhaven Daniela Behrens die „Grete“ taufte, ließ in Brunsbüttel Maja Martens die Champagnerflasche an der „Anne-Marie“ zerschellen. Die 26-Jährige ist bei der Stiftung Mensch in der Eddelaker Straße beschäftigt. Sie erhielt von der Patin der „Saaremaa“, wie die Fähre bis gestern hieß, ein Armband überreicht, als Symbol der Verbindung zu „ihrer“ Fähre. Schon in Brunsbüttel säumten viele Schaulustige den Anleger zur Taufe, in Cuxhaven, wohin die „Anne-Marie“ anschließend fuhr, gab es einen richtig großen Bahnhof, säumten zahllose Menschen den Anlegerbereich. Immer wieder wurde das Programm durch Beiträge der estnischen Volkstanzgruppe Viirelind mit fröhlichen Tänzen aufgelockert.

>Info: www.elb-link.de

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erstellt am 20.Aug.2015 | 04:56 Uhr

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