Famoser Gesang in Kutten

Intonation vom Feinsten: Die acht Sänger der „Gregorian Voices“ vor dem Altar von St. Laurentii.
Intonation vom Feinsten: Die acht Sänger der „Gregorian Voices“ vor dem Altar von St. Laurentii.

Kirchliche Werke und Pop: „The Gregorian Voices“ zu Gast in der voll besetzten St. Laurentii-Kirche

shz.de von
14. November 2015, 07:00 Uhr

Die acht Mönche, die in ihren braunen Kutten mit tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen in die fast dunkle Kirche schreiten, verbreiten eine düster-geheimnisvolle Atmosphäre wie bei Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. Es wäre mucksmäuschenstill in der voll besetzten St. Laurentii-Kirche, wenn nicht einige Zuschauer aufsprängen, ihre Kameras zückten und mit Klack und Blitz die erwartungsvolle Stille störten. Die unmittelbar vorher geäußerte Bitte des Veranstalters „Keine Fotos, keine Handys!“ wird souverän ignoriert. Welch eine Pointe, dass ausgerechnet in die Pianissimo-Passagen von Simon and Garfunkels „Sounds Of Silence“ ein Handy hineinbimmelt.

Die acht Sangeskünstler aus Bulgarien, jeder ein Stimmvirtuose, ignorieren die wahrscheinlich von purer Begeisterung motivierten Störungen einer Publikumsminderheit. Unbeweglich stehen sie an ihren Notenpulten und spulen ihr Programm ab: zunächst ein mittelalterliches, einstimmiges „Ave Maria“, das „Terirem“ von Joan Kukusel (1280-1360) als orthodoxes Beispiel, sodann ein „Ave Maria“ aus der Renaissance und das „Cantate Domino“ von Heinrich Schütz aus dem Barock.

Die Intonation ist vom Feinsten. Das Oktett spielt gekonnt mit dem exzellenten Nachhall im großen Kirchenschiff.

Nach der Pause kommt dann der Pop im gregorianischen Stilmix, in diesem Konzert zum Beispiel das „Hallelujah“ von Leonard Cohen oder „Knocking On Heaven’s Door“ von Bob Dylan. Bei aller bestaunenswerten Sangeskunst: An der englischen Aussprache könnten die Herren noch feilen.

Ihre Gregorianik-Show ziehen sie hingegen konsequent durch. Die Kunst ihrer Stimmen macht die Musik, nicht die mit der Gregorianik intendierte religiöse Botschaft. Sie präsentieren Musik in einer Kirche, keine Kirchenmusik. Zur Show gehört der Mönchshabitus, die Kutte ist Kostüm. So wie „Der Name der Rose“ auch nur ein Roman ist. Aber der Gesang ist echt, und der ist famos.


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