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Familienstreit vor Gericht: Prozess endet ohne Strafe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

von
erstellt am 23.Feb.2017 | 17:07 Uhr

An die alte Richterweisheit, dass sich die Justiz aus einem Familienzwist möglichst heraushalten sollte – insbesondere wenn sich die familiäre Situation wieder beruhigt hat – erinnerte sich Strafrichterin Ulrike Dehning wohl im Prozess gegen ein Paar aus dem Kreis Segeberg. Sie stellte das Strafverfahren am Amtsgericht Itzehoe ohne Auflagen ein.

Entziehung Minderjähriger lautete der Tatvorwurf von Oberamtsanwältin Sabine Guninski. Am 22. April 2016 gegen 19.30 Uhr hatte das Paar demnach die Itzehoer Wohnung der Schwiegertochter (24) aufgesucht. Laut der Zeugenaussage der jungen Frau drückte der 57-jährige Mann die Tür auf und holte mit seiner 56-jährigen Lebensgefährtin die zwei und drei Jahre alten Enkelkinder der Angeklagten aus dem Kinderzimmer. Diese brachten sie anschließend nach Kellinghusen zum Sohn der 56-Jährigen. Er ist der leibliche Vater und Noch-Ehemann der
24-jährigen Mutter. Jugendamt und Polizei, so wurde in der Verhandlung deutlich, sahen keinen dringenden Handlungsbedarf, da den Kindern beim Vater keine Gefahr drohte und er ebenfalls Sorgerechtsinhaber ist. So blieben die Kinder beim Vater, bis ein Familienrichter anders entschied.

Die Angeklagten schilderten das Geschehen, sahen aber keine Straftat. Sie seien zur Schwiegertochter gefahren, diese habe ihnen die Enkel einvernehmlich mitgegeben. Die Mutter sandte in ihrer Aussage im Prozess Zeichen der Entspannung: Es habe eigentlich ein „tolles Verhältnis“ zu den Großeltern gegeben. Und: ,,Ich würde sie zur Taufe einladen.“ Angesichts dieser Entwicklung regte Richterin Dehning die Einstellung des Verfahrens an – die Staatsanwaltschaft und die Angeklagten stimmten sofort zu.

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