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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 12:37 Uhr

Soziales : Familien helfen sich gegenseitig

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein lockerer Zusammenschluss soll Eltern und Kinder entlasten und die Kommunikation zwischen verschiedenen Initiativen bündeln.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2015 | 04:47 Uhr

Itzehoe | Es war ein Notfall. „Ich musste ins Krankenhaus – der Blinddarm. Und ich wusste nicht, wer sich um meinen Sohn kümmern sollte. "Es sind solche Situationen, die Mütter wie Juliane Rühmann aus Stördorf aus der Bahn werfen können. Denn ihr 16-jähriger Sohn Sascha ist behindert, sitzt im Rollstuhl, braucht „immer jemanden, der bei ihm ist“, sagt die 55-Jährige. „Hätte mein Mann nicht spontan frei nehmen können, ich hätte nicht gewusst, was ich mit ihm machen soll.“

Es sind Situationen wie diese, in denen vor allem Eltern behinderter Kinder an ihre Grenzen stoßen können. „Wir wollen Unterstützung bieten, bei ganz vielen praktischen Dingen“, sagt Antje Hachenberg, die im Kreis ein einzigartiges Familiennetzwerk aufbaut, das Eltern behinderter und nicht-behinderter Kinder auffangen soll – nicht nur in Notsituationen. „Wir sind vor ein paar Jahren hierher gezogen“, sagt Nicole Diehl, die keine behinderten Kinder hat. „Wir wollten einfach Kontakte, Menschen, mit denen man sich austauschen kann.“

Genau das bietet das Netzwerk, das etwa 100 Mitglieder hat. „Belastung und Entlastung ist für uns alle ein Thema“, sagt Hachenberg, die selbst einen behinderten Sohn hat. Deswegen will sie mit dem Netzwerk, das ein lockerer Zusammenschluss bleiben soll, einen Pool von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Betreuern aufbauen, die Familien entlasten können.

Gerade für Eltern behinderter Kinder sei es oft schwer, Betreuung zu bekommen, erst recht in Notsituationen wie sie Juliane Rühmann schildert. „Nicht jeder kann und will ein autistisches Kind oder ein Anfallkind betreuen“, sagt Antje Hachenberg, die am liebsten einen Pool von Helfern bilden würde, die dann die entlasten, die gerade Hilfe brauchen. Das Netzwerk will helfen, Schwierigkeiten nicht nur in einzelnen Fällen, sondern systematisch zu lösen. „Wir müssen kaum Neues erfinden, sondern einfach vorhandene Strukturen für alle besser nutzbar machen“, sagt Hachenberg, die sich seit Jahren für mehr Miteinander und Inklusion engagiert. Ihre Erfahrung und Überzeugung: „Gemeinsam geht viel mehr als allein. Fahrgemeinschaften, gegenseitige Unterstützung, vor allem aber gute Infos und der Austausch von Insider-Tipps helfen enorm, um Brücken zwischen bestehenden Gruppen und Angeboten zu schlagen.“ Um große soziale Themen wie Wohnprojekte, Betreuung oder inklusive Ferien- und Freizeitangebote zu bewegen, müssten Interessen gebündelt und gemeinsam verfolgt werden.

„Wir helfen uns gegenseitig, und der Spaß kommt auch nicht zu kurz“, sagt Hachenberg. Einmal im Monat wolle man sich weiter treffen, jeweils zu unterschiedlichen Zeiten – „damit jeder kommen kann“. Am 20. Juni soll es dazu einen Familientag geben, bei dem es Informationen und praktische Angebote gibt.

Info und Kontakt über Antje Hachenberg: 04822/360902 oder ahachenb@aol.com

 

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