zur Navigation springen

Glückstadt : „Falsches Fach für Zwiebelfisch“

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Mediengestalterin gibt Büchlein über die Druckkunst heraus und benutzt dafür alte Schriften aus dem Bleisatz von J.J. Augustin .

Es ist ein besonderes Büchlein, welches Martina Peters geschrieben hat. Die Glückstädterin erzählt von einem „kleinen e“, das friedlich in einem Setzkasten liegt. Aber davon träumt, als Bleiletter mit anderen Buchstaben in den Winkelhaken gesetzt und zu einer Zeile zusammengefügt zu werden.

Martina Peters ist Mediengestalterin bei der Druckerei J.J. Augustin. Und sie engagiert sich als Beisitzerin im Verein „Zeichen der Welt“ für den Erhalt der alten Druckkunst. So verknüpft sie jetzt mit dem Büchlein die Kunst der alten Schriftsatzes in Blei mit eigenen Bildern. Letztere zeigen spezielle Geräte, die die früheren Schriftsetzer bei ihrem Handwerk brauchten. So wie den Winkelhaken, in dem die Setzer einst die Zeilen zusammenstellten.

In spielerischer Form erzählt Martina Peters die Geschichte des „kleinen e“. Von dem Traum des Buchstaben, gebraucht zu werden. „So hätte das Dasein doch einen Sinn“, sagt er dazu, dass er gerne in einem Text landen würde. Doch das „e“ gehört zu einer selten gebrauchten Schrift, der Walbaum-Fraktur. Martina Peters verwendet in dem Büchlein die tatsächlichen Schriften. So bekommt der Leser einen Eindruck, welche Besonderheiten diese ausmachen.

In der Geschichte landet der Buchstabe im falschen Kasten: bei der Bodoni-Schrift. Bodoni ist die Bezeichnung für eine Reihe von klassizistischen Antiquaschriftarten, die auf den Italiener Giambattista Bodoni zurückgehen. „Das Besondere der Bodoni-Schrift ist die Strichstärke.“

Das „e“ bleibt bei den Bodonis und wird von diesen Buchstaben „Zwiebelfischchen“ genannt. Auch ein Wort aus der Fachsprache der Setzer. „Denn ein Zwiebelfisch ist in der Sprache der Setzer und Drucker ein fälschlich aus einer anderen Schrift gesetzter Buchstabe“, erklärt Martina Peters. So erfahren die Leser auch, was ein „Hurenkind“ ist – „ein grober Setzerfehler“. Als Hurenkind wird die letzte Zeile eines Absatzes bezeichnet, wenn sie zugleich die erste einer neuen Seite ist.

In dem kleinen Büchlein steckt viel handwerkliche Arbeit. Der Umschlag mit dem Titel „Falsches Fach für Zwiebelfisch“ wurde von Martina Peters im Museum für Arbeit in Hamburg gefertigt. Die Schrift ist von ihr handgesetzt. Und sie hat es zusammen mit ihrer Mutter Brigitte Voigt handgebunden – so wie es früher üblich war. Weil handgebunden, hat sie auch erst einmal nur eine Auflage von 100 Exemplaren hergestellt. „Der Satz steht, ich kann jederzeit Bücher nachmachen“, sagt Martina Peters. Auch in Hinblick darauf, dass es im kommenden Jahr bei Augustin museale Führungen geben soll.

Bereits vor zwei Jahren hat die Glückstädterin ein Buch über „Gullydeckel“ geschrieben und damals schon angekündigt, dass sie ein neues Projekt machen würde. „Diesmal fing ich mit den Zeichnungen über die Gegenstände in der Druckerei an“, sagt die gelernte Schriftsetzerin. „Da kam mir spontan die Idee mit dem Buchstaben, dem Zwiebelfisch.“ Hilfe bekam sie im Museum für Arbeit von Artur Dieckhoff, der dort ehrenamtlich arbeitet. Auch er engagiert sich für den historischen Bestand der Druckerei Augustin.

1978 hat Martina Peters in der Druckerei Augustin ihre Lehre als Schriftsetzerin begonnen. „Ich habe meine Prüfung noch im Bleisatz gemacht“, sagt die heute 59-Jährige. „Und ich dachte, dass ich es auch jetzt noch könnte.“ Es sei aber ungewohnt gewesen, sie musste sich erst wieder einarbeiten. „Aber es hat Spaß gemacht“, sagt sie. Nur suchte sie vergeblich nach einem speziellen großen „K“. Sie fand es nicht, dafür konnte Artur Dieckhoff dann in Hamburg aushelfen. Jetzt will sie sich wieder in den Bleisatz einarbeiten. Auch in Hinblick auf künftige Besucher, die sich für die alte „Schwarze Kunst“ der Setzer informieren möchten.



>Das Büchlein kostet 16.80 Euro und ist bei der Druckerei J.J.Augustin in Glückstadt Am Fleth erhältlich.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 20.Dez.2016 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen