E-Mobilität : Fahrstunde in die Zukunft

Ungewohntes Fahrgefühl: Bastian Kleiner demonstriert wie der Wagen ohne Eingriffe des Fahrers fährt.
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Ungewohntes Fahrgefühl: Bastian Kleiner demonstriert wie der Wagen ohne Eingriffe des Fahrers fährt.

Itzehoer Fahrschule setzt Tesla mit Elektroantrieb und teilautonomen Fahrsystemen in der Ausbildung ein.

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07. Juni 2018, 05:00 Uhr

Ernsthaft? Das Lenkrad loslassen? Wenn der Inhaber einer Fahrschule das sagt... Schon rollt das Auto ungelenkt den Bullenberg auf der B 206 hinunter – und das bei nahezu Tempo 100. „Spooky“ finden das Fahrschüler, das hat Ralph Kleiner schon häufiger gehört. In der Tat, es ist unheimlich, die Kontrolle abzugeben. Aber nicht lange: Zu sicher hält der Tesla Model S 100 D die Spur.

Kleiners Betrieb ist der erste im Norden, der einen Tesla mit seinem Elektroantrieb als Fahrschulwagen nutzt. Das hat ökologische Gründe, zudem ist Kleiner enttäuscht über das, was die deutsche Autoindustrie beim Thema E-Mobilität leistet: „Es ist eine Riesensauerei, was da von oben passiert.“ Zum anderen sei E-Mobilität schlicht die Zukunft. Aber: „Wenn die Leute Schwellenangst haben, kaufen sie nicht.“ Und ohne Ausbildung für diese Autos hätten sie Schwellenangst.

Zwei Fahrstunden absolvieren die Schüler mit dem Tesla – aber erst, wenn sie etwas Erfahrung haben. Ist wohl besser so bei der Beschleunigung – Test an der Ortsausfahrt Mühlenbarbek: Erst einmal Gas weg, der Tesla rekuperiert, holt sich also Energie zurück, und bremst ohne Tritt auf die Bremse. Das spare viel Feinstaub, sagt Kleiners Sohn Bastian, Juniorchef der Fahrschule. Dann: Vollgas! Der Fahrer wird in den Sitz gedrückt und weiß wieder, warum er Jahrmarktskarussells meidet. Junge Leute wollten das ausprobieren, sagt Ralph Kleiner. Aber vor allem interessierten sie sich für die Technik – und seien „unheimlich gut informiert“.

Er ist ein Fan des Autos, das mit 500 Kilometern Reichweite alltagstauglich sei und keine Wartung brauche. Das Laden ist einfach, die Klappe für den Stecker öffnet sich natürlich elektrisch. „Es ist ein fahrendes Handy“, sagt Kleiner – deshalb seien auch beim Tesla Ladestände zwischen 20 und 80 Prozent am besten für die Akkus. Trotz einiger Unfälle, die Schlagzeilen machten, sei der Tesla als meistverkauftes Oberklasse-Modell in Europa auch das sicherste Auto, das es gebe. Der Fahrer aber müsse noch sensibler sein als sonst: Viele Verkehrsteilnehmer seien nur nach Gehör unterwegs, so Kleiner. Das Elektroauto ist aber eben kaum zu hören – „mir sind schon drei Mal Fahrradfahrer direkt vor die Nase gefahren.“

Hände kurz ans Lenkrad, befiehlt ein Flackern am Armaturenbrett. Der Fahrer soll zeigen, dass er noch da ist. Bei Kellinghusen geht es auf die Strecke durch die Moordörfer. Zwei Mal kurz am Hebel unter dem Lenkrad gezogen, schon fährt der Tesla wieder selbst. „Das ist neu“, sagt Kleiner, als er eine Kurve anstandslos nimmt. Aber dann: In der scharfen Kurve vor der Störbrücke Wittenbergen ist Alarm im Cockpit, schneller Griff zum Lenkrad. Die zehn Kameras sowie die Infrarotsensoren sind überfordert. Teils würden auch Verkehrszeichen nicht erkannt. Kurz darauf: Ein Trecker kommt entgegen, der Wagen bremst – es ist zu eng.

Genau deshalb hat Kleiner den Tesla. Die Schüler sollen das Fahren im Elektroauto kennen lernen – aber auch die Grenzen der Technik. Nicht umsonst ist es teilautonomes Fahren: „Der Fahrzeugführer ist immer noch der, der am Lenkrad sitzt.“

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