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Bergungsarbeiten angelaufen : Fahrfehler führt zur Kollision

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wahrscheinlich hat die Schiffsführung der „Coral Ivory“ die Kollision mit der „Siderfly“ verursacht. Wenn alles klappt, soll der Nord-Ostsee-Kanal im Laufe des Vormittags zumindest teilweise wieder befahrbar sein.

Brunsbüttel | Die Havarie beim Hafen Ostermoor in Brunsbüttel – gestern begannen die ersten Bergungsarbeiten an Bord der „Siderfly“, die in der Nacht zu Montag bei ihrer Reise durch den Nord-Ostsee-Kanal Richtung Antwerpen von der aus dem Hafen auslaufenden „Coral Ivory“ gerammt wurde. Seitdem ist der NOK dicht. Das den Einsatz leitende Havariekommando Cuxhaven hofft, heute Vormittag die Wasserstraße zumindest teilweise wieder für Schiffspassagen öffnen zu können.

Es müssten allerdings noch weitere Arbeiten zur Sicherung des Havaristen durchgeführt werden, teilte das Brunsbütteler Wasser- und Schifffahrtsamt gestern mit. Die Situation soll heute erneut überprüft werden. Erst dann könne beurteilt werden, ob und mit welchen Abmessungen Schiffe den Havaristen passieren können. Auch die Sprecherin des Havariekommandos, Ulrike Windhövel, schränkt ein: „Sicherheit geht vor.“

Unverändert liegt die „Siderfly“ (100 Meter lang, 14 Meter breit) mit mächtiger Schlagseite am Nordufer des Nord-Ostsee-Kanals, 400 Meter vor der Hochbrücke Brunsbüttel. Inzwischen ist der mit 3700 Tonnen Harnstoff beladene Frachter mit drei tief im Boden vergrabenen Ankern und einem Dutzend Trossen an Land gegen ein Abrutschen ins tiefere Wasser gesichert. Immer noch drückten zudem zwei Schlepper das Wrack gegen das Ufer. Landseitig wurde gestern Kies angefahren, auf dem Stahlplatten ausgelegt wurden – eine stabile Arbeitsfläche für schweres Gerät.

Mit der holländischen Firma Mariflex-Group aus Rotterdam ist seit gestern eine auf Bergungen spezialisierte Fachfirma vor Ort. Drei Bergungsexperten rückten mit leistungsstarken Pumpen an. Als erstes will man das restliche Dieselöl aus der „Siderfly“ in Tanklaster pumpen. Anschließend soll die Ladung geleichtert werden. So benannte einer der drei Experten gestern vor Ort die ersten Arbeitsschritte auf dem Weg zur Bergung. Man hofft, das das Leichtern des Schiffes zudem ausreicht, um den Auftrieb des Wracks bis zur Schwimmfähigkeit zu erhöhen. Danach gelte es, die Löcher abzudichten und das Wrack abzuschleppen. Soweit der Plan. Wie lange es bis dahin dauert, ist noch offen.

Polizeihauptkommissar Andreas Liesenfeld-Schubsda kümmerte sich gestern seitens der Wasserschutzpolizei Brunsbüttel um die neun Seeleute der „Siderfly“, acht Männer und eine Frau. Sie wurden in Wilster bis auf weiteres untergebracht. „Die Crew hat persönliche Gegenstände von Bord geholt“, berichtete Liesenfeld-Schubsda. Zudem habe man dokumentiert, was an Schiffsdokumenten und Navigationstechnik an Bord ist. Bezüglich der Schuldfrage an der Kollision verwies der Hauptkommissar auf die Staatsanwaltschaft Itzehoe.

Zuständig dort für die Kollision ist Staatsanwalt Dirk Stücker, Auskunft erteilte Pressesprecher Oberstaatsanwalt Uwe Dreeßen. „Nach vorläufiger Bewertung sieht es so aus, als ob die Schiffsführung der ‚Coral Ivory‘ die Kollision verursacht hat. Das muss letztlich abschließend noch geprüft werden ob es tatsächlich so ist“, sagte Dreeßen der Norddeutschen Rundschau. Die mit Ammoniak beladene „Coral Ivory“ (116 Meter lang, 16 Meter breit) hatte, aus dem Hafen Ostermoor kommend, die Kurve etwas großzügig genommen und war der entgegen kommenden „Siderfly“ in die Seite gekracht. Dabei riss der Wulstbug der „Coral Ivory“ ein Loch in die „Siderfly“. Die kaum beschädigte „Coral Ivory“ erhielt bereits Montagabend die Erlaubnis zur Weiterreise nach Finnland, liegt aber bis zur Öffnung des Kanals in Brunsbüttel fest.

Aus Cuxhaven wurde gestern das Ölbeseitigungsschiff Knechtsand nach Brunsbüttel beordert. Es soll das aus der „Siderfly“ ausgetretene Dieselöl aufnehmen, dass sich zwischen der Fähre Kudensee und der Hochbrücke auf dem Wasser verteilt hat.

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erstellt am 30.Okt.2013 | 05:00 Uhr

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