Hochwasser im NOK : Fährverkehr kommt zum Erliegen

Nicht viel Spielraum lässt der hohe Wasserstand am Fähranleger auf der Brunsbütteler Südseite. Bei Bedarf würde der als Ballast mitfahrende Laster vorrollen und so den Bug der „Breslau“ tiefer drücken.
1 von 2
Nicht viel Spielraum lässt der hohe Wasserstand am Fähranleger auf der Brunsbütteler Südseite. Bei Bedarf würde der als Ballast mitfahrende Laster vorrollen und so den Bug der „Breslau“ tiefer drücken.

Entwässerung über die Schleusen zurzeit schwierig. Der Vorsitzende des Nautischen Vereins Brunsbüttel fordert ein Schöpfwerk für die Regulierung des Wasserstands.

von
15. Januar 2015, 05:00 Uhr

Zu hoher Wasserstand im Nord-Ostsee-Kanal führt zu Ausfällen im Fährbetrieb. Seit Dienstag Abend verkehrt in Brunsbüttel nur noch die 100-Tonnen-Fähre „Breslau“, die übrigen Verbindungen über die künstliche Wasserstraße im Bereich des Wasser- und Schifffahrtsamts Brunsbüttel (WSA) zwischen der Schleusenstadt und Oldenbüttel hatten den Betrieb gestern weitestgehend eingestellt. Eine Situation, die noch mehrere Tage andauern kann. Unterdessen meldet sich der Vorsitzende des Nautischen Vereins Brunsbüttel zu Wort. Bernd Appel fordert angesichts des sich abzeichnenden Klimawandels ein zusätzliches Schöpfwerk. Denn bislang wird der Wasserstand im NOK lediglich über die Schleusen geregelt.

Derzeit müssen sich Verkehrsteilnehmer, die den Kanal über die Fähren passieren wollen, auf Wartezeiten oder Umwege einstellen. In Brunsbüttel nimmt die „Breslau“ keine Lkw mit. Grund: Mittschiffs ist ein mit Kies beladener Lkw positioniert, der als Ballast wirkt. Bei Bedarf rollt er ein Stück vor, damit die Fähre überhaupt anlegen kann – der Laster drückt den Bug dann etwas tiefer, so dass sie am Anleger andocken kann. Die Fähren in Ostermoor, Kudensee, Burg, Hohenhörn und Fischerhütte fuhren nicht, in Hochdonn war sie zumindest noch am Mittag in Betrieb. Um diese Zeit nahm auch die Fähre Oldenbüttel den Betrieb wieder auf. „Diese Situation kann noch bis zum Wochenende andauern“, sagt Uwe Dobelstein, beim Brunsbütteler WSA zuständig für den den Fährverkehr. Dobelstein: „Wir können nicht genug entwässern.“

Das nimmt Bernd Appel zum Anlass, ein Schöpfwerk zu fordern. Denn der Kapitän sieht nicht nur die Behinderungen beim Übersetzen über den NOK. Appel hat auch die maritime Wirtschaft im Blick. Wenn die Schleusentore geöffnet werden, um Wasser in die Elbe abzulassen, bedeutet das für die Schifffahrt, dass die Frachter auf Reede liegen müssen, um den Vorgang abzuwarten – teure Zeitverluste.

„Durch verzögerte Instandsetzung der Entwässerungstore der Kleinen Schleusen kam es während der letzten Wochen zu erheblichen Beeinträchtigungen für die Schifffahrt, da das Ablassen des Oberflächenwassers bei niedriger Tide auch über die Großen Schleusen durchgeführt werden musste, was zur zeitweisen Sperrung aller Schleusen führte“, moniert Appel. Der Nautische Verein weise schon seit Jahren darauf hin, dass die Entwässerungsschieber in den Schleusentoren in schlechtem Zustand seien.

Maßnahmen seien dringend notwendig, betont Appel: „Über den NOK wird eine zum großen Teil unter dem Meeresspiegel liegende Fläche entwässert, die der mehr als doppelten Ausdehnung Hamburgs entspricht.“ Brunsbüttel gehört nicht dazu, die Stadt leitet Oberflächenwasser über die Braake in die Elbe. Erschwert werde eine Entwässerung des Kanals aber auch durch ungünstige Winde, sagt Appel: „Bei starken westlichen Winden mit anhaltenden Niederschlägen sinkt der Wasserstand der Elbe bei Ebbe nicht ausreichend.“ Das führe wiederum zum Anstieg des NOK-Wasserspiegels, weil mehr Wasser in den Kanal eingeleitet werde als in die Elbe ablaufen könne. Das gefährde zusätzlich „die dann ungeschützten Böschungen“. Deshalb reagierte das WSA gestern auch und begrenzte das Tempo passierender Schiffe auf 12 km/h.

Thomas Fischer vom WSA sieht keinen Grund zur Sorge. Der erhöhte Wasserstand sei nicht ungewöhnlich. Bei solchen zu erwartenden Wetterlagen werde schon im Voraus entwässert. „Definitiv nein“, sagt er zu Appels Forderung nach einem Schöpfwerk. „Ein Pumpwerk hätte hier nicht viel geholfen.“ Zudem werde die fünfte Schleusenkammer zusätzlich Entlastung bringen. Letztlich, so Fischer, gehe es um wenige Stunden im Jahr.

Unabhängig vom NOK sieht Bernd Appel ohnehin langfristig Probleme für die Binnenentwässerung Dithmarschens und der Wilstermarsch. „Das einfache Ablassen der Oberflächen- Wassermengen über den NOK-Vorfluter wird zukünftig nicht mehr ausreichen. “ Pläne, daran etwas zu ändern gebe es aber offensichtlich nicht.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen