schwer krank : Facebook-Suche nach Lebensretter

Mit Hund „Schröder“: Conny Kuhrt  hofft auf die dringend benötigte Spenderniere.
Foto:
Mit Hund „Schröder“: Conny Kuhrt hofft auf die dringend benötigte Spenderniere.

Conny Kuhrt aus Burg braucht dringend eine Spenderniere – und ihr Aufruf im Internet bringt Kontakt zu einer Kandidatin.

shz.de von
23. Juni 2014, 17:09 Uhr

Organspenden können Leben retten. Das weiß Conny Kuhrt aus Burg. Deshalb hat sie schon lange einen Ausweis bei sich, mit dem sie sich bereit erklärt, nach ihrem Tod Organe zu speden. Doch womit die 48-Jährige nicht gerechnet hat: Plötzlich gehört sie selbst zu den Menschen, die dringend auf eine solche Hilfe angewiesen sind.

Vor zwei Jahren stellten die Ärzte nach einer verschleppten Lungenentzündung und einer Herzmuskelentzündung fest, dass die Burgerin am „Alport-Syndrom“ leidet. Bei dieser Erbkrankheit vernarbt das Nierengewebe oft ab dem frühen Kindesalter zusehends, die Nieren versagen, und die Betroffenen sind lebenslang auf die Dialyse (Blutwäsche) angewiesen, im fortgeschrittenen Stadium auch auf eine Organspende. „Bei mir trat diese Krankheit offensichtlich sehr spät auf“, sagt Conny Kuhrt. Weil sie schnell fortschritt, wurde ihr ein so genannter Dialysekatheter unter das Bauchfell gepflanzt. Mit ihm werden die Giftstoffe abgeführt, die normalerweise die Nieren filtern. „Vier Mal täglich muss ich die Flüssigkeit ablaufen lassen, was mich natürlich sehr beeinträchtigt“, beschreibt die Burgerin.

Von Nebenwirkungen durch Medikamente oder Unwohlsein an manchen Tagen spricht die Mutter dreier Kinder kaum. Regelmäßig geht sie ihrer Arbeit in einem großen Verbrauchermarkt nach, ist stets fröhlich – niemand würde vermuten, dass die immer gut gelaunte Frau schwer erkrankt ist. „Inzwischen ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass das Bauchfell zu schwach wird und sich zu viele Phosphate im Körper ablagern. Ich brauche eine neue Niere, wenn ich weiterleben möchte“, erzählt Conny Kuhrt. Das Warten auf einen Anruf der Stiftung Eurotransplant, verantwortlich für die Zuteilung von Spenderorganen in sieben europäischen Ländern, zermürbt. „Wer wartet schon gerne auf so einen Anruf ohne den Hintergedanken, dass für die lebensrettende Niere ein Mensch sterben musste?“, fragt die 48-Jährige.

Die Spende durch ein Familienmitglied kommt nicht in Frage. Die drei Kinder im Alter von 21 bis 25 Jahren sind noch zu jung, der Bruder der Burgerin hat die falsche Blutgruppe. Beinahe täglich schreibt Conny Kuhrt über Facebook mit Freunden und Bekannten. Da kam ihr dann eine andere Idee: „Wir posten doch oft wirklich nur dummes Zeug, irgendwelche Witze oder – sorry – blöde Sprüche. Ich dachte mir dann, warum nicht mein Problem schildern und um Hilfe bitten.“ So war dann in ihrem Profil zu lesen: „Liebe Leute! Ich brauche dringend eine neue Niere.“ Vielleicht kenne jemand jemanden, der jemanden kennt. „Mir läuft leider die Zeit davon, und ich möchte gerne noch die nächsten 50 Jahre genießen. Ich möchte gerne noch mitbekommen, wie meine Kiddys heiraten und mir kleine Enkel schenken. Ich habe noch so viel vor...“ Ihre Blutgruppe sei Null positiv, die müsse der Spender auch haben und weniger als 100 Kilogramm wiegen, so Conny Kuhrt weiter. „Wäre von Vorteil, wenn die Familienplanung schon abgeschlossen ist.“ Und der letzte Satz: „Vielleicht habe ich ja mal großes Glück in meinem Leben.“

In nur wenigen Stunden ging die Botschaft um die halbe Welt. Jeder, der den Aufruf gelesen hatte, schickte ihn an seine Freundesliste weiter. Stundenlang saß Conny Kuhrt an ihrem Computer, beantwortete Fragen und erklärte ihr Problem. Und noch am selben Tag geschah das fast Unglaubliche: Karin S. (Name geändert) kennt die Burgerin schon einige Jahre. Sie sind keine Freundinnen, hegen aber Sympathien füreinander. Karin S. überlegte nicht lange, diskutierte ihr Vorhaben zunächst mit dem Ehemann und schrieb: „Ich werde dir helfen. Ruf mich an.“ Die 38-jährige Mutter zweier Kinder möchte allerdings anonym bleiben. „Ich will keinen großen Rummel um meine Person, sondern nur helfen. Ich bin kerngesund und denke, dass ich auch mit einer Niere ohne Probleme leben kann. Wenn ich durch diese Operation Connys Leben retten kann, ist das Dank genug für mich“, sagte sie bescheiden.

Viele Fragen sind offen. Zunächst muss die mögliche Spenderin gründlich untersucht werden, um jedes Risiko für sie selbst auszuschließen. Dazu wird sie ins UKE Hamburg gehen, wo auch später die Transplantation erfolgen soll. Conny Kuhrt ist zunächst einmal glücklich, hofft nun darauf, dass sie die Niere annehmen kann. Und wenn nicht? Die Facebook-Gemeinde ist sich einig: Dann wird weiter gesucht.



zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen