Kriminalität : Experten am Tatort – jederzeit

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Gewerkschaft der Kriminalbeamten fordert auch in Itzehoe eine Reform: Kriminaldauerdienst statt wechselnder Bereitschaft.

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25. Januar 2018, 05:44 Uhr

Ein schweres Verbrechen außerhalb der normalen Arbeitszeiten – dann muss in Dithmarschen und Steinburg der Bereitschaftsdienst der Itzehoer Kriminalpolizei ran. Doch bei der Organisation dieser mitunter heiklen Schicht sieht der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) Probleme: Die Kripo sei dafür nicht professionell genug aufgestellt. „Aktuell machen Kollegen die Einsätze, die nicht optimal darauf vorbereitet sind“, sagt BDK-Regionalsprecher, Henrik Reershemius.

Statt eines Bereitschaftsdienstes mit wechselnden Mitarbeitern fordert die Gewerkschaft einen Kriminaldauerdienst (KDD), also ein festes Kommissariat mit eigenen Beamten, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen. In Kiel und Lübeck gibt es das bereits, der BDK will dies nicht nur in Itzehoe, sondern landesweit.

Im Dezember hatte unsere Zeitung von einer Änderung beim Bereitschaftsdienst berichtet: Waren zuvor jeweils zwei Beamte zu Hause in Rufbereitschaft, so sind sie jetzt auf der Dienststelle. Polizeisprecherin Merle Neufeld erklärte die Verlegung damals mit dem Bedarf nach einer schnelleren Reaktionszeit. Laut Reershemius spielten auch arbeitsrechtliche Komponenten eine Rolle: Die Beamten seien zuvor nur zu 15 Prozent entlohnt worden, wenn es keinen Einsatz gab. Jetzt sind es 50 Prozent.

Dem BDK geht die Reform noch nicht weit genug. Es hapere bei der Qualität des Dienstes, der reihum aus verschiedenen Fachabteilungen besetzt sei. „Mitunter kommt also ein Kollege zum Tatort, der seit Jahren keine Leiche mehr gesehen hat“, sagt Reershemius. „Das ist nicht professionell, und die Wahrscheinlichkeit, dass etwas übersehen wird, ist groß.“ Außerdem sei auch die neue Vergütung „arbeitszeitrechtlich fragwürdig“ .

Der KDD als eigene Dienststelle wäre ausschließlich für den „ersten Angriff“ zuständig. Dessen Einführung fordern laut einer landesweiten Umfrage des BDK 89 Prozent aller Kriminalbeamten. Konkret schlägt die Gewerkschaft für die Region eine Kooperation der Polizeidirektionen Itzehoe und Bad Segeberg vor, die den Dienst gemeinsam einrichten könnten. Das erfordere 12 bis 16 zusätzliche Beamte.

Die Polizeidirektion Itzehoe gibt sich reserviert und weist Kritik an der Qualität des Dienstes der Kripo zurück. Der Leitende Polizeidirektor Thomas Schettler will sich nicht äußern, lässt aber durch Sprecherin Merle Neufeld verlauten: „Die aktuell in der Polizeidirektion Itzehoe praktizierte Form der auf der Dienststelle zu verrichtenden 24-Stunden-Bereitschaft ist unter den jetzigen Gegebenheiten eine tragbare und praktikable Lösung, die zumindest momentan nicht in Frage steht.“

Im Kieler Innenministerium, das eine landesweite Lösung schaffen könnte, zeigt man sich offen für den BDK-Vorschlag: „Das Innenministerium ist in dieser Frage grundsätzlich gesprächsbereit“, sagt Sprecher Tim Radtke. Eine Arbeitsgruppe der Polizei habe im vergangenen Jahr den Bereitschaftsdienst der Kripo untersucht und empfohlen, die flächendeckende Einrichtung von Kriminaldauerdiensten zu prüfen. Eine Entscheidung stehe aus.

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